| 18:24 Uhr

Kehrtwende beim Stadtumbau

Schipkau schiebt im Bereich der Rosa-Luxemburg-Straße Investitionen an. Bisher wurde hier zwölf Platten abgerissen.
Schipkau schiebt im Bereich der Rosa-Luxemburg-Straße Investitionen an. Bisher wurde hier zwölf Platten abgerissen. FOTO: Konzag/Gemeinde
Klettwitz/Großräschen. Schipkau will angesichts der stabilen Einwohnerzahlen seine bisherige Strategie beim Programm "Stadtumbau Ost" ändern. Statt ausschließlichem Abbruch sollen wieder verstärkt aufwertende Baumaßnahmen im Ortsteil Schipkau stattfinden, kündigt Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) am Rande der Sitzung der Gemeindevertretung an. Andrea Budich

"Die Zahlen zeigen uns in den vergangenen vier Jahren trotz demografischem Wandel keinen Rückgang, sondern Stabilität", so Prietzel. Er führt dazu eine durchschnittliche Einwohnerzahl von 6830 Schipkauern ins Feld.

14 Jahre nach Start des Stadtumbauprogramms in Schipkau ist heute ein weiter Blick über grüne Wiesen an der Rosa-Luxemburg-Straße möglich. Allein hier wurden in den vergangenen Jahren zwölf von 18 Plattenbauten abgetragen. Einer der beiden Großvermieter, die Kommunale Wohnungsgesellschaft (KWG) Senftenberg, plant hier im kommenden Jahr einen weiteren Abbruch. "Danach wollen wir gemeinsam die weitere Entwicklung des Wohnungsmarktes beobachten", so der Bürgermeister. Ob und wann weitere Abbrüche folgen, müsse sich dann zeigen.

Da sich die ursprünglichen Prognosen eines drastischen Einwohnerverlustes nicht bewahrheiteten, prüft Schipkau nun sogar, im Bereich der Rosa-Luxemburg-Straße wieder zu investieren. Vorstellbar wären die Erneuerung von Gehwegen oder die Instandsetzung der Fahrbahn. Damit will der Ort ein Zeichen dafür setzen, dass dieser Bereich durchaus eine Perspektive hat. Dem dient auch der kürzlich erfolgte Rückbau hässlicher alter Parkplätze, den der Windparkbetreiber finanzierte. An anderer Stelle sollen zudem freie Flächen als Bauland entwickelt werden.

Schipkau war über Jahrzehnte hinweg vorrangiger Standort für den Kohleersatz-Wohnungsbau. So stampfte man noch in den späten 1980er-Jahren in kurzer Zeit das Baugebiet Rosa-Luxemburg-Straße aus dem Boden. Hier sollten Menschen aus dem Vorfeld des Tagebaus Klettwitz-Nord eine neue und für damalige Verhältnisse moderne Heimat finden. Nach Ende des DDR-Braunkohlenbergbaus wurden viele Wohnungen nicht mehr gebraucht. Schipkau fand daher Aufnahme in das Programm des "Stadtumbaus Ost", in dessen Folge Millionen Euro für Aufwertung und Abbruch in den Ort flossen.

Die ganz große Rückbauwelle ist indes auch in der Nachbarstadt Großräschen abgeschlossen. Dieses Signal hat Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung gegeben. 1600 Wohnungen sind in der Seestadt über die Jahre rückgebaut worden. Der Löwenanteil davon in der Nordstadt, die ähnlich wie in Schipkau erst in den 1980er- Jahren erbaut wurde. Auch Großräschens Stadtväter legen den Fokus jetzt verstärkt auf aufwertende Baumaßnahmen. Beispiele dafür sind die Ersatzinvestition der Edeka-Gruppe sowie die Millionen-Investition des Deutschen Roten Kreuzes zur Aufwertung des Seniorenparks in der Nordstadt.