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| 16:47 Uhr

Hilfe für Katharina
Katharina löst riesige Hilfswelle aus

Janet Kassai war mit Töchterchen Mayla gekommen und ist von den ehrenamtlichen Helferinnen Dana Barnack und Stefanie Kulk (v. l.) umfassend informiert worden.
Janet Kassai war mit Töchterchen Mayla gekommen und ist von den ehrenamtlichen Helferinnen Dana Barnack und Stefanie Kulk (v. l.) umfassend informiert worden. FOTO: Uwe Hegewald
Senftenberg. 889 Menschen zeigen Solidarität in Senftenberg und lassen sich für eine mögliche Stemmzellenspende typisieren.

Für Arne Gebhard gilt es Samstagmorgen früh aus den Federn zu springen. Um 5.30 Uhr kehrt er Berlin-Friedrichshain den Rücken, um sich in den Zug nach Senftenberg zu setzen. Ziel des Hauptstädters ist die Sporthalle der Dr.-Otto-Rindt-Oberschule Senftenberg, wo die bisher größte Typisierungsaktion der Kreisstadt angekündigt ist. Arne Gebhard, der ehrenamtlich für die DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) tätig ist, kennt sich mit Typisierungsaktionen aus. „Inzwischen dürften es über 150 solcher Veranstaltungen sein“, so der studentische Mitarbeiter, der an der Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde studiert. „Wichtig ist natürlich ein funktionierender Helferstab vor Ort und eine engagierte Kontaktperson wie Annika Schirmacher“, lenkt er die Aufmerksamkeit auf das Heer von Helfern.

„Rund 90 Unterstützer haben sich bereit erklärt, den heutigen Samstag freizuhalten. Auslöser war der Hilferuf vom Vater der kleinen Katharina, vor rund vier Wochen“, erklärt Birgit Heilemann. Und ja, auch sie habe eine kurze und unruhige Nacht gehabt. Verpflegung, Tombola, Hüpfburg, Glücksrad, Einweiser für den Parkplatz – an so vieles musste gedacht werden. „Wir hätten den gesamten Aufwand auch für jede andere Person betrieben. Obwohl das Schicksal der kleinen Katharina schon tief berührt“, sagt Birgit Heilemann. An 40 Plätzen werden Daten erfasst, Erläuterungen zu den Modalitäten gegeben und die so wichtigen Stäbchen gereicht.

Laura Scholz zählt zu den temporären DKMS-Helferinnen, die über einen Freund von der Aktion erfahren hat. Für die Abiturientin des Friedrich-Engels-Gymnasiums steht außer Frage, sich einzubringen. „Das Bild von Katharina auf den Plakaten ist einfach nur herzzerreißend. Da kann man doch nicht nein sagen“, sagt die 18-Jährige. Noch vor dem öffentlichen Beginn sitzt ihr eine stadtbekannte Person gegenüber: Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). „Um mir einen Überblick zu verschaffen, habe ich mich ein paar Minuten früher auf den Weg gemacht. Mit diesem Betrieb noch vor dem eigentlichen Start um 11 Uhr habe ich nicht gerechnet“, räumt das Stadtoberhaupt ein.

Bemerkenswert: Da für die Kicker des FC Senftenberg ein Punktspiel angesagt war, ließen sich einige Spieler bereits um 8.30 Uhr typisieren. Wie Arne Gebhard informiert, gehen die einzelnen Proben an die DKMS Life Science Lab GmbH nach Dresden. Dort werde analysiert, wer sich als Stammzellenspender eignet und ob im Idealfall eine Person mit passenden Parametern gefunden wird, um der kleinen Katharina zu helfen. Sie leidet an septischer Granulomatose (CGD). Janet Kassai hält sich vor Augen, „dass einem selbst oder Familienangehörigen eine so schlimme Krankheit ereilt“. „Warum also nicht an dieser Aktion im Wohnort teilnehmen“, begründet die mit Töchterchen Mayla angereiste Senftenbergerin ihren Besuch.

Rund fünf Minuten dauert der einmalige Prozess, der auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht erneuert werden muss. „Keine große Sache also“, sagt Stefanie Kulk und bestätigt die Aussage ihrer DKMS-Tischnachbarin Dana Barnack: „Wir machen das hier, weil wir Leben retten wollen.“ Arne Gebhard zeigt sich beeindruckt von Resonanz und Leidenschaft des Aktionstages. „889 Teilnehmer sind ein stattliches Ergebnis“, würdigt er, bevor er sich am Abend wieder in den Zug nach Berlin setzt. Der RUNDSCHAU erzählt der Berliner, warum er sich seit nunmehr sieben Jahren ehrenamtlich für die Sache einsetzt: „2008 konnte mir mit einer Stammzellenspende selbst geholfen werden. Ohne die Bereitschaft einer Person, wie die Leute hier, wäre ich heute nicht genesen“, betont er.

Die sieben Monate alte Katharina leidet an septischer Granulomatose, einer lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems.
Die sieben Monate alte Katharina leidet an septischer Granulomatose, einer lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems. FOTO: privat