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| 16:00 Uhr

Alarm in Lausitzer Teichen: Karpfen in Not
Katastrophe für Kroppens Karpfen

Hilflos müssen die beiden Teichwirte Jörg (l.) und Ernst Sieber zuschauen, wie der Wasserstand im Theresenteich bei Frauendorf Tag für Tag weiter sinkt. Ihr Futterkahn, der normalerweise in Ufernähe schwimmt, liegt schon seit Juni  auf dem Trockenen.
Hilflos müssen die beiden Teichwirte Jörg (l.) und Ernst Sieber zuschauen, wie der Wasserstand im Theresenteich bei Frauendorf Tag für Tag weiter sinkt. Ihr Futterkahn, der normalerweise in Ufernähe schwimmt, liegt schon seit Juni  auf dem Trockenen. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Kroppen. Dürre und Hitze bringen Fischer in Existenznot. Notabfischen nicht möglich, weil in den Hälterteichen das Wasser fehlt. Wasserstand im Theresenteich bei Frauendorf sinkt täglich. Von Andrea Budich

Wenn Jörg Sieber seine tägliche Runde zum Theresenteich macht, kann er nur fassungslos mit dem Kopf schütteln. „Es ist eine absolute Katastrophe“, sagt der junge Chef  des Kroppener Fischzuchtbetriebes. Weit mehr als einen halben Meter Wasserhöhe hat das Gewässer in den vergangenen Wochen verloren. Der Teich schrumpft immer mehr zusammen, wird immer flacher. Es ist immer mehr Land in Sicht.

„Wir verlieren einen Zentimter pro Tag Wasserstand und  müssen  hilflos zuschauen“, sagt sein Vater Ernst Sieber. In der Teichlandschaft kennt er sich seit 40 Jahren wie in seiner Westentasche aus. Mehr als 20 Jahre lang hat er den Fischereibetrieb geführt, bevor er ihn vor fünf Jahren an den Sohn übergeben hat. Trockene Sommer mit viel Hitze und wenig Regen hat es in der langen Zeit immer wieder einmal gegeben. „Einen solchen Katastrophen-Sommer mit tropischer Hitze und extrem langer Dürre habe ich aber noch nie erlebt“, sagt der 70-Jährige.

Verdammt viel Land ist am Theresenteich in Sicht. Der Teich schrumpft immer mehr zusammen. Bis zu 70 Zentimeter Wasserhöhe fehlen bereits in dem 30 Hektar großen Gewässer bei Frauendorf.
Verdammt viel Land ist am Theresenteich in Sicht. Der Teich schrumpft immer mehr zusammen. Bis zu 70 Zentimeter Wasserhöhe fehlen bereits in dem 30 Hektar großen Gewässer bei Frauendorf. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche

Der Futterkahn, von dem aus die 15 Tonnen Karpfen im Theresenteich mit Getreide versorgt werden, liegt seit Wochen auf dem Trockenen. Der Kahn, der normalerweise schwimmt, steht  auf Sand. Gefüttert wird jetzt nur  noch vom Ständer aus. 300 Kilogramm Getreide pro Fütterung. Normal ist eine Tonne. „Für die Notfütterung brauchen wir nicht mehr. Die Fische haben ihren Stoffwechsel runter geschraubt bei der Hitze“, erklärt Sieber.

Wasser fehlt nach wochenlanger Trockenheit  in allen 13 Teichen des Fischereibetriebes. Am schlimmsten sieht es in den beiden größten Teichen aus, dem 30 Hektar großen Theresenteich und dem 20 Hektar großen Kaupenteich. „Wir probieren, jeden Tropfen Wasser in die Teiche zu bringen“, sagt Jörg Sieber. Dafür haben die Männer den Kroppener Neuteich schon zum Teil abgelassen, um den Pegel im Theresenteich zu stützen. „Hat aber nicht viel gebracht“, winkt Sieber enttäuscht ab. Das Wasser sei nur kurz gestiegen. Jetzt fällt es schon wieder Tag für Tag ab.

Zu schaffen macht den beiden Fischern aber nicht nur die geringe Wassermenge. Zum einen beginnt der Sauerstoff in den Teichen langsam knapp zu werden. Und dann sind da noch die Seeadler, Fischadler, Kormorane und Reiher, die im Flachwasser jetzt besonders leicht Beute machen können.

Übers Notabfischen haben die beiden Siebers nachgedacht, die Überlegungen dann aber ganz schnell verworfen. „Wir wissen ja nicht wohin mit unseren Fischen“, erklärt Jörg Sieber den Ernst der Lage. In allen 13 Teichen ist  der Wasserstand derzeit sehr flach. Und selbst die Hälterteiche bei Jannowitz sind leer.

Was bleibt, ist der Blick gen Himmel nach Regenwolken und die Informationen aus der Wetter-App. Hält die Trockenheit wie vorausgesagt weiter an, wird es Woche für Woche kritischer um Kroppens Kult-Karpfen, für die die Leute vor Weihnachten Schlange stehen.

Die diesjährige Ernte, soviel steht jetzt schon fest, wird sich nach hinten verschieben. Zum Abfischen muss die Wassertemperatur deutlich fallen. Im Theresenteich schwankt sie derzeit zwischen 27 und 28 Grad.