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Kartoffelernte ein wahres Fest

Am Verleseband wird jede Hand gebraucht.
Am Verleseband wird jede Hand gebraucht. FOTO: Rudolf Kupfer/rkp1
Frauendorf. Über die diesjährige Kartoffelernte freut sich Detlef Götze sehr. Der Frauwalder ist in der Agrargenossenschaft Frauendorf verantwortlich für die Frucht vom Legen im Frühjahr bis zur Ernte im Herbst. Und pünktlich vor dem ersten Nachtfrost sind jetzt alle Knollen eingefahren – mit einem Spitzenertrag von etwa 500 Dezitonnen je Hektar. Rudolf Kupfer / rkp1

Die Kartoffeln der frischen Ernte sind von sehr guter Qualität. Im Hofladen in Frauendorf werden sie das ganze Jahr über direkt vermarktet. Obwohl auf den Feldern der Agrargenossenschaft Frauendorf nur noch 20 Hektar angebaut werden - das ist ein Prozent der Ackerfläche - wird Mitte Juni bis Mitte Oktober über einen sehr langen Zeitraum gerodet. Denn die Erdäpfel kommen so frisch wie nur möglich auf den Tisch.

Jetzt allerdings ist die Zeit reif gewesen, den Wintervorrat ins Lager zu bringen. Dafür werden viele Helfer gebraucht. Obwohl die moderne Kombine nur eine Kartoffelreihe aufnimmt, haben am Verleseband fünf Kräfte zu tun, um feste Erdklumpen und Steine aus dem Erntegut herauszulesen.

Ruth Heller aus Tettau ist dabei. Sie geht zum Jahresende in Rente. Die letzte Ernte ihres Berufslebens auf der Kombine hat sie besonders genossen. Sie kann sich noch gut an die Knochenarbeit vor 50 Jahren erinnern. "Auch bei dieser Kultur hat es in den letzten Jahrzehnten eine tolle Entwicklung gegeben. Und ich hatte das Glück, dabei gewesen zu sein", sagt die Bäuerin aus Tettau.

Für das Verladen der gefüllten Paletten am Feldrand in der Flur von Großkmehlen ist Andreas Grau zuständig. Er weiß noch, dass um das Jahr 1980 auf der heutigen Ackerfläche der Agrargenossenschaft Frauendorf mit staatlichen Auflagen bis zu 720 Hektar Kartoffeln angebaut wurden. "Wochenlang wurde im Herbst damals die Einkellerung von Speisekartoffeln mit enormem Kraftaufwand durchgeführt", erzählt er. In dieser Zeit wurden sogar auf dem Bahnhof von Lauchhammer größere Mengen Speisekartoffeln aus Frauendorf in die Sowjetunion geliefert. "Von der heutigen Sicherheit und Höhe der Erträge haben wir damals nur geträumt", bestätigt der Landwirt.

Trotz geringen Umfangs ist der Kartoffelanbau in der Agrargenossenschaft Frauendorf ein wichtiges Standbein, erklärt Geschäftsführer Walter Beckmann. "Mit Erfolg haben wir in den letzten Jahren ein breites Sortiment selbst erzeugter Produkte in unserem Hofladen etabliert. Die Speisekartoffeln gehören dazu und werden nur für den Absatz hier angebaut." Erzeugnisse aus der Gärtnerei der Frauendorfer, von den Feldern und Frischmilch aus dem Stall Tettau seien inzwischen stark nachgefragt. "Unsere Kunden schätzen besonders den regionalen Bezug und die kurzen Warenwege", so Beckmann weiter. Und regionale Anbieter kommen mit zum Zuge. Jüngst auch Erzeuger von Ziegenkäse aus dem Nachbarkreis Elbe-Elster.

"Obwohl die Sandböden in der Lausitz bestens geeignet sind für Kartoffeln, werden wir den Anbau nicht erweitern können. Denn es gibt keinen entsprechenden Absatz", erklärt der Geschäftsführer. Die richtige Anbaustruktur im Betrieb zu finden, sei eine ständige Herausforderung am schwierigen Markt. Derzeit werden regional Rinderbestände massiv abgebaut. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie das vorhandene Grünland künftig sinnvoll genutzt werden soll", sagt Beckmann.