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Kandelaber bleibt vorerst in Lauchhammer

Der Guss aus Lauchhammer fand keinen Abnehmer.
Der Guss aus Lauchhammer fand keinen Abnehmer. FOTO: Auktionshaus Mehlis
Lauchhammer. Die berühmt gewordene Straßenlaterne kann noch in dieser Woche erworben werden. Bei einer Auktion fand sie keinen Abnehmer. Jan Augustin

Wer Lauchhammers dreiflammigen Kandelaber erwerben will, hat dafür noch in dieser Woche die Gelegenheit dazu. Bei einer Versteigerung am Wochenende im Plauener Auktionshaus Mehlis war die Laterne nicht unter den Hammer gekommen. Das bestätigt Geschäftsführerin Jeannette Mehlis auf Nachfrage. Die Laterne nach einem Entwurf des Architekten Prof. Ludwig Schupmann, die vor dem Kulturhaus in Lauchhammer-Ost steht, habe keinen Bieter gefunden. Für ein Mindestangebot von 9500 Euro war der berühmt gewordene Guss aus der Kunstgießerei Lauchhammer angeboten worden. "Wenn sich jemand entschließt, ihn zu kaufen, ist das noch möglich", erklärt Jeannette Mehlis. Interessenten könnten dafür noch in dieser Woche ein schriftliches Angebot, das auch unter dem Mindestpreis liegt, einreichen und den Kandelaber im Nachverkauf erwerben.

Dass sich bisher kein Käufer gefunden hat, dürfte einigen Lauchhammeranern gefallen. So hatte zum Beispiel Wolfgang Miertzsch die geplante Auktion kritisiert und der Stadt den Vorwurf gemacht, sie tue als Kunstguss-Stadt nicht genug. Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) will das nicht auf sich sitzen lassen. Er betont zwar, dass der Kandelaber keinerlei kulturhistorischen Wert habe, nicht typisch für die Stadt sei und jederzeit nachgegossen werden könne. Daraus aber den Schluss zu ziehen, zu wenig für den Kunstguss zu machen, sei falsch. "Die Stadt Lauchhammer setzt sich seit Jahren nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten mit de Geschichte und der weiteren perspektivischen Entwicklung des Kunstgusses in der Stadt als eines der Ursprungselemente für die Entstehung einer Industrie, die inzwischen auf knapp 300 Jahre Entwicklungsgeschichte zurückblicken kann, auseinander", teilt das Stadtoberhaupt mit. Dabei seien der Kunstguss und das Kunstgussmuseum "herausragende Bausteine, die die Industriegeschichte widerspiegeln und präsentieren".

Die Stadt Lauchhammer beteiligt sich finanziell am Betrieb des Museums. Derzeit sind es jährlich 30 000 Euro, die an die Stiftung des Kunstgussmuseums überwiesen werden. Und der Zuschuss werde in den folgenden Jahren steigen, erklärt Pohlenz. Die Stadtverordneten stünden der weiteren konzeptionell vorgesehenen Entwicklung des Kunstgusses auch als touristisches Vermarktungsinstrument im Lausitzer Seenland positiv gegenüber. Im neuen Tourismuskonzept ist unter anderem die Besetzung einer entsprechenden Planstelle vorgesehen, für die die Ausschreibung gerade vorbereitet wird. Am Standort des Kunstgussmuseums soll zudem ein touristischer Informationspunkt errichtet werden, "um zum einen die touristisch notwendige Vermarktung des Kunstgusses und des Kunstgussmuseums dem Besucher des Lausitzer Seenlandes näher zu bringen und zum anderen gleichzeitig für das Lausitzer Seenland auch in der Stadt Lauchhammer zu werben." Die Investitionssumme betrage mehr als 200 000 Euro, von denen das Land Brandenburg einen "erheblichen" Teil übernehme. Zudem ist die Stadt seit diesem Jahr Mitglied im Beirat der Stiftung Kunstgussmuseum. "Insofern ist es nicht nachvollziehbar, dass die Stadt Lauchhammer für den Kunstguss kein Interesse zeigen würde", betont Roland Pohlenz.

Ein Antiquitätenhändler aus Dresden hatte die in der Kunstgießerei Lauchhammer gegossene Straßenlampe, die der Essener Architekt Ludwig Schupmann im 19. Jahrhundert für die Prachtstraße Berlins entworfen hatte, aus Privathand gekauft. In der Hauptstadt, unter anderem am Brandenburger Tor und an der Straße Unter den Linden, stehen die nur ein- und zweiflammige Original-Schupmann-Leuchten.

Der dreiflammige Kandelaber steht vor dem Kulturhaus in Lauchhammer-Ost, das wie das Grundstück in Privatbesitz zusehend verfällt.
Der dreiflammige Kandelaber steht vor dem Kulturhaus in Lauchhammer-Ost, das wie das Grundstück in Privatbesitz zusehend verfällt. FOTO: sam1
In Berlin stehen mehrere der historischen Schupmann-Kandelaber, unter anderem am Brandenburger Tor und in der Straße Unter den Linden.
In Berlin stehen mehrere der historischen Schupmann-Kandelaber, unter anderem am Brandenburger Tor und in der Straße Unter den Linden. FOTO: dpa