Von Jan Augustin

Am Bahnhofsvorplatz in Ruhland ist eine deutsche Sprenggranate aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Das bestätigt die zuständige Bundespolizei am Montag auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Die Sprenggranate mit einem Kaliber von 15 Zentimetern und ohne Zünder ist bereits vor einem Monat bei Bauarbeiten entdeckt und von einem Kampfmittelbeseitigungsdienst abtransportiert worden, erklärt Bundespolizeisprecherin Gabriele Krümmel. Das Ruhlander Ordnungsamt hatte daraufhin einen sofortigen Baustopp ausgesprochen und einen Antrag zur Überprüfung des Grundstückes auf Kampfmittelbelastung gestellt. Die Arbeiten an der Räumstelle dauern noch ungefähr 15 Tage an. „Bis jetzt wurde keine weitere Munition gefunden“, sagt die Polizeisprecherin.

Während des Zweiten Weltkrieges erfüllte der Knotenpunkt Ruhland ein besonderes militärisches Ziel zur Aufrechterhaltung der Frontlinie im Osten. Noch heute existieren die Anschlussgleise in Richtung der damaligen Hauptkampflinien. Wie aus alten Heereskarten hervorgeht, wurden von hier die 344. Infanteriedivision und die 2. Fallschirm-Panzer-Division sowie einige kleinere Einheiten zum Gefecht in den Raum Spremberg und Görlitz teilverladen und abtransportiert. Ebenso hatte der Bahnhof bei der Munitionsverladung große Bedeutung. Im März 1945 zerstörte ein Tiefflieger die Bahnstrecke Schipkau – über Ruhland führte somit der einzige Weg zur Truppenbewegung per Bahn. Zudem stellte der Bahnhof die direkte Verbindung nach Dresden und Bautzen dar. Das Bahnhofsgelände war mehrmals bombardiert worden und ein Hauptangriffsziel der alliierten Streitkräfte. Dabei sind auch etliche Blindgänger niedergegangen.

Warum die Polizei, die Deutsche Bahn und das Amt Ruhland nicht eher über den Fund informiert haben, ist unklar. In der Verwaltung war am Montagnachmittag niemand mehr erreichbar. Eine Anfrage bei der Deutschen Bahn vor dem Jahreswechsel wurde von einem Bahn-Sprecher dahingehend beantwortet, dass keine Störungsmeldung vorläge.