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Drogensucht
Kampfansage gegen Crystal mit neuem Hilfsangebot

Das Team der ambulanten Suchtberatung bietet kreisweit kostenlose und vertrauliche Beratung an. Leiterin Dr. Melanie Thomschke bespricht mit dem neuen Mitarbeiter, Dipl.-Sozialpädagoge André Schulze, die zusätzlichen Sprechzeiten für Crystalkonsumenten.
Das Team der ambulanten Suchtberatung bietet kreisweit kostenlose und vertrauliche Beratung an. Leiterin Dr. Melanie Thomschke bespricht mit dem neuen Mitarbeiter, Dipl.-Sozialpädagoge André Schulze, die zusätzlichen Sprechzeiten für Crystalkonsumenten. FOTO: Sarah Werner/OSL
Senftenberg. Ambulante Suchtberatung des Gesundheitsamtes Oberspreewald-Lausitz kann nun eine engmaschigere Beratung realisieren.

Crystal Meth, in der Szene oftmals auch nur kurz C genannt, ist ein großes Problem im Süden des Landes Brandenburg. Auch die Zahlen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, speziell der vergangenen vier Jahre, sind da deutlich. Das stellt Kreis-Sprecherin Sarah Werner fest. „Um dieser Betroffenengruppe zusätzliche Hilfen zu ermöglichen, wurde mit einer Finanzierung des Landes Brandenburg und des Landkreises eine zusätzliche Personalstelle im Bereich der Suchtberatung geschaffen“, sagt sie. Dadurch seien nun „gesonderte Sprechzeiten ausschließlich für Crystalkonsumenten“ möglich.

„Dadurch kann die ambulante Suchtberatungsstelle des Landkreises diesen Hilfesuchenden ein individuelleres und engmaschigeres Beratungsangebot ermöglichen“, erklärt Dr. Melanie Thomschke, Leiterin der ambulanten Suchtberatung und des sozialpsychiatrischen Dienstes des Kreises. Aufgrund des starken Abhängigkeitspotentials von Crystal Meth und dessen spezieller Wirkung - dem in der Regel apathischen Verhalten nach Konsum - sind oft nur begrenzte Zeitfenster für motiviertes Handeln der Betroffenen gegeben. „Die Akutsprechzeiten können spontan genutzt werden, es ist keine vorherige Terminvergabe notwendig“, betont die Expertin. Die Beratungsgespräche sind für die Nutzer - meist Betroffene und deren Angehörige - kostenlos und werden vertraulich im Sinne des Datenschutzes geführt.

Auch die Kooperation mit dem Zentrum für Psychosoziale Gesundheit am Klinikum Niederlausitz in Senftenberg wird ausgebaut. Hier ermöglicht die ambulante Suchtberatung jeden Mittwoch auf der Station für Suchterkrankte ein Erstkontaktangebot für die Patienten der Abteilung. Weiterhin können sich die Patienten im Rahmen des schon langzeitig etablierten monatlichen Gruppenangebotes im Klinikum über die Möglichkeiten der Suchtberatungsstelle informieren. „Hierdurch möchten wir den Patienten neben den Angeboten der Klinik auch Nachbetreuungsmöglichkeiten des Landkreises aufzeigen“, so Dr. Melanie Thomschke.

 Die Ambulante Suchtberatung des Landkreises Ooberspreewald-Lausitz hat im Zeitraum der Jahre  2009 bis 2016 einen deutlichen Anstieg der Beratungsfälle im Zusammenhang mit Crystal Meth, konkret von 21 auf 151, verzeichnet. Die Zahl der tatsächlich Betroffenen im Landkreis, die das Angebot der ambulanten Suchtberatung nicht wahrnehmen und daher in der Statistik nicht erfasst sind, dürfte insgesamt jedoch weitaus höher liegen. Das schätzen die Mitarbeiter ein.

Verlockend ist anfänglich die angstlösende und leistungssteigernde  Wirkung der Droge: Alles macht plötzlich wahnsinnig viel Spaß, Müdigkeit, Hunger und Schmerz sind wie weggeblasen. So schildern Süchtige den Beginn.  Die Konsumenten wollen oder können vorerst nicht realisieren, wie schnell sie sich in die Suchtspirale begeben oder sich schon nach sehr kurzer Zeit Alltagssituationen ohne Konsum nicht mehr vorstellen können. Viele glauben gerade in der Anfangsphase, sie hätten den Konsum unter Kontrolle und sind geradezu überwältigt von den vermeintlichen Vorzügen der Droge. So kommt es, dass die Betroffenen erst sehr spät den Weg in Helfersysteme wie Kliniken und Suchtberatungen finden. Oft mit bereits deutlichen seelischen, sozialen und körperlichen Folgeschäden.