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Kalkkur am Räschener See startet

Der Großräschener See liegt an zwei Ortslagen, deren Bürger dem Flutungsende und neutralem Wasser längst entgegen fiebern.
Der Großräschener See liegt an zwei Ortslagen, deren Bürger dem Flutungsende und neutralem Wasser längst entgegen fiebern. FOTO: Peter Radke/LMBV
Großräschen/Senftenberg. Der Großräschener See bekommt jetzt die erste Kur mit etwa 7000 Tonnen Weißfeinkalk, um das saure Wasser zu neutralisieren. Die Vorbereitungen für den Schiffseinsatz auf dem fast fertig sanierten Restsee des letzten aktiven Braunkohlentagebaus im Senftenberger Revier laufen auf Hochtouren. Kathleen Weser

Mitte August sticht das Schiff in See. Das bestätigt Uwe Steinhuber, Unternehmenssprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV).

Mit der Firma BUG Dienstleistungen aus der Gemeinde Elsterheide (Kreis Bautzen) werden Experten beauftragt. Das steht schon fest. Ihre Aufgabe: Mit dem Schiff, einer mobilen Wasserbehandlungsanlage, ist das Neutralisationsmittel gleichmäßig zu verteilen. Dies geschieht unter der Wasserlinie. Mit Weißfeinkalk und Kalksteinmehl wird den Berechnungen der Bergbausanierer zufolge im gesamten Restloch Meuro eine hohe Wirkung erreicht. Der ph-Wert liegt derzeit bei einer sauren Drei.

Die verdünnte fünfprozentige Suspension wird mit dem Sanierungsschiff auf den von Hydrologen und Geologen vorgegebenen Fahrtrouten über den See turbulent unter Wasser eingespült. Gestartet wird in wenigen Tagen, die Arbeiten werden Monate andauern. Bei einem Fahrtempo von zehn Kilometern pro Stunde wird eine optimale Vermischung erreicht. Das ist schon an anderen Seen getestet.

Seit Dezember des vergangenen Jahres ist der Wasserstand im Großräschener See durch das Fluten mit etwa sieben Millionen Kubikmeter Wasser bereits um 1,60 Meter angestiegen, verdeutlicht Uwe Steinhuber die Dimension. Der Wasserpegel liege damit jetzt 96 Meter über Normalnull (NHN). Mit 101 ist der maximale Wasserstand avisiert.

Die größte Dosis Heilmittel wird den neuen Gewässern gern über den Winter verpasst. Denn die Eigenzirkulation der gewaltigen Seen arbeitet in der kalten Jahreszeit besonders gut für die Wasserqualität.

Zum Thema:
Die neuen Lausitzer Seen entstehen aus ausgekohlten Tagebauen. Da beim Bergen der Kohle aus dem unterirdischen Gebirge über Jahrzehnte auch Pyrit- und Markasit-Verbindungen nach oben befördert wurden, reagiert das aufsteigende Seewasser sauer. Deshalb müssen die Gewässer mit Kalk neutralisiert werden. Mit mobiler Technik auf dem Wasser ist das sehr effektiv.

Der einst quietschsaure Bernsteinsee bei Burghammer im Spreetaler Revier ist per Schiff sehr erfolgreich behandelt worden.
Der einst quietschsaure Bernsteinsee bei Burghammer im Spreetaler Revier ist per Schiff sehr erfolgreich behandelt worden. FOTO: Uwe Steinhuber/LMBV