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| 16:56 Uhr

Kahlschlag im Ruhlander Stadtwald

Wilhelm Zimmerling schreitet die Schneise ab, die jetzt durch den Ruhlander Stadtwald führt.
Wilhelm Zimmerling schreitet die Schneise ab, die jetzt durch den Ruhlander Stadtwald führt. FOTO: Rasche/str1
Ruhland. Im Ruhlander Stadtpark brennt die Luft. Mit Stumpf und Stiel sind bei der jüngsten vom Amt Ruhland beauftragten Holzungsaktion Bäume und Sträucher abrasiert worden. Übrig geblieben ist eine vier Meter breite Schneise. Der Stadtverordnete Reiner Bilz (SPD) spricht von einer "Räuber-Aktion". Auch das Parkaktiv fühlt sich übergangen. Andrea Budich

Noch deckt der Schnee das ganze Ausmaß der als völlig überzogen kritisierten Holzung ab. Die Kritik an der Sensen-Aktion ist freilich schon mit Urgewalt bei Bürgermeister Eberhard Krause, Amtsdirektor Roland Adler, im Rathaus und im Stadtparlament angekommen.

Die Wellen schlagen hoch. Die einen sehen in der gnadenlos geschlagenen Schneise eine Gefährdung des seltenen und schützenswerten Baumbestandes in dem 4,8 Hektar großen Park, der zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg angelegt worden ist. Die Verwaltung indes hält dagegen, dass es sich um eine notwendige Sicherungsmaßnahme für die angrenzenden Laubenbesitzer der Gartensparte "Sonnenschein" handelt, die keinerlei Spielraum zugelassen habe. Zudem habe sich der Park, der sich von der Matzmühle entlang des Schwarzwassers erstreckt, über die vielen Jahre ohnehin zum Wald entwickelt.

Die Stadt als Eigentümerin habe daher die Sicherungspflicht, um spätere Schadensansprüche durch umkippende Bäume auszuschließen. Amtsdirektor Roland Adler schließt mögliche Schäden, die bei der Holzung entstanden sein könnten, auch nicht gänzlich aus. Er bleibt aber dabei: "Auch ein Park muss gepflegt werden. Wir wollen schließlich keinen Urwald mitten in der Stadt."

Sobald der Schnee getaut ist und den Blick freigibt, könnten laut Adler Festlegungen für Nachpflanzungen getroffen werden. Niedriggehölze würden sich dafür nach Absprache mit dem zuständigen Förster eignen.

Mit einiger Überraschung hat das Parkaktiv die Rodung zur Kenntnis genommen. "Wir waren im Vorfeld nicht einbezogen", bestätigt Vereinsvorsitzender Wilhelm Zimmerling. "Wir suchen keinen Streit mit dem Amt, das Ergebnis macht uns aber wütend", sagt Zimmerling. Beim Schlagen der Schneise sei nicht nach rechts und nicht nach links geschaut worden. In buchstäblich letzter Minute ist es dem Parkaktiv noch gelungen, eine Sumpfeiche und eine Rotbuche vor der Säge zu retten. Andernorts konnte der Verein nicht mehr eingreifen. Am Neugrabenweg in Richtung Schwarzwasser ist der gerodete Streifen sogar acht Meter breit.

Der Verein drängt jetzt zumindest darauf, dass es eine abgestufte Neubepflanzung gibt. Damit könne sich ein Waldrand bilden und Windfestigkeit erreicht werden. Das ändere freilich nichts an der Grundkritik der viel zu breiten Schneise. Die meisten Bäume, von denen Gefahr ausgeht, hätte man laut Wilhelm Zimmerling einzeln aus dem Bestand herausnehmen können.