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| 18:32 Uhr

Forstwirtschaft
Käfer bedrohen Lausitzer Wälder

Senftenberg. Der Dürresommer hat die Nadelholzbestände in der Region Senftenberg arg geschwächt. Von Torsten Richter-Zippack

Stürme, Hitze, Dürre und jetzt auch noch die Käfer: Für die Lausitzer Wälder ist 2018 ein schwieriges Jahr. Dagegen profitieren gefährliche Forstinsekten von den extremen Witterungsbedingungen. In der Oberförsterei Senftenberg, die in etwa den gleichnamigen Altkreis einnimmt, sind nach Angaben von Funktionsförster Lutz Schaffrath bereits rund 1500 Festmeter Schadholz durch Insekten angefallen. „Genaue Zahlen anzugeben, ist nicht einfach, da die Befallsherde kleinflächig verstreut sind“, erklärt Schaffrath. Allerdings sei mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, da sich das Wetter bis weit in den Oktober hinein sehr warm und viel zu trocken präsentierte.

In den Kiefern bereiten derzeit vor allem die Blauen Kiefernprachtkäfer Probleme. „Diese Insekten haben dank des trockenen und warmen Sommers beste Bedingungen“, sagt Dr. Kati Hielscher, Forstschutzexpertin am Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE). Sie empfiehlt Waldbesitzern, befallene Bäume möglichst zeitnah zu erkennen, zu fällen und aus dem Wald herauszuholen. „Diese Art mag vor allem intensiv besonnte Stellen, kommt also vor allem an Südrändern von Wäldern vor“, erklärt Hielscher. Kurios: Manchmal sind die Kronen der befallenen Kiefern noch grün, während am Stamm bereits die Rinde abfällt.

Darüber hinaus beobachten die Eberswalder Experten auch den Anstieg der Borkenkäfer. Dazu gehören unter anderem der Sechs- und Zwölfzähnige Kiefernborkenkäfer sowie der Große und Kleine Waldgärtner. „Besonders problematisch ist, dass diese Arten auch an nicht so stark geschwächten Bäumen fressen“, sagt Kati Hielscher.

Noch dramatischer sieht es in den Fichtenbeständen aus. Dort gibt es massenhafte Vorkommen des bei Forstleuten besonders gefürchteten Buchdruckers, dem klassischen Borkenkäfer. In ganz Brandenburg sind bereits mehr als eine Million Festmeter Schadholz angefallen, die sich über das ganze Land verteilen, rechnet Kati Hielscher vor. In der Oberförsterei Senftenberg spiele diese Art indes eine untergeordnete Rolle, da es dort kaum Fichten gibt. „Bei uns nimmt diese Baumart nur zwei Prozent der Waldfläche ein“, begründet Lutz Schaffrath. Brandenburgweit sind es 1,6 Prozent. Anders sieht es dagegen in Sachsen aus. Vor allem die Mittelgebirge sind durch Fichtenforsten geprägt. Allein im Landkreis Bautzen, so teilt der Landkreis mit, beläuft sich die Schadholzmenge durch Borkenkäferbefall an Fichte auf über 50 000 Kubikmeter.

Wie es mit den Schädlingen und den von ihnen befallenen Bäumen weitergeht, entscheidet sich indes während der kommenden Monate. „Die weitere Entwicklung kann derzeit nicht genau prognostiziert werden. Sie wird entscheidend durch die Witterung im Winter und Frühjahr beeinflusst“, sagt Lutz Schaffrath. Die chemische Keule können die Forstleute indes nicht herausholen. Denn die Schädlinge leben im Wesentlichen unter der Rinde. Daher sei die einzige effektive Bekämpfung der konsequente Einschlag allen befallenen Holzes und sein Abtransport im Winterhalbjahr. „Aktuell betroffene Bäume, die im kommenden Frühjahr noch im Bestand stehen, sorgen für eine Vergrößerung des Problems“, warnt Schaffrath. Er empfiehlt privaten Waldbesitzern, sich an die jeweils zuständigen Revierförster zu wenden.