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Junges Gemüse aus Frauendorf

Seitentriebe ausbrechen, anbinden, anklipsen - Frauendorfs Tomaten sind bei Kerstin Grau (vorn) und Susann Schulze in den besten Händen.
Seitentriebe ausbrechen, anbinden, anklipsen - Frauendorfs Tomaten sind bei Kerstin Grau (vorn) und Susann Schulze in den besten Händen. FOTO: Rasche/str1
Frauendorf. Die Direktvermarktung hat sich für die Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz neben Feldbau und Tierproduktion zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Neu im Sortiment sind Erdbeeren. Andrea Budich

Frisch vom Feld auf den Tisch. Vom Acker oder aus dem Gewächshaus ohne Umwege zu den Kunden. Die Direktvermarktung boomt bei den Bauern der Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz in Frauendorf. Wie beliebt das Einkaufen auf dem Bauernhof ist, wird in keinem Monat so deutlich wie im Mai. Vor dem Frauendorfer Hofladen stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Den regionalen Produkten, direkt beim Erzeuger gekauft, bringt die Kundschaft, die bis aus Lauchhammer und Senftenberg anrollt, großes Vertrauen entgegen.

Während der Hofladen und sein Umfeld im Mai mit 120 000 Beet-, Balkon-, Gemüsepflanzen und Kräutertöpfen zu bersten droht, wird auf dem Acker und in den Gewächshäusern in Frauendorf und Frauwalde geerntet, was die 15 Mitarbeiter aus dem gärtnerischen Bereich stemmen können. Die Gurkenernte läuft seit Ende April auf Hochtouren. Alle zwei Tage werden bis zu 500 Gurken der Sorte "Shakira" abgenommen und direkt zum Hofladen geliefert.

Neu zum Sortiment gehören in diesem Frühjahr Erdbeeren. "Die roten Früchtchen sind immer ausverkauft im Hofladen", bestätigt Walter Beckmann, Vorstand des bäuerlichen Traditionsbetriebes. Mit dem vorsichtigen Versuch in einem halben Gewächshaus haben Frauendorfs Bauern voll ins Schwarze getroffen. Wenn die Erdbeerernte unter dem Foliendach ausläuft, geht es ab Juni im Freiland nahtlos weiter. Den Spargelanbau haben die Frauendorfer in diesem Jahr um einen halben Hektar auf insgesamt 1,6 Hektar ausgeweitet. Darunter auch Grünspargel. Die ersten knackigen Rispentomaten der Sorte "Campari" werden noch vor Himmelfahrt geerntet. Die ersten Frühkartoffeln kommen dann Anfang Juni im Hofladen auf den Verkaufstisch. Damit sind Frauendorfs Bauern weit und breit die Ersten. Sie bauen auf 20 Hektar zehn verschiedenen Kartoffelsorten an - von mehlig- bis festkochend.

Was alle Kulturen eint, ist der konservative Anbau, der in Frauendorf Konzept ist. "Bei uns steht das Gemüse noch wie in Omas Garten", erklärt Gärtnerin Kerstin Grau. Als Beispiel nennt sie den Spargel, der in Frauendorf noch ohne Folie durch die Erdkrume schießen darf. Tomaten und Gurken stehen klassisch in richtiger Erde und nicht in Nährlösung oder Steinwolle. Chemie ist so wenig wie möglich im Spiel. Dafür echter Stalldung zur Bodenverbesserung. "Die Leute schmecken das. Unsere Gurken sind nicht nur Wasser", erklärt Genossenschafts-Chef Beckmann das Frauendorfer Erfolgsrezept. Letztlich haben die Nachfragen aus der Region dazu geführt, dass die Gewächshausfläche immer größer geworden ist. Nach der Wende waren es ganze zwei Folienzelte. Heute sind es 15. Insgesamt werden rund 7000 Quadratmeter Glas- und Foliengewächshäuser in Frauendorf und Frauwalde bewirtschaftet, teilweise günstig beheizt mit der Abwärme der hofeigenen Biogasanlage. "Die Direktvermarktung bringt uns einen guten Ruf in der Region. Die Leute erkennen es an", zeigt sich Walter Beckmann überzeugt.

Zum Direktvermarktungsmodell gehört auch die frische Milch aus dem Hahn von den 400 Holsteiner Friesen aus dem Tettauer Kuhstall. Der Plan, die Lust auf unverfälschte, naturbelassene Milch anzukurbeln, ist voll aufgegangen. Im ersten Jahr wurden aus der Milchtankstelle im Frauendorfer Hofladen 25 000 Liter abgezapft und verkauft.