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| 09:18 Uhr

Festival für nicht-kommerzielle Kurzfilme in Senftenberg
Junge Perspektiven bei den Kurzfilmtagen

 Die Jury der Senftenberger Kurzfilmtage auf dem Podium: Helmuth Koll, Ralf Kloda, Frank Dietrich, Burkhard Schmidtke und Andreas Lippitz (v.l.)
Die Jury der Senftenberger Kurzfilmtage auf dem Podium: Helmuth Koll, Ralf Kloda, Frank Dietrich, Burkhard Schmidtke und Andreas Lippitz (v.l.) FOTO: Videofilmer Senftenberg / Jürgen Haase
Senftenberg. Zum 11. Mal haben die Videofilmer Senftenberg im Theater Neue Bühne ihr Kurzfilm-Festival ausgerichtet. Erstmals auch als Ostinale! Von Daniel Roßbach

Eine durchaus schwere Aufgabe stellte sich am Samstagnachmittag der Jury der Senftenberger Kurzfilmtage. Sie musste schließlich jene Filme auswählen, denen die Gelegenheit gegeben wird, auch auf den Bundesfilmfestivals der deutschen Amateurfilmszene gezeigt zu werden. In der Tat war die Qualität der 34 eingereichten Filme aus den ostdeutschen Bundesländern und von Filmemachern, die zum Bahn-Sozialwerk gehören, sehr hoch. Und während alle Dokumentationen, die im Theater Neue Bühne gezeigt wurden, auch beim Bundesfilmfest laufen werden, musste unter den fiktionalen Werken tatsächlich ausgewählt werden.

„Wir sind ja ein Festival für nicht-kommerziellen Film“, sagt Dave Lojek über das Festival. Der Präsident des Video- und Filmverbandes Berlin/Brandenburg fügt dem aber hinzu: „Es ist eigentlich falsch, dabei von Amateurfilmen zu reden, denn gerade die Produktionen von Film-Studierenden sind mit sehr hohem Aufwand entstanden. Und diese vielen Wochen Produktionszeit sieht man ihnen in ihrer Qualität auch an.“ Beispielhaft dafür steht der Kurzspielfilm „verschneckt“, dessen Regisseurin und einzige Darstellerin Josephine Thiesen auf verspielte und provokante Weise ein Delirium darstellt.

Dabei dürfe man aber nicht außer Acht lassen, dass den Studierenden etwa von der Rostocker Hochschule für Musik und Theater in Technik und unterstützendem Personal professionellere Mittel zur Verfügung stünden als anderen Filmamateuren, sagte am Rande der Ostinale Udo Heuberger. Der 2. Vorsitzende der Senftenberger Videofilmer war im Wettbewerb auch selbst mit einem Film vertreten.

Zu den Produktionen, die den Anspruch der Filmamateure untermauern, gehört etwa der Film „Not-Fall“, der zunächst Slapstick-haft, dann in einer dramatischen Wendung von einer Rettungssanitäterin und ihrem Kollegen erzählt, die einem häuslichen Notruf folgen. Dieser Film des Rostocker Regisseurs Karsten Kranzusch steht auch exemplarisch für einen Trend innerhalb der Filmautoren-Szene: Jüngere Regisseure machen häufiger fiktionale Filme, ältere produzieren mehr Dokumentationen. „Die Grenze verläuft so beim Alter von 50 Jahren, glaube ich. Ein paar Jahre habe ich also noch“, scherzt der 43-jährige Lojek mit Blick auf diesen Trend.

Auffällig war an den beiden Festival-Tagen in Senftenberg der demographische Kontrast zwischen den Autoren und Autorinnen und dem Publikum, in dem junge Menschen kaum zu sehen waren. Zum Ausdruck kam diese Diskrepanz etwa darin, dass manche der Juroren auch dann mit Blick auf die Regisseure davon sprachen, „was er sich dabei gedacht hat“, wenn es sich bei den Filmemachern tatsächlich um Frauen handelte.

Dass der Wert, den die „jungen“ Filme für ein Festival wie die Senftenberger Kurzfilmtage haben, auch darin besteht, inhaltlich frische Perspektiven aufzuwerfen und durchaus differenziert sozialkritische Studien zu liefern, bestätigt auch Frank Dietrich. Das Urgestein der Senftenberger Filmamateurszene fungiert in diesem Jahr als Leiter der Festivaljury.

Doch auch die Filme der arrivierten Amateurfilmer im Genre der Natur- und Reisefilme stellen Highlights der Ostinale dar. Dazu zählte die Island-Dokumentation „Ultima Thule“ von Wilfried Matz und Barbara Matz-Langensiepen, die nicht nur dramatische Landschaften zeigt, sondern auch eine Expeditionsgeschichte erzählt.

Dagegen demonstrieren die drei Minuten Laufzeit von „Im Jagdrevier der Ringelnatter“, dass auch Stoffe, die näher vor der Haustür – in diesem Fall der von Reinhard Voss im mecklenburgischem Wahren an der Müritz – liegen, fesselnd und schön sein können.

 Die Jury der Senftenberger Kurzfilmtage auf dem Podium: Helmuth Koll, Ralf Kloda, Frank Dietrich, Burkhard Schmidtke und Andreas Lippitz (v.l.)
Die Jury der Senftenberger Kurzfilmtage auf dem Podium: Helmuth Koll, Ralf Kloda, Frank Dietrich, Burkhard Schmidtke und Andreas Lippitz (v.l.) FOTO: Videofilmer Senftenberg / Jürgen Haase