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Jugendsozialarbeit noch aus Warteschleife geholt

Senftenberg. Von der Zwangsposition auf der Wartebank haben die Träger der Jugend- und Schulsozialarbeit im Landkreis Oberspreewald-Lausitz jetzt die Nase voll. In einem offenen Brief an Landrat Siegurd Heinze (parteilos) und die Kreistagsfraktionen haben sie dagegen protestiert, dass die Grundlage für das soziale Netzwerk vom Fachamt erst frühestens nach der Kommunalwahl weiter geflochten werden sollte. Der Teilfachplan ist jetzt ausgereicht. Kathleen Weser

Der Entwurf für das kreisliche Stellenprogramm für die Jugend- und die Schulsozialarbeit ist jetzt an die freien Träger der Jugendhilfe sowie Städte und Gemeinden versendet worden. Das Papier ist Grundlage für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Es sozialen Härten begegnen und Konflikte bewältigen helfen. Streitschlichter-Projekte an Schulen und die Begleitung bei der Suche nach dem richtigen Beruf und dem Ausbildungsplatz stehen auf der Kippe. Denn die Leistungsvereinbarungen mit den sozialen Dienstleistern des Landkreises sind bis zum Ende vergangenen Jahres befristet gewesen. Der Kreistag hat die Verträge bis Ende Juni nochmals verlängert, damit das Jugendamt einen substanziellen Teilfachplan nach Recht und Gesetz (Sozialgesetzbuch VIII) vorlegen kann. Nach der Pleite des Wequa-Vereins, der unter anderem in Ruhland die Fachkraft für die Sozialarbeit an der Schule gestellt hatte, ist auch die Unsicherheit bei den anderen freien Trägern im Kreisgebiet noch größer geworden. Denn die erforderliche Neuausschreibung der Leistung ist von der Kreisverwaltung frühestens zum Juli und damit nach der Kommunalwahl und spätestens zum Januar nächsten Jahres in Aussicht gestellt worden. Das hat die Alarmglocken auch bei den anderen Trägern schrillen lassen. Denn die Unsicherheit für die Stellen-Inhaber und auch die Projektpartner ist damit unerträglich geworden.

Der "Salon Gender - die Fachgruppe für Jungen- und Mädchenarbeit im Landkreis Oberspreewald-Lausitz", ein Zusammenschluss von 14 Sozialarbeitern verschiedener freier Träger im Kreisgebiet, hat in einem offenen Brief an Landrat Siegurd Heinze (parteilos), das Fachamt der Kreisverwaltung und die Fraktionen des Kreistages die unhaltbare und unbefriedigende Situation an den Pranger gestellt. Das bestätigt Sprecher Frank Muschik.

Zu Recht, schätzt Christoph Eigenwillig (SPD), der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, ein.

Dessen Unterausschuss für Jugendhilfeplanung hat nun gefordert, den Trägern noch vor dem Urnengang im Mai die mehrfach angemahnte Planungssicherheit zu geben. "Der Zeitplan ist jetzt in der Abstimmung", versichert Eigenwillig. Der Ausschuss-Vorsitzende kündigt Sondersitzungen an, um das Leistungspaket in dem sportlichen Zeitfenster noch rechtzeitig schnüren zu können.

Harte Diskussionen kündigen sich nach dem ersten Blick in das vorgelegte Papier bereits an: Kürzungen um etwa 25 Prozent haben vor allem kleine Träger der Jugendhilfe entdeckt, die den enormen Verwaltungsaufwand in ihren Vereinen ehrenamtlich bewältigen und wenig finanziellen Spielraum haben. In der Kritik steht zudem, dass sich das Jugendamt ein ganzes Jahr für die Planung nehme. Die Träger und Kommunen haben lediglich drei Wochen Zeit, sich im Anhörungsverfahren zu äußern.

Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der wegen sinkender Kinderzahlen auch als Einsparmodell betrachtet wird, warnen die Praktiker: Die Probleme und sozialen Spannungen nähmen zu. Das Netz müsse stark geknüpft werden - nach dem Bedarf in der nackten Lebensrealität.

Zum Thema:
Bis zum 21. März haben die Träger jetzt Zeit, sich zum Teilfachplan zu äußern (Anhörung). Danach soll es eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses nur zur Jugend- und Schulsozialarbeit geben. Der Termin soll am heutigen Donnerstag abgestimmt werden. Es folgt der reguläre Sitzungslauf zum Kreistag im Mai.