(dr) Im Senftenberger Friedrich-Engels-Gymnasium sind am Mittwochmorgen Vertreter der Arbeitsmarkt-Behörden, des Jugendamtes, von Schulen und dem Schulamt zum ersten Mal zu einer gemeinsamen Fachtagung zusammengekommen. Dabei besprachen die Vertreter der Institutionen, wie die Zusammenarbeit zwischen ihnen verbessert werden kann. Damit soll vor allem Jugendlichen mit schwieriger Perspektive ermöglicht werden, einen Einstieg in das Berufsleben zu finden.

Dass diese Bemühungen nicht zu spät beginnen dürfen, betonte Landrat Siegurd Heinze (parteilos). Das bedeute zum Beispiel, „dass jemand, der einen Schulabschluss macht – vielleicht nur mit Ach und Krach – sofort aufgenommen und nicht mehr losgelassen wird vom Jobcenter oder der Berufsagentur und an eine Ausbildung herangeführt wird“.

Im Zentrum der Diskussionen im Rahmen der Fachkonferenz stand, wie Jugendliche mit schwierigem Hintergrund motiviert werden können, Bildungs- und Ausbildungsangebote wahrzunehmen. Neben dem sozialen Umfeld sorgen dabei auch „angehäufte Schulden, Suchterkrankungen oder Motivationsdefizite für die Problemlagen, mit der sich die Jugendberufsagentur befasst“, so Heike Kuhl, Teamleiterin bei der Arbeitsagentur. In der Jugendberufsagentur kooperieren seit 2015 Landkreis, Agentur für Arbeit und Jobcenter. In Senftenberg und Lübbenau bietet sie eine wöchentliche Sprechstunde an.

Die Tagung der daran beteiligten Behörden gemeinsam mit Vertretern der Schulen und Schul-Sozialarbeitern in Senftenberg am Mittwoch war die erste Veranstaltung dieser Art im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Sie soll dazu dienen, „deren Angebote zu bündeln und den Akteuren eine Gelegenheit geben, sich kennen zu lernen“, sagt der Geschäftsführer des Jobcenters Christian Napp.

Für Siegurd Heinze liege das wesentliche Problem aber nicht in der Zusammenarbeit der Institutionen, sondern darin, dass es Jugendliche gebe, die nicht das Gefühl hätten, sich beruflich orientieren zu müssen. „Es ist so, dass sich viele da immer noch nicht angesprochen fühlen, ausweichen, sich krank-schreiben lassen, abtauchen. Selbst beim Jobcenter ist das ja so, wo es dann Druckmittel gibt. Die ziehen aber bei dem einen oder anderen nicht. Ohne die Menschen, die Hartz IV beziehen, zu stigmatisieren: Man sieht das in der Einstellung und dem Auftreten gerade von jungen Leuten in einem Jobcenter.“ Für manche von ihnen seien die sozialen Sicherungssysteme zwar keine bequeme, aber eine taugliche Alternative dazu, Arbeit zu finden.