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Jubiläumsfest für den klingenden Schatz

Obwohl Pfarrer Thomas Brilla kein Organist ist, sitzt er gelegentlich am Spieltisch der Orgel. Er freut sich auf das Jubiläum im kommenden Jahr.
Obwohl Pfarrer Thomas Brilla kein Organist ist, sitzt er gelegentlich am Spieltisch der Orgel. Er freut sich auf das Jubiläum im kommenden Jahr. FOTO: chk1
Großkmehlen. Die Silbermannorgel in der Großkmehlener Kirche zu Füßen des Wasserschlosses wird im nächsten Jahr 300 Jahre alt. Die Gemeinde bereitet eine Festwoche vor. Christiane Klein / chk1

Die Silbermannorgel in Großkmehlen ist ein klingender Schatz. Im nächsten Jahr wird das imposante Instrument 300 Jahre alt. Das soll mit einer Festwoche gefeiert werden. Dafür hat die Gemeinde jetzt in Kooperation mit der Silbermanngesellschaft mit den Vorbereitungen begonnen.

Stolz und schön ragen die Pfeifen in der Großkmehlener Kirche empor. "Unsere Orgel gehört zu den besten von Silbermann - sowohl was den Erhaltungszustand als auch die Klangqualität angeht. Wir können uns mit anderen großen Silbermannorgeln in eine Reihe stellen", schwärmt Pfarrer Thomas Brilla. Das Instrument ist längst weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Und so kommen zu den traditionellen Sommerkonzerten auch Gäste aus dem Dresdener Raum, dem Elbe-Elster-Kreis und Ostsachsen.

Der 300. Geburtstag der Groß kmehlener Silbermannorgel soll vom 23. bis 29. September 2018 mit einer Festwoche gefeiert werden. Noch steht das Programm nicht komplett, aber es gibt in Absprache mit der Silbermanngesellschaft erste konkrete Vorstellungen zur Gestaltung des Jubiläums. "Wir wollen in diesem Rahmen insgesamt vier Konzerte veranstalten", erklärt Thomas Brilla. Er hofft, sogar zwei internationale Organisten gewinnen zu können. Der Pfarrer hat bereits Kontakt zu einem Musiker in Schweden geknüpft - ein guter Bekannter, der bereits in Stockholm Konzerte gegeben hat, berichtet er. Auf der Suche nach einem zweiten Organisten im Ausland hofft er auf die Unterstützung der Silbermanngesellschaft. Auch die Suche nach zwei deutschen Musikern läuft. Eröffnet werden soll die Festwoche mit einem Gottesdienst und einem Konzert.

Neben dem Klang des Instrumentes steht natürlich auch seine Geschichte im Fokus des Jubiläums. Diese soll an einem Abend der Festveranstaltung ausführlich beleuchtet werden. Die Forschungen zur Geschichte der Orgel laufen bereits, erklärt der Pfarrer. "Außerdem wollen wir anlässlich des 300. Geburtstages eine Broschüre herausgeben und suchen dafür noch Sponsoren, die dieses Projekt mit unterstützen."

Zu erzählen gibt es Einiges über das außergewöhnliche Werk: "Silbermann hat wirklich hervorragende Arbeit geleistet. Ihm ist eine exzellente Intonation der Pfeifen gelungen. Der sehr gute Zustand vieler Originalteile zeugt von der hohen Qualität bei der Bearbeitung der Holz- und Metallteile", sagt Thomas Brilla.

Wer nicht bis zum Jubiläum im nächsten Jahr warten möchte, um die Orgel zu erleben, der hat dazu bereits in diesem Jahr bei den traditionellen Konzerten Gelegenheit. Die Termine stehen bereits fest und können im Internet auf der Seite der Gemeinde abgerufen werden.

www.grosskmehlen.de

Zum Thema:
Anfang 1717 wurde der Vertrag über den Orgelbau mit Gottfried Silbermann geschlossen. Auftraggeberin war Patronin Johanna Eleonore vermählte Generalin von Brauße. Als Bezahlung wurden 1000 Taler vereinbart. Bereits Ende 1718 wurde das Instrument an die Gemeinde übergeben. Sie ist das zwölfte Werk des Orgelbauers. In den 1930er-Jahren war Holzwurmbefall an den Posaunenkörpern festgestellt worden. Die Orgel wurde daraufhin gereinigt und imprägniert sowie diverse Teile erneuert. 1944 retteten die Großkmehlener ihre Orgel. "Durch einen Blitzeinschlag war der Turm in Brand geraten und drohte, auf das Kirchenschiff zu fallen. Um die Orgel zu retten, haben die Leute die Pfeifen aus der Kirche getragen", berichtet Pfarrer Thomas Brilla. Die Pfeifen blieben heil, aber die Blasebälge wurden stark beschädigt. "1945 wurden die in einer Gruft der Kirche gelagerten Zinnpfeifen teilweise zerstört", ist dokumentiert. Neun Jahre später wurde die Silbermannorgel durch die Gebrüder Jehmlich wieder hergerichtet. Mitte der 90er-Jahre ist das Instrument umfassend restauriert und 1996 mit einem Konzert des bekannten Organisten Matthias Eisenberg zum zweiten Mal eingeweiht worden.