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Johanna Lange möchte wieder laufen

Prof. Sven Michel, Studiendekan Physiotherapie an der BTU, präsentiert auf dem Senftenberger Campus ein "Kosmonauten-Gerät". In diesem wird die Bauchmuskelfunktion von Patienten gestärkt. Damit werden Schlaganfallpatienten wieder an Bewegungen herangeführt.
Prof. Sven Michel, Studiendekan Physiotherapie an der BTU, präsentiert auf dem Senftenberger Campus ein "Kosmonauten-Gerät". In diesem wird die Bauchmuskelfunktion von Patienten gestärkt. Damit werden Schlaganfallpatienten wieder an Bewegungen herangeführt. FOTO: Richter/trt1
Senftenberg. Rund 600 Schlaganfallpatienten werden jedes Jahr ins Klinikum Niederlausitz eingeliefert. Etwa ein Viertel dieser Menschen bleibt anschließend schwerbehindert. Zu ihnen gehört die Brieskerin Johanna Lange. Die 79-Jährige will wieder laufen lernen. Torsten Richter / trt1

Im Jahr 2015 möchte Johanna Lange ihren 80. Geburtstag feiern. Schon heute weiß die Brieskerin ihren größten Wunsch: "Ich will endlich wieder laufen können." Denn seit vier Jahren ist die sympathische Frau an den Rollstuhl gefesselt. Und das ausgerechnet durch einen Krankenhausaufenthalt. "Während einer Operation in Dresden ereilte mich ein Schlaganfall. Ich habe das Klinikum kränker verlassen als ich hineingekommen war. Denn bis zu diesem Schicksalstag konnte ich problemlos laufen. Und sehen Sie mich jetzt an. Ich bin ein Krüppel."

Johanna Lange wirkt sichtlich verzweifelt. Am liebsten, so scheint es, würde die gebürtige Senftenbergerin aus ihrem Rollstuhl aufspringen und ihrem schweren Los davonlaufen.

Doch die linke Körperseite ist gelähmt. Über der linken Hand trägt die 79-Jährige einen großen dicken Handschuh. "Meine Hand wirkt immer so kalt." Dabei hatte die Frau noch Glück im Unglück. "Wenigstens ist meine rechte Hand unversehrt geblieben. So kann ich zumindest schreiben."

Der Seniorin geht ihr Schicksal besonders nahe. Kein Wunder, war sie einst aktive Turnerin. "Während meiner Zeit bei der damaligen BSG Einheit Senftenberg brachte ich es sogar bis zum Kreismeistertitel." Die pensionierte Verwaltungsangestellte der Senftenberger Ingenieurschule versucht, im Rahmen von Physio- und Ergotherapie das Laufen wieder zu erlernen. Einmal pro Woche gehe sie zum Sport. Und bereits zum zweiten Mal sei die Brieskerin beim Senftenberger Schlaganfalltag dabei. "Dort knüpfe ich wertvolle Kontakte", lautet ihre Begründung.

Nach Angaben von Prof. Markus Reckhardt, Chefarzt des Zentrums für Neurologie und Schmerzbehandlung im Klinikum Niederlausitz, werden jedes Jahr rund 600 Patienten mit dem Verdacht auf Schlaganfall ins Senftenberger Krankenhaus eingeliefert. Erfahrungsgemäß würde ein Viertel dieser Menschen nicht überleben, ein weiteres Viertel trage schwere Behinderungen davon. Lediglich 25 Prozent der Patienten könnten anschließend wieder arbeiten gehen.

Schlaganfälle seien Hirnschläge, deren Ursache in Durchblutungsstörungen liege. Laut dem Berliner Schlaganfallspezialisten Prof. Darius Nabavi entsteht jeder fünfte bis siebte Hirnschlag während des Schlafes. Allerdings, so stellt der Mediziner klar, bedeute nicht jeder plötzliche neurologische Ausfall auch gleich einen Schlaganfall.

Risiken für diese lebensbedrohliche Erkrankung seien neben Bluthochdruck im mittleren Alter ebenso Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel und natürlich das Rauchen. Dennoch können auch Menschen betroffen sein, die nicht zu diesen Risikogruppen gehören. Dann kämen genetische Ursachen in Betracht.

Patienten, die mit dem Verdacht auf Schlaganfall rechtzeitig ins Klinikum Niederlausitz eingeliefert werden, fänden dank der dortigen Spezialstation (Stroke Unit) beste Bedingungen vor. "Das Verwobensein dieser Stroke-Unit-Arbeit mit moderner Medizinlogistik und auch informationstheoretischer Forschung hat hier in Senftenberg bereits international anerkannte Ergebnisse gebracht", bringt es Prof. Fritjof Reinhardt, Leitender Stroke-Unit-Arzt in Senftenberg, auf den Punkt.

Davon will auch Johanna Lange profitieren. "Ich hoffe, dass mich die Ärzte wieder zum Laufen bringen werden. Dies ist mein größter Wunsch."