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"Jedes Problem lässt sich lösen – wenn man miteinander redet"

Über Unterricht der besonderen Art freuten sich die Schüler der Bernhard-Kellermann-Oberschule in Senftenberg. Unter dem Motto "Wir schauen über den Tellerrand" beschäftigten sich die 7. bis 9. Klassen mit Sitten und Bräuchen in Indien, Afrika und Amerika. Fächerübergreifend verbrachten die Schüler ihren Unterricht mit Musik und Tänzen der Nationen, mit der Religion, der traditionellen Bekleidung, der Geographie, aber auch mit der Küche in anderen Ländern. Mariana Kunipatz (r.) hat indische Tänze mit der 7. Klasse eingeübt.
Über Unterricht der besonderen Art freuten sich die Schüler der Bernhard-Kellermann-Oberschule in Senftenberg. Unter dem Motto "Wir schauen über den Tellerrand" beschäftigten sich die 7. bis 9. Klassen mit Sitten und Bräuchen in Indien, Afrika und Amerika. Fächerübergreifend verbrachten die Schüler ihren Unterricht mit Musik und Tänzen der Nationen, mit der Religion, der traditionellen Bekleidung, der Geographie, aber auch mit der Küche in anderen Ländern. Mariana Kunipatz (r.) hat indische Tänze mit der 7. Klasse eingeübt. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg/Schwarzheide. "Es gibt immer eine Lösung", ist sich Mariana Kunipatz sicher. Diese positive Lebenseinstellung will sie auch in die Arbeit des Inte grationsbeirats im Oberspreewald-Lausitz-Kreis, dessen Vorsitzende sie ist, einbringen. Heidrun Seidel

Mariana Kunipatz trägt ein sanftes Lächeln im Gesicht. Es gehört zu ihr wie die langen Haare und die großen dunklen Augen. "Dieses Lächeln möchte ich auch anderen weitergeben. Wenn mir das gelingt, spüre ich eine große Zufriedenheit." Vielleicht ist es das, was die heute 51-Jährige aus ihrer malaysischen Heimat mit nach Deutschland gebracht hat. Dort war sie im Jahr 2000 ihrem heutigen Mann Thomas begegnet, der im Auftrag der BASF in Malaysia gearbeitet hat. Als er 2001 zurück nach Deutschland geholt wurde, ging Mariana mit ihm. "Das war keine leichte Entscheidung", erinnert sie sich. Sie kam nicht nur aus einem Land mit Durchschnittstemperaturen von 23 bis 32 Grad Celsius. Auch Kultur und Gewohnheiten sind völlig anders im südostasiatischen Staat, der aus zwei durch das Südchinesische Meer getrennten Landesteilen - der Malaiischen Halbinsel im Westen und Teilen der Insel Borneo im Osten - besteht. Außerdem durfte sie Kinder aus ihrer länger zurückliegenden Ehe nicht mitnehmen. Doch die Liebe zählt - und Mariana wagt den Schritt.

In Schwarzheide angekommen, hielt gerade der Herbst Einzug und die Temperaturen fielen. "Ich habe furchtbar gefroren, obwohl mir mein Mann den dicksten Wintermantel brachte." Auf der Straße drehten sich Leute nach der hübschen, aber im kleinen Städtchen ungewohnten Asiatin um. "Es war nicht leicht, und ich hatte oft Sehnsucht nach Hause", erinnert sie sich. Doch nachdem dann Tochter und Sohn geboren waren, entwickelten sich immer mehr Kontakte, und Mariana lebte sich allmählich ein.

Aus diesen eigenen Erfahrungen heraus hat sie sich entschlossen, im Integrationsbeirat des Oberspreewald-Lausitz-Kreises mitzuwirken. Seit er vor reichlich drei Jahren gegründet wurde, ist sie dabei. Zuerst als Stellvertreterin, jetzt als Vorsitzende. "Ich möchte den Menschen, die aus anderen Ländern kommen, helfen, sich zurechtzufinden und die Öffentlichkeit für ihre Probleme interessieren." So hat sich der Integrationsbeirat dafür ausgesprochen, dass die Flüchtlinge und Asylbewerber nicht so lange in Übergangswohnheimen leben sollten, sondern möglichst schnell in Wohnungen ziehen können, um inmitten der deutschen Bevölkerung schneller und besser integriert werden zu können. Bei all dem macht es die deutsche Bürokratie den Ankommenden ziemlich schwer. "Es gäbe oft viel einfachere Wege." Doch Mariana bleibt optimistisch. "Ich denke, für jedes Problem gibt es eine gute Lösung." Man müsse nur sachlich und ruhig darüber reden. Auch glaubt sie, dass es für die meisten Deutschen zunehmend mehr Normalität sein wird, dass Ausländer in Deutschland leben. Schließlich kommt sie selbst aus einem Land, in dem unterschiedliche Nationalitäten und Religionen miteinander leben. "Wir sind alle Menschen", sagt sie schlicht - und sorgt selbst mit dafür, dass Kulturen und Sitten anderer Länder in der Region bekannt werden und das Leben bereichern. Als gelernte Tänzerin bringt sie in Kursen und bei Projekten Interessierten die Tanzkunst anderer Länder nahe. Das Interesse wächst immer weiter - und Mariana Kunipatz bildet sich selbst weiter, um Neuigkeiten aus der internationalen Tanzszene anbieten zu können. Obwohl der große Zumba-Boom noch immer anhält, plant sie jetzt auch den Booiaka und Mangala Bhangra. Beides sind Tänze mit sportlichen und Fitness-Elementen, aber vor allem mit internationalen Einflüssen in Rhythmus und Bewegung. Und sie weiß: Tanzen verbindet und lässt die Menschen lächeln.

Zum Thema:
Der seit reichlich drei Jahren tätige Integrationsbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz ist im Dezember 2014 vom Kreistag neu gewählt worden. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Integrationsbeirates vertreten die Interessen der Einwohner, die nicht über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen bzw. einen Migrationshintergrund aufweisen. Die Arbeit der Mitglieder ist parteipolitisch, konfessionell und von der Zugehörigkeit zu Verbänden und Vereinen unabhängig. Zum Integrationsbeirat gehören außerdem: Mohamed El-Ferouhy, der aus Marokko; Cäsar Estavo Constantino kam vor mehr als 30 Jahren als Vertragsarbeiter aus Mosambik. Elena Meisinger und Olga Hoffmann aus Lübbenau und Irina Scheunert aus Senftenberg sind Spätaussiedlerinnen aus den GUS-Staaten. Abdelkadar Schulze kam vor 16 Jahren aus Algerien. Als Vertreter sind berufen: Mitra Malekzada und Elham Alavi aus Afghanistan. Kontaktperson und ständiges Beratungsmitglied des Beirates ist die Integrationsbeauftragte des Oberspreewald-Lausitz-Kreises, Kathrin Tupaj, Telefon 03573 8701060.