An Renate Scharf ist auf den ersten Blick nichts ungewöhnlich. Die 53-Jährige ist Mutter von zwei erwachsenen und aus der Lausitz weggezogenen Kindern, ist wie viele Menschen in der Lausitz seit der Wende von „ABM zu ABM gehüpft“ . Sie war Sozialberaterin, hat einen Schulklub betreut, jetzt ist sie als 1-Euro-Jobberin in der Bergener Kita „als Mädchen für alles“ beschäftigt. Sie hat kein Problem mit dem ständigen Wechseln. Bürojobs, bei denen „man den ganzen Tag in den Computer stiert“ sind nichts für sie. „Ich bin immer für Neues.“ Wenn nur die Bezahlung dieser behelfsmäßigen Arbeitsstellen besser wäre.
Ausgleich und Ruhe findet sie im Garten. Renate Scharf liebt Kräuter, auch scharfe, wie ihr Nachname schon sagt. Lässt sie, wie bei der Permakultur im Salzburger Land, einfach wachsen. Und nutzt sie. Gänseblümchen-Salat, der „wunderbar nussig schmeckt“ , liebt sie. Garten- und Wildkräuter verarbeitet sie zu wohl schmeckenden Tees, Gemüse und „spart sich den Arzt, wenn man sie regelmäßig isst und trinkt“ . Kurzzeitig liebäugelte sie damit, sich als „Kräuterfee“ selbstständig zu machen.

Nichts mit „scharf“
Für uns ist ihr Nebenjob interessant. Renate Scharf ist seit Jahren Friedensrichterin der Gemeinde Elsterheide und weiß als solche bestens über ihre Nachbarn Bescheid. In anderen Bundesländern heißen die ehrenamtlichen Streitschlichter Schiedsmänner. In Sachsen Friedensrichter. Und weil sie mit Nachnamen „Scharf“ heißt, sind die Scherze nicht weit: „Einmal wurde ich sogar als Scharfrichterin bezeichnet“ , witzelt sie.
Dabei ist die 53-Jährige alles andere als scharf im Ton und hart im Urteil. „Ich bin eher Harmonie liebend, will es beiden Seiten recht machen.“ Genau das soll ein Friedensrichter auch. „Wir sind Mediatoren.“ Ziel der Schlichtungsverhandlungen ist ein Kompromiss. Es gibt keinen Sieger und Besiegten. „Jeder hat ja immer ein bisschen Recht“ , weiß Renate Scharf aus Erfahrung.
Erfahrung hat sie in ihrem Nebenjob reichlich. Die gelernte Maschinistin und studierte Meliorations-Ingenieurin war schon zu DDR-Zeiten in der Schlichtungskommission in ihrem Betrieb, leitete sie zuletzt auch. Damals ging es um Probleme mit Arbeitskollegen. Jetzt, als Friedensrichterin, muss Renate Scharf zwischen Nachbarn ausgleichen. Der Ärger reicht von einer zu hoch gewachsenen Hecke über tropfende Dachrinnen bis zu vorm Nachbarfenster gestapelten Holz. Manchmal sei sie erschreckt, worüber sich Menschen streiten. „Oft schwelen die Konflikte schon jahrelang.“ Aber, so Renate Scharfs Einschätzung, „da ist oft Gedankenlosigkeit dabei.“

Zum Thema „Name verpflichtet“
  Nomen est omen - ein Argument, mit dem Toxilus in Plautus´ „Der Perser“ seinen Herrn dazu bewegt, die Sklavin namens Lukris zu erwerben. Das Besondere dabei: „Lucrum“ bedeutet „Gewinn. Nicht umsonst meine Toxilus: „Nomen atque omen quantivis iam est preti“ (Der Name und seine Vorbedeutung ist schon jeden Preis wert)“ .

Wer denkt, mit seinem Namen in die RUNDSCHAU-Serie zu passen oder jemanden kennt, bitte Kontakt aufnehmen: red.senftenberg@lr-online.de