Folgenlose Trunkenheitsfahrten werden auf den Straßen und Radwegen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz vielfach festgestellt. 175 Verkehrssünder, die mit ihrem Verhalten auch Leib und Leben von Mitbürgern bedrohen, sind erwischt worden. Rüdiger Schiesko, der Leiter der Polizeiinspektion Oberspreewald-Lausitz, bestätigt: Auch im Bereich der Verkehrsdelikte im Promille- und Drogenrausch konzentrieren sich die Ordnungshüter darauf, Intensivtäter zu schnappen - um Gefahren auf den Verkehrswegen zu bannen.

Promille-Radler auffällig

Dabei stehen zunehmend auch Radfahrer im Fokus. Denn mit mehr als 1,6 Promille orgeln mehr Pedalritter als vermutet unkontrolliert durch die Gegend. Die Ordnungshüter haben im vergangenen Jahr weniger Fahrer unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln hinterm Steuer erwischt (minus 11,8 Prozent). Dabei spielt aber auch der Zufall eine große Rolle.

Fünf Unfalltote sind im vergangenen Jahr im Kreisgebiet zu beklagen gewesen. Drei der Fahrten in den Tod endeten am Baum. 64 Baum-Unfälle sind insgesamt verzeichnet (2014: 60), mehr als die Hälfte davon außerhalb geschlossener Ortschaften.

Unfallursachen altersunabhängig

Die Zahl der jugendlichen Unfallverursacher ist leicht rückläufig. Bei den Senioren ist ein Anstieg zu verzeichnen. "Das ist aber der demografischen Entwicklung in der Region geschuldet", betont Ines Filohn, die Sprecherin der Polizeidirektion Süd in Cottbus. Auch auf den Straßen zwischen Lübbenau und Ortrand sind weniger Fahranfänger und Verkehrsteilnehmer mit geringerer Fahrpraxis unterwegs als in den vergangenen Jahren. Die betagten Bürger, die lange mobil bleiben wollen und im ländlichen Raum auch müssen, nehmen unter den Einwohnern einfach zu. Das spiegelt auch die Polizei-Statistik wider, lässt aber aus dem konkreten Unfallgeschehen keine allgemeinen Rückschlüsse auf eine altersbedingte Gefahr für den Straßenverkehr zu. Der Führerschein mit 17 ist dagegen "fabelhaft für die Fahrpraxis", stellt Ines Filohn fest.

Wild ist größte Gefahr

Die größte Unfallgefahr geht im gesamten Kreisgebiet nach wie vor von Wild aus. Allein von Januar bis Oktober vergangenen Jahres waren 621 Wildunfälle (2014: 598) in Oberspreewald-Lausitz gemeldet worden. Meist sind die Kollisionen mit Blechschäden abgegangen. Häufungen von Wildunfällen sind auf der Bundesstraße 169 zwischen Schwarzheide und Lauchhammer, bei Altdöbern (L 53), zwischen Meuro und Freienhufen sowie bei Settinchen (L 55) auffällig gewesen. "Im Ernstfall hilft nur, das Lenkrad festzuhalten und in keinem Fall den Versuch zu starten auszuweichen", bestätigt Rüdiger Schiesko - auch aus eigener Erfahrung. Denn die Hoffnung, dass der Sprung Rotwild die Fahrbahn noch vor ihm übergequert haben möge, hatte sich nicht erfüllt. "Ich habe ausgerechnet die größte Hirschkuh frontal erwischt", bestätigt der Leiter der Polizeiinspektion. Nur durch richtiges Verhalten sei die Gefahr eines Wildunfalls zu minimieren. Das heißt zuerst: mit dem Tempo runter in ausgewiesenen Wildwechselgebieten und besonders in Übergangsbereichen zwischen Wald- und Feldzonen. Denn ab Tempo 60 sei das Wild überhaupt nicht mehr in der Lage, ein nahendes Fahrzeug überhaupt wahrzunehmen, ergänzt Ines Filohn.

Eine flächendeckende Verkehrsüberwachung ist aufgrund der personellen Lage und anderer Schwerpunktaufgaben der Polizeiinspektion längst nicht mehr möglich.

Zum Thema:
Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind im vergangenen Jahr 3062 Verkehrsunfälle registriert worden. Das sind 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr (2014: 2954). Fünf Verkehrstote (2014: 6) sind zu beklagen. Drei Menschen verloren ihr Leben durch Baumunfälle (2014: 2). Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ist rückläufig gewesen (2015: 271/minus 16 Prozent; 2014: 324). Nach wie vor ist jeder dritte Unfall im Kreisgebiet auf eine Kollision mit Wild zurückzuführen (2015: 882 Unfälle; 2014: 816). In der Häufigkeit folgen Vorfahrtsfehler, zu geringer Abstand, zu hohes Tempo und Alkohol am Steuer. Senioren (ab 65 Jahre) sind öfter Unfallverursacher gewesen als im Jahr zuvor (2015: 399; 2014: 375). Die Zahl der Jugendlichen (18 bis 24 Jahre) unter den motorisierten Bruchpiloten ist leicht zurückgegangen (2015: 168; 2014: 192). Dies ist allerdings maßgeblich der demografischen Entwicklung geschuldet.