ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:45 Uhr

Deichschau
Jäger soll Senftenberger Nutria-Plage bekämpfen

Senftenberg. Immer intensiver beschädigen Nutrias die Deiche entlang der Schwarzen Elster in Senftenberg. Jetzt soll ein Jäger eingreifen. Doch der ist für halb Brandenburg zuständig. Die Seestadt will in Potsdam Druck machen. Von Torsten Richter-Zippack

„Wir haben bereits jetzt zwölf Nutrias in der Stadt“, sagt Falk Kunisch vom Senftenberger Ordnungsamt. Und die Tiere könnten sich praktisch zu jeder Jahreszeit fortpflanzen. Es sei also damit zu rechnen, dass sich der Bestand weiter erhöht. Besonders an der Steindamm-Brücke über die Schwarze Elster seien die ursprünglich aus Südamerika stammenden Wesen zu beobachten. „Sie unterwühlen die Deiche, machen richtig Probleme“, sagt Falk Kunisch. Die Erosionsschäden nähmen zu, mittelfristig sei der Hochwasserschutz gefährdet. „Wir haben also dringenden Handlungsbedarf“, mahnt Kunisch zur Eile. Beispielsweise durch einen Jäger. Der darf die Nutrias, da sie nicht im Brandenburger Jagdgesetz auftauchen, zwar nicht erlegen, aber immerhin fangen und umsiedeln. Im benachbarten Sachsen können die Nutrias dagegen ganzjährig bejagt werden.

„Es gibt in Brandenburg einen extra Jäger für die Sumpfbiber“, sagt Sandro Bader vom Landesamt für Umwelt (LfU). Dessen Revier reiche aber von Potsdam bis an die Sachsen-Grenze, also ein Riesenterritorium. „Ich empfehle der Stadt Senftenberg, ordentlich Druck auszuüben, damit der Jäger hier seine Arbeit leisten kann“, rät Bader.

An der Senftenberger Steindamm-Elsterbrücke befindet sich ein Nutria-Hotspot. Experten raten, sich von den Tieren fernzuhalten.
An der Senftenberger Steindamm-Elsterbrücke befindet sich ein Nutria-Hotspot. Experten raten, sich von den Tieren fernzuhalten. FOTO: Uwe Hegewald

Und noch etwas sei ganz wichtig: „Bloß nicht füttern“, sagt Falk Kunisch. Dadurch würden sich die Tiere auf bestimmte Standorte konzentrieren und dort besonders große Schäden anrichten. Zweites Problem sei, dass die Aggressivität der Sumpfbiber gegenüber Menschen steige, sollten sie mal nichts bekommen.

Neben den Nutrias gibt es in Senftenberg eine Menge weiteren Handlungsbedarf an den Senftenberger Deichen entlang der Schwarzen Elster. Beispielsweise in Höhe des Briesker Seniorenheims. Dort sind laut Eva-Maria Hein von der OSL-Wasserbehörde Wühltierschäden zu beseitigen. Zudem seien mehrere Baumstubben herausgebrochen. Ein Stück der Deichkrone habe sich bereits abgesenkt. Mittel- bis langfristig müsse auch der Deich zwischen der Ruhlander Bahnbrücke und der Autobahn komplett erneuert werden. Dort sollen unter anderen die noch im Deich verbliebenen Pappel-Stubben entfernt werden. Das Vorhaben befinde sich in der Prüfung.

Sehr bald werde dagegen die Abfuhr des aus der Elster entfernten Krautes erfolgen, kündigt Volker Lehmann vom Gewässerverband Kleine Elster-Pulsnitz an. Normalerweise sollte diese Tätigkeit längst erledigt sein, doch durch die starken Herbst- und Winterstürme sowie das nasse Wetter sei die Beräumung erst jetzt möglich. Die beauftragte Lautaer Firma arbeite auf Hochtouren. „Die Beseitigung der Sturmschäden besaß bislang eine wesentlich größere Priorität“, erklärt Lehmann. Immerhin seien die Gewässer erster Ordnung, so die Schwarze Elster und die Pulsnitz, inzwischen freigesägt, doch an kleineren Fließgewässern könnten sich die Arbeiten bis in den Sommer erstrecken.

Stichwort Sommer: Eva-Maria Hein weist darauf hin, dass gerade bei Badewetter manche Leute die seenahen Deiche als Parkplatz missbrauchen würden. Betroffen sei vor allem der Hochwasserschutzwall an der Niemtscher Elsterbrücke. Derartige Parkverstöße würden von der Wasserbehörde aufgenommen und an die Bußgeldstelle weitergeleitet. „Jeder Bürger, der unberechtigt auf dem Deich parkende Fahrzeuge sieht, sollte diese fotografieren und die Bilder an uns schicken“, sagt Hein. Allerdings müsse auf den Fotos erkennbar sein, um welche Örtlichkeit es sich handele.