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Jäger mit Hundesteuer bürokratisch abgezockt

Die Schau der Jagdhunde ist bei den Zuschauern auf dem Niemtscher Festplatz auf reges Interesse gestoßen.
Die Schau der Jagdhunde ist bei den Zuschauern auf dem Niemtscher Festplatz auf reges Interesse gestoßen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Niemtsch. Der Kreisjagdverband Senftenberg ist erwachsen geworden. Und die Stimmung zum Fest des 25-jährigen Bestehens am Sonnabend auf der Schafswiese nahe des Niemtscher Strandes am See ist gut - aber auch leicht explosiv. Kathleen Weser

Nur wenige der 240 organisierten Jäger feiern mit. Die Rapsernte ist in vollem Gange. Auch in den Maisfeldern wird der gut gedeckte Tisch, an dem sich vor allem das Schwarzwild satt frisst, jetzt von den Bauern weiter abgeräumt. Die Weidmänner und deren gut ausgebildete Hunde sind deshalb auf Achse. Die Nachsuche nach dem Wild, das in den gewaltigen Schlägen der hochstehenden Kulturen schwer zu erlegen ist und mit der Ernte derzeit auch unter die Räder kommt, fordert die Jäger stark. Das bestätigt Elke Faber, die Vorsitzende des Kreisjagdverbandes für den Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Die passionierte Jägerin und Jagdhunde-Trainerin ist bekannt dafür, auch Tacheles zu reden. Dass Berufsjäger beispielsweise von der Hundesteuer befreit werden, die zahlreichen ehrenamtlichen Weidmänner der Region aber auf der Grundlage der kommunalen Hundesteuersatzungen voll zur Kasse gebeten werden, gibt sie den anwesenden Gratulanten der lokalen Politik zum Nachdenken nachdrücklich-moderat mit auf den Weg.

Zudem steht die Schweinepest schon vor der Tür. Der deutlich schnellere als berechnete Vormarsch der Krankheit über Polen und Tschechien erzeugt besorgte Gesichter. Das Virus ist bereits bis auf 300 Kilometer an die deutsche Grenze herangerückt. Die Infektion verursacht sowohl bei Wild- als auch bei Hausschweinen schwere Erkrankungen und ist fast immer tödlich. Menschen können sich nicht anstecken. Die große Furcht ist die vor enormen materiellen Schäden in der Landwirtschaft. "Wir müssen es schaffen, das Schwarzwild deutlich zu reduzieren", erklärt Dr. Dirk-Henner Wellershoff, der Vorsitzende des Landesjagdverbandes Brandenburg. Im Ernstfall erhalte der Kreis-Veterinär die Jagdhoheit.

Auf den ist hier Verlass. Das versichert Landrat Siegurd Heinze (parteilos) umgehend. Der Kommunalpolitiker ist ein launiger Redner und auch Freund klarer Worte. Hier steht er allerdings, rein verbal wie immer überzeugend, weit neben der Realität: Heinze lobt die Abschussprämie, die die Gemeinde Schipkau freiwillig für Schwarzwild zahlt und wegen des Vordringens der Tiere in die Ortschaften auf zehn Euro erhöht hat. Weitere kreisangehörige Städte und Gemeinden sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Verantwortung in eigener Regie, die Nachbarkreise wie Dahme-Spree und Spree-Neiße im Ringen um eine gesunde und erträgliche Wildschwein-Population mit eigenen Abschussprämien längst übernommen haben, liegt ihm fern. Den Kreis sieht Siegurd Heinze "nicht zuständig".

Auch auf das eindringliche Plädoyer des Landesjagdverband-Vorsitzenden an die Politik, den Wolf dem Jagdrecht zu unterstellen, reagiert der Landrat mit der wehrhaften bürokratischen Keule. Irgendwann müsse sicher etwas getan werden. Auch in Bayern sei unvorstellbar gewesen, dass ein aus Italien überlaufender Bär zum Problem werden könnte. Aber dies sei geschehen. Es müsse erst etwas passieren, bevor reagiert werde. Heinze sagt, er hoffe, Brandenburg reagiere vorher. "Aber noch ist es nicht soweit", erklärt er wörtlich und beendet sein Grußwort. Wenige der Jäger applaudieren brav.

Die Wertschätzung für die Arbeit in Wald und Flur, "die ich natürlich sehr gern und mit Freude mache", kommt bei Jäger Jörg Frahnow positiv an. Eine Frischlingsprämie im Landkreis sieht er skeptisch. Denn die Garantie, dass diese wirklich nur bei Strecken der kleinsten Schweine kassiert werde, gebe es nicht wirklich. Der Senftenberger Weidmann erklärt indes sein Unverständnis darüber, dass der Aufwand für die berechtigt geforderte Pflichtuntersuchung von Wildschweinen auf parasitäre Fadenwürmer (Trichinen) den Jägern aufgebrummt wird. "Gesundes Wild ist ein gesellschaftliches Interesse. Die Kosten dafür sollte der Landkreis deshalb tragen", fordert Jörg Frahnow.

Zum Thema:
Im vergangenen Jagdjahr 2016/17, das im April begonnen und im März beendet wurde, haben die Jäger insgesamt 523 Stück Rotwild, 1850 Rehwild und 3565 Wildschweine gestreckt. Vor allem beim Schwarzwild ist das ordentlich, aber gemessen an der wachsenden Population noch immer zu wenig.Die wirtschaftlichen Schäden in der Landwirtschaft sind hoch. Zudem drängen die Tiere wegen bester Fütterung durch den Menschen in die Ortslagen. Dieses Problem wird verstärkt durch die Sanierung in der Bergbaufolgelandschaft, die Wild vergrämt.