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Jäger fordert Abschussprämie für Frischlinge

In Hörlitz sind die Sauen am Tage bis in die Gärten vorgedrungen.
In Hörlitz sind die Sauen am Tage bis in die Gärten vorgedrungen. FOTO: privat
Lauchhammer. Notwendige Wildschweinjagd auf den Nachwuchs mit wenigen Kilo auf den Rippen ist unwirtschaftlich. Politik im Kreis muss reagieren. Kathleen Weser

Die heimischen Jäger strecken fleißig Schwarzwild, das in die Ortslagen drängt. Gleichzeitig aber strecken die Weidmänner vor der Dimension dieser Aufgabe auch die Hände. "Das mit hausgemachte Problem ist allein mit dem guten Willen und Einsatz der Jäger nicht mehr in den Griff zu bekommen", stellt Frank Dietz fest. Er ist einer von zwei Jagdberechtigten aus Lauchhammer, die sogar innerhalb der Ortslagen des Stadtgebietes auf Wildschweine anlegen dürfen. Der Eingriff in die innerstädtische Population und auch in die Rotten, die in Feld und Wald recht heimisch bleiben, ist schon stark - aber er reicht einfach nicht aus. Die Kapitulation vor den Schwarzkitteln liegt dem erfahrenen Weidmann fern. Frank Dietz fordert: "Die Politik muss auch in unserer Region endlich reagieren."

Die Jagd ist ein teures Hobby. Aber reich wird vom erlegten Wild niemand. Mit dieser falschen Vorstellung der Leute aufzuräumen, hat Frank Dietz längst aufgegeben. Der Hilfeschrei nach dem Jäger sei oft ebenso laut wie Anfeindungen, die regelmäßig zu ertragen seien. "Die Menschen lernen und verstehen nicht mehr, wie unsere Natur funktioniert", stellt er fest.

Fakt sei: Die Wildschweinplage erfordere vor allem, Frischlinge zu schießen. Das aber sei beim Schweine-Nachwuchs, der sich erst drei bis fünf Kilogramm angefressen habe, einfach unwirtschaftlich. Die Kosten, die der Jäger pflichtgemäß allein für die Untersuchung von erlegten Wildschweinen auf gesundheitsgefährdende parasitäre Fadenwürmer (Trichinen) aufwenden muss, übersteigen in der Gewichtsklasse schon den Wert des gewonnenen Fleisches. "Ich lege auch auf kleine Frischlinge an", versichert Dietz. Aber er könne es anderen Weidkollegen auch nicht verdenken, dass sie erst Tiere mit mindestens 13 bis 15 Kilogramm auf den Schweinerippen aufs Korn nähmen. "Andere Kreise haben Frischlingsprämien von 20 Euro aufgelegt, um die Strecke zu erhöhen", erklärt er. Dort müssten die Jäger damit nicht noch draufzahlen, das sei schon eine Motivation.

Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern zahlen die Abschussprämien hauptsächlich zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinegrippe, die bereits rasant auf dem Vormarsch durch Polen ist. Auch Dahme-Spree greift in den Kreishaushalt, um die Schwarzwild-Bestände wirksamer zu reduzieren. Spree-Neiße hat die 20 Euro-Abschussprämie im März eingeführt, um Schaden auf landwirtschaftlichen Flächen und an Hochwasserschutzanlagen abzuwenden.

Die Gemeinde Schipkau im hiesigen Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat die kommunal finanzierte Abschussprämie für Wildschweine im vergangenen Jahr auf zehn Euro verdoppelt. In Hörlitz war die Angst vor Wildschweinrotten, die selbst am helllichten Tage an der Kirche vorbei durch Straßen und Gärten fegten, gewachsen.

Gemeinde-Sprecher Martin Konzag bestätigt: Die Jäger zeigen sich dankbar über diese Geste, die sie finanziell auch die gestiegenen Kosten für die Munition betreffend etwas entlastet. Der erhöhte Jagddruck und der erste Erfolg seien durchaus zu spüren. Aber durch die Insellage der Dörfer zwischen alten Tagebaufeldern, die noch saniert werden, drängen die Schwarzkittel trotzdem weiter an die Ortslagen.

Frank Dietz wirbt zudem dafür, heimische Jäger trotz höherer Pachterlöse, die Gast-Weidmänner bieten, zu bevorzugen. "Nur wenn flächendeckend stetig konsequent bejagt wird, bekommen wir das Chaos in den Griff", sagt er.

Zum Thema:
Jeder Eigentümer von bejagbarem Grund und Boden, also von land- und forstwirtschaftlichen sowie Wasserflächen, ist Kraft Gesetzes Mitglied der örtlichen Jagdgenossenschaft. Dazu kommen Eigenjagdbezirke wie die Flächen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sowie des staatlichen Forstes und von Naturschutzflächen. Wild gilt grundsätzlich als herrenlos. Das Recht zum Bejagen der Flächen aber wird verpachtet. Der Jagdberechtigte darf sich das erlegte Wild aneignen. Während die Vielzahl der privaten Flächeneigentümer aus der Region auf heimische Jäger setzt, sind vor allem die Behörden und Unternehmen am Tropf des Steuertopfes angehalten, den Zuschlag an den Weidmann zu vergeben, der mit den meisten Geldscheinen winkt. Das, so kritisieren die einheimischen Jäger, sei wenig hilfreich, um das flächendeckende Problem zu lösen.