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"Ja, ich bin ein kleiner Weltenbummler"

In "Auf Eis", einem berührenden Stück über das Leben mit der Droge Crystal, hat Katrin Flüs einfühlsam die Lea gespielt, einen lebensfrohen Teenager mit großen Sehnsüchten, der, wie seine Freunde, für einen kurzen Moment des Rausches einen hohen Preis bezahlt.
In "Auf Eis", einem berührenden Stück über das Leben mit der Droge Crystal, hat Katrin Flüs einfühlsam die Lea gespielt, einen lebensfrohen Teenager mit großen Sehnsüchten, der, wie seine Freunde, für einen kurzen Moment des Rausches einen hohen Preis bezahlt. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Kommen und Gehen – Schauspieler sind ein fahrendes Volk, das in seiner beruflichen Laufbahn unterschiedliche Stationen durchläuft. hsd1

Mit dem Ende der Spielzeit 2016/17 verlässt auch Katrin Flüs nach einem Jahr an der Neuen Bühne das Senftenberger Ensemble.

Nach einem Jahr Engagement verlassen Sie das Senftenberger Theater wieder. Die Senftenberger haben Sie nach Ihrem Debüt im Spektakel kennengelernt mit der differenziert gezeichneten Lea in "Auf Eis", der strengen Schwester Rosa in "Ewig jung" oder auch in den "Sternen über Senftenberg". Was ist der Grund für die vorzeitige Auflösung Ihres Vertrages?
Flüs Es gibt verschiedene Gründe. Einer der Hauptgründe ist aber, dass mir das Theater nicht das gegeben hat, was ich mir erhofft hatte. Und wenn man da, wo man ist, nicht glücklich ist, dann muss man weiterziehen, das Leben ist zu kurz.

Was hat Ihnen das Theater in Senftenberg denn bedeutet? Welche Rolle war Ihnen die liebste?
Flüs Es war wichtig für mich, mal in einem Festengagement zu sein, auch wenn nur für ein Jahr. Ich weiß nun einmal mehr, was ich will und was ich nicht will. Zum Beispiel war die Arbeit "Sterne über Senftenberg" in der Regie von Dominic Friedel für mich absolut großartig. Dennoch glaube ich, dass die Senftenberger das Werk nicht so schätzten, was überhaupt nicht schlimm ist, aber da merke ich eben, dass ich vielleicht einen ganz speziellen Geschmack habe beziehungsweise ein anderes Theaterverständnis, als wahrscheinlich die meisten hier am Theater und in der Region.

Wie war bis dahin ihr beruflicher Werdegang, was hat Sie zur Schauspielerei geführt?
Flüs Zur Schauspielerei hat mich mit 16 Jahren eine junge Theatergruppe aus Kassel gebracht, Da fühlte ich mich sofort wohl. Ich war überrascht, wie peinlich man auf der Bühne sein durfte, und dadurch auch ein bestimmtes Freiheitsgefühl hatte, das ich immer noch habe, wenn ich auf der Bühne bin oder bei der Probe. Da war klar, ich will diesen Beruf erlernen und habe dann mein Schauspielstudium in Frankfurt a.M. absolviert. Seitdem spielte ich am Schauspiel Frankfurt, Staatstheater Meiningen und Staatstheater Saarbrücken.

Sie haben russische Wurzeln, sind in Brasilien geboren, leben in Berlin. Globalisierung ist für Sie sozusagen etwas ganz Persönliches. Was heißt das für Sie, und was für Ihr berufliches Leben?
Flüs Ja, das stimmt wohl, ich bin ein kleiner Weltenbummler. Ich bin ungern lange an einem Ort gebunden, sondern habe stets den Drang weiterzuziehen und neue Menschen und deren Geschichten kennenzulernen. Zum Beispiel hat es mich nach meinem Studium enorm in den Osten gezogen, einfach weil ich dessen Geschichte spannend fand und immer wissen wollte, was die Menschen sagen, wenn sie meinen "Jaja, die Wessis . . " oder "Ach, die Ossis". Ich kann damit rein gar nichts anfangen, weil das natürlich nicht meine Generation ist, aber vor allem, weil ich weder das eine noch das andere bin. Ich bin in Brasilien geboren und 1998 (also mit acht Jahren) nach Deutschland gekommen. Meine Großeltern jedoch waren aus Russland. Ich sage daher einfach gerne, wenn mich jemand fragt: "Na ja, also ich bin westlicher und gleichzeitig östlicher als du!"

Wo werden Sie in welcher Rolle demnächst zu sehen sein?
Flüs Bald kommt endlich der Film "Paradise" in die Kinos. Das ist eine deutsch-iranische Produktion. Es geht um die kulturellen Unterschiede, sehr lustig gemacht. Ich muss da vor allem meine iranischen Schauspielkollegen loben, die spielen mit solch einer Leichtigkeit, die ich oftmals hierzulande vermisse.

Möchten Sie zum Abschied noch etwas sagen?
Flüs Ich bedanke mich bei meinem Publikum. Ohne den Zuschauer gibt es den Schauspieler nicht. Das Theater Senftenberg ist hier in der Region wahnsinnig wichtig, und Sie können sich sicher glücklich schätzen, dass es das hier gibt.

Mit Katrin Flüs sprach

Heidrun Seidel

Die Arbeit an "Sterne über Senftenberg" hat der jungen Schauspielerin besonders gefallen. Als Isabell ist sie auf der Suche nach Glück. Das Stück von Fritz Katar erzählt von Aufbrüchen und Rückzügen der Menschen in einer utopielosen Zeit.
Die Arbeit an "Sterne über Senftenberg" hat der jungen Schauspielerin besonders gefallen. Als Isabell ist sie auf der Suche nach Glück. Das Stück von Fritz Katar erzählt von Aufbrüchen und Rückzügen der Menschen in einer utopielosen Zeit. FOTO: Rasche