Costa Rica hatte wenige Minuten zuvor einen berechtigten Elfmeter nicht bekommen. Nun fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass Gott in seiner unsichtbaren Größe sich Zeit nimmt, über den Rand des Stadions schaut und bei jeder ungerechten Entscheidung des Schiedsrichters seine mächtigen Finger dazu benutzt, um im oben genannten Beispiel zu bleiben, den Ball genau auf den Kopf des costaricanischen Stürmers zu hieven.

Sicher: Gerechtigkeit ist zweifelsohne Gottes Thema. In der Bibel können wir deutlich erkennen, dass Gott sich stets zu den Armen und Schwachen in dieser Welt stellt. Von daher könnte man schon meinen, dass Gott den Fußball erfunden hat. Denn es ist eine der wenigen Sportarten, wo auch Außenseiter eine Chance haben. Dennoch glaube ich, dass er den Fußball Fußball sein lässt und uns unsere Fußballbegeisterung.

Was ihm aber überhaupt nicht egal sein kann, sind die vielen Umstände, die um die Weltmeisterschaft herum zu entdecken sind: Dass Brasilien ein zutiefst gespaltenes Land ist, zum einen aufstrebend aber zum anderen mit einer großen bettelarmen Bevölkerung. Ihm ist es nicht einerlei, wenn Millionen in den Bau von neuen Stadien gesteckt werden, aber der Eintrittspreis so hoch ist, das kein noch so begeisterter armer brasilianischer Fußballfan sich auch nur annähernd eine Karte leisten kann und zudem das Geld für Bildung und Schulen fehlen. Er wird wütend sein ohne Ende, wenn es stimmen sollte, dass im Vorfeld Straßenkinder systematisch ermordet wurden, um eine "ordentliche" WM zu garantieren. Dann ist es wohl so, dass ihm die Lust beim Fußball zuzuschauen, vergangen ist, und mir beinahe auch. "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst".

Dies ist eine eindeutige Aufforderung Gottes mich um die Belange des Armen, des Bedrückten, des Hilflosen zu kümmern und mich nicht immer, um mich selbst zu drehen. Wenn wir durch manche Nebenberichterstattung aus Brasilien und durch die WM begreifen, dass diese Aufforderung auch im besonderen für Menschen auf der ganzen Welt und eben Brasilien zutrifft, es uns zu Änderungen im Verhalten animiert, dann wäre wirklich etwas gewonnen, selbst dann, wenn das Undenkbare passieren würde: Costa Rica wird statt Deutschland Weltmeister….

*Regionaljugendwart evangelische Kirche, Region Senftenberg