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| 20:26 Uhr

Problem-Fundtiere in Senftenberg
Invasion der Schmuckschildkröten

Mike Kempe aus dem Großräschener  Zoofachgeschäft Thamm mit einer Gelbwangen-Schmuckschildkröte. Naturschützer haben das  ausgesetzte und abgemagerte Tier im Zooladen abgegeben, damit es  dort aufgepeppelt wird.
Mike Kempe aus dem Großräschener Zoofachgeschäft Thamm mit einer Gelbwangen-Schmuckschildkröte. Naturschützer haben das ausgesetzte und abgemagerte Tier im Zooladen abgegeben, damit es dort aufgepeppelt wird. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg . Gepanzerte Findelkinder in Senftenberg halten das Ordnungsamt und die Feuerwehr auf Trab. Die bisherige Praxis, die Exoten in den See zu setzen, wird derzeit überprüft. Von Andrea Budich

Ausgesetzt oder ausgebüxt - diese Frage stellt sich für den Senftenberger Stadtbrandmeister Frank Albin nicht. Denn wie die Schildkröten ihren Platz an der Sonne gefunden haben, ist für ihn unerheblich. Entscheidend ist vielmehr, dass die Exoten gerettet werden müssen. Denn die Tierrettung gehört zu den Aufgaben der Brandschützer. Der letzte Einsatz vor wenigen Wochen hat die Kameraden zum Stadthafen Senftenberg geführt. Dort paddelte ein Panzertier zwischen den Bootsmotoren und musste schnell heraus gekeschert werden.

Die Invasion der Schildkröten - in Senftenberg ist das ein wachsendes Problem. Immer öfter wird auch die Feuerwehr dazu gerufen. Im jüngsten Fall war eine  Gelbbauch-Schmuckschildkröte auf dem Gehweg der Pieck-Brücke  unterwegs. Als sie Kurs auf die viel befahrene Straße nimmt, geht Rüdiger  L. (Name geändert) in seinem Auto auf die Klötzer. Er sammelt den tierischen Findling ein und setzt ihn zu Hause in ein großes Wasserbecken. Seine anschließende Suche nach dem Besitzer haben die Senftenberger in  den sozialen Medien vielfach kommentiert. Ein Besitzer hat sich am Ende zwar nicht gemeldet, wohl aber ein Interessent, der die Wasserschildkröte aufgenommen hat.

Was den tierlieben Senftenberger aber umgehauen hat, ist die Antwort des zuständigen Sachbearbeiters im städtischen Ordnungsamt.  Er solle die Schildkröte einfach wieder zurück in den Senftenberger See setzen. „Das ist doch kein natürlicher Lebensraum für Gelbbauch-Schmuckschildkröten“, zweifelt er die Rechtmäßigkeit dieser äußerst unbürokratischen  Verfahrensweise der Stadt an. Außerdem ist das Aussetzen von Tieren grundsätzlich verboten.

Stadtsprecherin Anja Schmiedgen klärt auf, dass es sich bei dieser Wasserschildkröte um eine nicht geschützte Art handelt, die aus Nordamerika stammend mittlerweile auch in Deutschland zu Hause ist. „Sie kommt ohne Weiteres  in der freien Natur zurecht“, erklärt sie. Da sie zudem für den Menschen völlig ungefährlich sei, war es in der Stadt bisherige Praxis, in der Natur gefundene Tiere  auch wieder dorthin zu verbringen. „Da sich die Fälle in letzter Zeit aber häufen, erfolgt derzeit eine  grundsätzliche Klärung mit der  zuständigen Behörde zur künftigen Verfahrensweise“, so Schmiedgen. Zuständig für  Exoten dieser Art ist das Landesumweltamt, erklärt Jürgen Jentsch von der Naturschutzbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz Auf eine Anfrage der RUNDSCHAU hat das Amt bisher aber nicht reagiert.

Bei Schildkröten, die dem Artenschutz unterliegen, vermittelt die Stadt Senftenberg indes eine artgerechte Unterbringung. Im Senftenberger Fundbüro waren das zum Beispiel eine griechische Landschildkröte und gleich mehrere Exemplare der Vierzehenschildkröte (russische Landschildkröte). Diese Tiere werden vom Tierheim  Langengrassau in Verwahrung genommen. Wenn sich kein Besitzer meldet, dann werden die Schildkröten von dort aus weiter vermittelt.

Die Schildkröten-Invasion in Senftenberg macht um die Nachbarstadt Großräschen noch einen Bogen. Dort ist noch keine einzige Schildkröte angelandet.

Großräschen hat es  ausschließlich mit Hunden und Katzen zu tun, sagt Stadtsprecherin Kati Kiesel.