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| 19:17 Uhr

Rennstrecke als 5G-Testfeld
Internet-Vollspeed für den Lausitzring

Mit der nächsten Generation 5G soll auch auf dem Lausitzring der Austausch enormer Datenmengen in Echtzeit möglich werden. Für das autonome und vernetzte Fahren ist die Technologie wegweisend.
Mit der nächsten Generation 5G soll auch auf dem Lausitzring der Austausch enormer Datenmengen in Echtzeit möglich werden. Für das autonome und vernetzte Fahren ist die Technologie wegweisend. FOTO: LR / Katrin Janetzko
Klettwitz. Die Formel 1 hat es nie auf den Lausitzring geschafft. Das schnellste Internet aller Zeiten aber soll nun hier in Fahrt kommen. Die Prüfgesellschaft Dekra als Betreiber des Areals und die Telekom bauen ein einzigartiges 5G-Testfeld auf.

Was weltweit noch in den Kinderschuhen steckt, soll demnächst auf dem Lausitzring in Klettwitz auf seine Tauglichkeit getestet werden: die Mobilfunkgeneration 5G. Das Dekra Technolgy Center und die Deutsche Telekom wollen das Areal als 5G-Testfeld ausbauen. Das haben unisono die Prüfgesellschaft und der Kommunikationskonzern jetzt mitgeteilt. Beide Parteien wollen von der neuen Kooperation profitieren.

5G beschreibt die Nachfolgegeneration von 4G und soll bis zu zehnfach höhere Datengeschwindigkeiten bieten. Außerdem sind die Laufzeiten der Daten (Latenz) extrem kurz und die Verlässlichkeit der Übertragung sehr hoch. Neben dem seit Mai wachsenden Telekom-Testfeld im Berliner Zentrum wäre der Lausitzring eine weitere 5G-Pilotfläche. Die Idee hinter dem Internet der Dinge: Nicht nur die Menschen sollen über ihre Smartphones, sondern alles auf der Welt soll miteinander vernetzt sein: Kühlschränke, Mülleimer, Verkehrsschilder, Ampeln oder Laternen. Das macht es dann etwa möglich, die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu verbessern, weil Autos in einem Hundertstel Wimpernschlag auf mögliche Risikosituationen hingewiesen werden können. Die neue Technologie soll nicht nur im privaten Gebrauch eine Rolle spielen, sondern zunehmend auch die Arbeitsweise und Produktionsmethoden in der Industrie revolutionieren.

Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom: „Mobilität spielt in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle. Durch die Ausstattung des Lausitzrings mit unserer 5G-Infrastruktur bieten wir der Industrie zusammen mit unserem Partner Dekra das ideale Testumfeld für die Entwicklung neuer, zukunftsorientierter Dienste.“ Das gelte für die Anforderungen seitens der Automobilbranche zum autonomen Fahren wie auch der intelligenten Verkehrssteuerung. Gemeinsam werde nun der Weg für eine sichere und effiziente Mobilität in der Zukunft geebnet. „Automatisierung und Vernetzung stehen dabei im Mittelpunkt. Wir freuen uns sehr, die Deutsche Telekom als strategischen Partner an Bord zu haben. Wir sind überzeugt, dass beide Seiten davon profitieren. Und vor allem die Verkehrssicherheit insgesamt“, erklärt Wolfgang Linsenmaier, Vorsitzender der Geschäftsführung Dekra Automobil GmbH.

 Das Technology Center in Klettwitz ist seit der Übernahme des Lausitzrings vor zehn Monaten nach eigenen Angaben das größte hersteller-unabhängige Prüf- und Testzentrum in Europa. 545 Hektar ist die Fläche groß, das sind mehr als 700 Fußballfelder. Die Mitarbeiterzahl ist von 120 auf 170 gestiegen. Und die Dekra sucht weiter Fachkräfte. Unter strenger Geheimhaltung, das Gelände soll komplett umfriedet werden, lassen die großen Automobilhersteller hier ihre Fahrzeuge auf Herz und Nieren erforschen. Auch wenn noch nicht viel zu sehen ist vom Umbau, können trotzdem schon die meisten Testszenarien abgedeckt werden, bestätigt Dekra-Sprecher Wolfgang Sigloch. Die Fahrbahnen können Innenstädten, Landstraßen und Autobahnen entsprechen. Auch sind spezielle Asphaltzonen für Tests zum autonomen Fahren vorhanden. Noch aber befindet sich das Aus- und Umbauvorhaben, etwa für die flexiblen City-Kurse, in der Planungs- und Genehmigungsphase.

Die Szenarien einer neuen 5G-Testanlage auf dem Lausitzring sind vielfältig: Vernetzte Autos und autonome Fahrzeuge sollen in Echtzeit miteinander kommunizieren - dazu mit Gebäuden, der Straßen-Infrastruktur oder auch mit Fahrradfahrern und Fußgängern, erläutert Wolfgang Sigloch. Navigations-Informationen sollen auf Zentimeter genau werden. Und der Fahrer kann neben neuartigen Assistenzsystemen auch Infotainment und andere Dienste im Auto nutzen. Basis dafür sind neue Lösungen für Konnektivität in Fahrzeugen. Wolfgang Sigloch: „Am Lausitzring arbeiten Experten vieler Bereiche zusammen.“

Noch aber ist der Aufbau des 5G-Testfeldes in Planung. Geplant ist, das Netz in der ersten Jahreshälfte 2019 aufgebaut zu haben. Die Telekom hofft dabei, die bestehende Infrastruktur nutzen zu können. Neue Arbeitsplätze für das Projekt am Lausitzring werden laut Telekom-Sprecherin Anne Geelen nicht entstehen. Die Umbau- und Montagearbeiten, etwa der Aufbau neuer Antennen, soll durch regionale Techniker geleistet werden. Über die Höhe der Investitionskosten will das Unternehmen keine Angaben machen.