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| 16:10 Uhr

Sanierung würde seltene Pflanze bedrohen
Sorge um Schutz-Status der Insel

Die Insel im Senftenberger See: Das 347 Hektar große Eiland und die angrenzenden 539 Hektar an Wasserflächen sind streng geschützt.
Die Insel im Senftenberger See: Das 347 Hektar große Eiland und die angrenzenden 539 Hektar an Wasserflächen sind streng geschützt. FOTO: LMBV/Peter Radke
Senftenberg. Im und am Senftenberger See wächst die sehr seltene Strandling-Pflanze. Sollten Bagger den Untiefen am Eiland zu Leibe rücken, ist sie in Gefahr und damit auch das Fauna-Flora-Habitat. Von Jan Augustin

Sie ist immergrün, krautig und schafft eine Wuchshöhe von bis zu zwölf Zentimetern: die Strandling-Pflanze. Besonders gern lebt das extrem seltene Wegerichgewächs in nährstoffarmen Wasser - so wie im Senftenberger See. „Sie ist eines der Schutzgüter, die den See herausragend macht“, erklärt Agrarbiologin Gabriele Weiß. Im Auftrag der Stiftung Natur Schutz Fonds Brandenburg fertigt ihre Firma, die Ecostrat GmbH, gerade einen Managementplan für die Insel an. Seit Anfang 2017 untersuchen Experten Fauna und Flora in den Gebieten und leiten geeignete Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen ab. Die wichtigsten Ergebnisse hat Gabriele Weiß am Donnerstag vor rund 40 Behördenvertretern und interessierten Einwohnern im Landratsamt in Senftenberg vorgestellt. Die wichtigste Erkenntnis: Die Insel, die seit mehr als 40 Jahren wegen Rutschungsgefahr nicht betreten werden darf und unter nationalem sowie als Fauna-Flora-Habitat (FFH) auch unter europäischem Schutz steht, habe sich ungestört entwickeln können.

Genau das wird auch von Volker Mielchen, dem Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg, gelobt. Tourismus und Naturschutz bewegen sich bisher im Einklang miteinander. Das soll so bleiben. Doch der neue, größere Sperrbereich um die Insel herum stehe dem entgegen. „Das ist unsere Sorge, dass die Linie wie jetzt zementiert wird“, sagt der Verbandsvorsteher. Vor allem von Seglern wird die immer kleiner werdende freie Fläche kritisiert und die erhöhte Unfallgefahr angemahnt. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft hat zwar angekündigt, die für Boote gefährlichen Untiefen mittels Schwimmbagger abzutragen. Doch würde das teilweise auch den Lebensraum des Strandlings gefährden und möglicherweise den Verlust des strengen FFH-Schutzstatus’ bedeuten. Holger Vöhl vom Landesbergamt beruhigt die besorgte Runde mit einem Vorschlag: Die Spitzen der Schüttungsrippen, die wie lange Finger in den See ragen, könnten abgetragen und der Strandling an anderer Stelle wieder angesiedelt werden. Das ist technisch möglich, betont er.

FOTO: LR

Doch der Strandling ist nicht die einzige Besonderheit, die die Experten auf der Insel gefunden haben. Anhand von Luftbildern konnten sie auch mehrere Moorgebiete und eigenständige Seen ausmachen. In den meisten Bereichen weise der Senftenberger See ein „hervorragendes Arteninventar“ auf. Auch wenn Fischotter-Spuren direkt im FFH-Gebiet nicht gefunden wurden, gilt die Besiedlung des Wassermarders auf der Insel als sicher. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass sich der sonst in Europa stark gefährdete Lebensraum „in einem guten Zustand befindet“, erklärt Agrarbiologin Gabriele Weiß.

Auf Grundlage der Untersuchungen sind im Managementplan diese Ziele und Maßnahmen für den Senftenberger See ermitteln worden:

  • Erhaltung eines klaren, unbelasteten, oligo- bis mesotrophen, schwach sauren bis neutralen Gewässers mit pH-Werten zwischen 5,5 und 7,5
  • Steuerung der Wasserführung des als Speicherbecken genutzten Sees, sodass saisonal schwankende Wasserstände in ausreichendem Umfang erhalten bleiben
  • Erhalt bzw. Anlage von Uferrandstreifen (Pufferzonen zur Verminderung von indirekten Nährstoffeinträgen)
  • Verhinderung von Nährstoffeinträgen, insbesondere Phosphat und Stickstoff, aus der Umgebung
  • Verhinderung des Einströmens eisenhaltiger Grund- und Oberflächenwässer
  • Reinigung des stark eisenbelasteten Einleiters aus dem Fabiansteich
  • Erhalt unverbauter Uferzonen auch am Außenufer
  • Kein Betreten der Litoralzone und Befahren der Flachwasserzone, um die damit einhergehende direkte mechanische Störung bzw. starken Wellenschlag zu unterbinden
  • Bei zunehmendem Motorbootaufkommen ist die Einrichtung von weitergehenden Pufferzonen für Motorboote zu prüfen

Behandlungsgrundsätze für Fischerei und Angelsport:

Es wird davon ausgegangen, dass die Angler an einer naturnahen und möglichst ungestörten Landschaft interessiert sind. Wenn Angler und Fischer für die Reinhaltung der Ufer und Gewässer Sorge tragen, leisten sie damit auch einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung des Umwelt- und Heimatschutzes und stärken die Anerkennung der Fischerei in der Öffentlichkeit. Daher ist eine aktive Mithilfe der Angler bei der Erhaltung und Entwicklung der Gewässer im Gebiet wünschenswert.

Der Senftenberger See ist seit fast 50 Jahren Badegewässer. Zudem gibt es im Südwesten eine Tauchbasis und er darf tagsüber befahren werden. Bis 2007 nur mit Segelbooten und unmotorisierten Sportgeräten, seit 2007 ist er schiffbares Gewässer und darf auch vom motorisierten Individualverkehr genutzt werden. Auch mit der Schaffung der Verbindung zum Geierswalder See 2013 nahm der Motorbootverkehr zu. Die touristische Nutzung beschränkt sich auf den Bereich des Sees außerhalb des FFH-Gebietes, da dessen Betreten und Befahren bergrechtlich untersagt ist.

Ziele und Maßnahmen:

  • Erarbeitung und Umsetzung einer Strategie und eines Aktionsplans für den nachhaltigen Tourismus am Senftenberger See
  • Nachhaltige touristische Entwicklung in Hinblick auf die Umwelt, auf den Lebensstandard der lokalen Bevölkerung, auf die Unternehmen in der Region und die Besucher
  • Erfolgreiche Vermittlung der Kenntnisse über das Schutzgebiet und seine Besonderheiten an Besucherinnen und Besucher touristische Unternehmen und die lokale Bevölkerung
  • naturverträgliche touristische Nutzung des Gewässers.

Damit ergeben sich für die touristische Nutzung des Senftenberger Sees beispielsweise folgende Behandlungsgrundsätze:

  • Erhalt des Befahrungs- und Betretungsverbotes des FFH-Gebietes
  • Baden, Tauchen, Surfen, Standup-Paddling, Bootfahren u.a. in festgelegten Bereichen
  • keine außergewöhnlichen Ruhestörungen nahe der Insel, vor allem während der Brut- und Aufzuchtphasen
  • Einhaltung der Befahrungszeiten und Geschwindigkeiten
  • Kein Modellsport oder Betrieb von ferngesteuerten Geräten in und über den für Wasserfahrzeugen gesperrten Bereichen und auf / über der Insel