„Das bin ich - 18 Antworten“ , ist dabei herausgekommen. Heute und morgen zeigen die Jugendlichen auf den IBA-Terrassen die dritte Episode eines beispiellosen Erzähltheaters. Analog zu den gewaltigen Eingriffen des Bergbaus in die Landschaft reflektiert es die innerlichen Erosionen der Menschen, die durch die Kohle ihre Heimat Bückgen verloren. Von Anfang an war das Projekt dabei auf den Austausch der Älteren mit den Jüngeren ausgelegt. Mit der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung 5000xZukunft konnte das Jugendprojekt realisiert werden.
Den ganzen Winter über haben sich die Schüler des Gymnasiums und der Oberschule auf Spurensuche begeben. Was war vor der großen Grube?, wollten sie wissen. Sie führten Interviews mit Zeitzeugen und machten Tonaufnahmen. Anschließend wurde das Material gesichtet und Jürg Montalta hat es mit ihnen in Form gegossen: zwei Filme und vier Szenen sind daraus entstanden. So erzählt etwa eine Gruppe von Mädchen die schönsten Gebäude von Bückgen. Andere haben bei ihren Interviews das Leuchten in den Augen der Erzählenden entdeckt, die Erinnerung an das verlorene Paradies. Beim Dialog auf der Picknick-Wolldecke kommen sie der verlorenen Schönheit auf die Spur.
Montalta hat sie alle eingebunden, auch die, die es nicht so mit dem Theaterspielen haben und eher den Drang nach Bewegung verspüren. Sven Spiller (12) und Christian Galle (13) haben ihre Rolle selbst gefunden. Sie sind die Brücke, das Schiff zwischen den Szenen, den Inseln. Konzentriert stehen sie sich auf Stühlen gegenüber, vollführen Balance-Übungen und sprechen langsam: „heute, morgen, heute, morgen . . .“ Balance - „man hängt nicht in der Grube, man ist stolz auf das, was war und hat den Blick frei für die Zukunft“ , sagt Jürg Montalta. Die Botschaft ist angekommen. Die Jugendlichen sind die ersten, die den Bildband mit einer DVD über das große Erzähltheater im Tagebau „Alles verloren - alles gewonnen“ in den Händen halten. Dort sind jetzt die Geschichten nachzulesen, die die 21 Akteure vor einem Jahr vortrugen. Darin sind die starken Bilder festgehalten - von denen, die noch einmal hinunter in den Tagebau gestiegen sind, auf den Grund ihrer zerstörten Heimat, um bereichert wieder hinaufzukommen. Eine Botschaft, die nicht an Großräschen haftet. Das hat auch die jungen Darsteller sehr bewegt.

Zum Thema Was bin ich?
 Der dritte Teil des Erzähltheaters über Bückgen unter der Regie von Jürg Montalta, diesmal mit 16 Jugendlichen aus Großräschen, ist heute und am Sonntag jeweils um 14 Uhr in Haus 3 auf den IBA-Terrassen zu
sehen.
Bei dieser Gelegenheit kann auch der druckfrische Bildband mit DVD über „Alles verloren - alles gewonnen“ erworben werden.