Seit gut drei Monaten ist wieder Grippesaison. Sie beginnt im Oktober und geht üblicherweise bis April. In den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Bautzen und Görlitz sind bisher nur wenige Grippefälle aufgetreten.

Unterschied zwischen Grippe und grippalem Infekt erkennen

Die Influenza ist im Gegensatz zur Erkältung an einem „deutlich stärkeren Krankheitsgefühl“ zu erkennen, erklärt Dr. Steffi Kunze, die eine Hausarztpraxis in Senftenberg hat. Sie zeichne sich vor allem durch ihren überfallartigen Beginn aus. Eine Erkältung bahnt sich an. Die Grippe kommt plötzlich. „Früh geht man noch zur Arbeit und abends um Acht tut einem jeder Knochen einzeln weh“, meint sie. Hohes Fieber und starke Kopf- und Gliederschmerzen seien weitere Anzeichen. Eine Erkältung ist in der Regel nach wenigen Tagen wieder abgeklungen, die Grippe ist hartnäckiger.

Zahlen von Grippefällen sind rückläufig

Besonders schlimm war die Grippesaison 2017/2018. Deutschlandweit gab es rund 25 100 Todesfälle. Auch im Landkreis Görlitz fiel diese Saison heftiger aus als sonst. So gab es 2814 Grippe- und 14 Todesfälle. Im Jahr darauf normalisierten sich die Zahlen wieder, 1215 Menschen erkrankten und sechs starben. Für die Saison 2019/2020 sind bisher nur 45 Grippefälle bekannt.

Im Landkreis Bautzen ist eine ähnliche Entwicklung erkennbar. 2017/2018 gab es 3521 Grippefälle, ein Jahr später 1387 und 2019/2020 bis jetzt 60, wie Sarah Günther von der Pressestelle des Landratsamts Bautzen mitteilt. Und das obwohl die Zahlen der Impfungen rückläufig sind. So ließen sich 2017/2018 noch 1772 Menschen im Gesundheitsamt Hoyerswerda impfen, 2018/2019 waren es nur noch 1325 und 2019/2020 bislang 918.

Wenige Grippefälle in OSL

Auch im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind die Zahlen rückläufig. So gab es 2017/2018 454 Grippefälle, im Jahr darauf 319 und 2019/2020 bisher elf, „davon einen Fall mit schwerem Verlauf“, wie die Pressesprecherin des Landkreises Sarah Werner berichtet. Kristin Dolk vom Klinikum Niederlausitz bestätigt diese Tendenz: „Seit September 2019 wurden nur wenige unserer Patienten positiv auf Influenza-A getestet. Die Zahl liegt im unteren einstelligen Bereich, was weniger ist als im Vorjahr.“

Diese Entwicklung zeigt sich auch bei Dr. Steffi Kunze. „Die echte nachgewiesene Grippe hatten wir noch nicht“, sagt sie. Allerdings sei letzte Woche ein leichter Anstieg bei grippalen Infekten zu verzeichnen gewesen. Auch wenn bis jetzt nur wenige Grippefälle aufgetreten sind, stehe das Schlimmste noch bevor. Wie jedes Jahr wird es auch diesmal eine Grippewelle geben, erläutert die Ärztin. Eine Häufung von Krankheitsfällen sei für den Februar zu erwarten. Das Robert-Koch-Institut registriert bereits jetzt einen Anstieg bei Grippefällen: „Für die zweite Meldewoche 2020 wurden bislang 2821 bestätigte Influenzafälle übermittelt.“ Das deute auf einen Beginn der Grippewelle in der zweiten Kalenderwoche hin.

Impfen ist immer noch möglich

Bisher ließen sich 265 Menschen im Gesundheitsamt in Senftenberg impfen. „Das entspricht in etwa dem Impfverhalten vom Vorjahr“, erläutert Sarah Werner. „Auch aktuell gibt es noch Impfwillige und eine Impfung macht auch zum jetzigen Zeitpunkt noch Sinn“, meint sie. Dr. Steffi Kunze rät ebenfalls jedem, der noch nicht geimpft ist, es jetzt nachzuholen. „Im Januar ist es dafür noch nicht zu spät“, sagt sie.

Außerdem sei bereits bekannt, dass der Haupterreger in der Vierfach-Impfung erfasst ist. Das mache die Impfung besonders sinnvoll, ergänzt die Allgemeinmedizinerin. Und selbst wenn ein Virussubtyp auftreten sollte, den die Impfung nicht abdeckt, ist das kein Problem. „Es entsteht ein erweiterter Impfschutz“, wodurch man trotzdem geschützt ist, erklärt sie.

Das Risiko einer Ansteckung minimieren


Die beste Chance, eine Grippe-Erkrankung zu umgehen, stellt die Grippeschutzimpfung dar. In der Regel liegt die Wirksamkeit einer solchen Impfung aber nur bei 40 bis 60 Prozent. Daher rät das Robert-Koch-Institut zum Ergreifen weiterer Maßnahmen. Da die Influenza durch Tröpfcheninfektion übertragen wird, sollte Abstand zu potenziell an Grippe erkrankten Personen gehalten werden. Außerdem reduziert regelmäßiges und gründliches Händewaschen das Risiko einer Ansteckung.

Ist man trotz allem krank geworden, ist enger Kontakt zu anderen Personen zu vermeiden. Betroffene sind für fünf bis sieben Tage nach Ausbruch der Krankheit ansteckend. Daher sollten sie nicht in die Hand niesen oder husten. Taschentücher sollten direkt im Mülleimer entsorgt werden. Regelmäßiges Lüften sorgt dafür, dass die Zahl der Erreger in der Luft verringert wird. Des Weiteren ist frische Luft wichtig für das Immunsystem. Durch diese Maßnahmen kann die Übertragung der Krankheit eingeschränkt werden.