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| 14:18 Uhr

Versteigerung in Senftenberg
Rollator zum Schnäppchenpreis

 Insgesamt 76 Fahrräder sollten während der Versteigerung auf dem Senftenberger Markt an den Mann gebracht werden.
Insgesamt 76 Fahrräder sollten während der Versteigerung auf dem Senftenberger Markt an den Mann gebracht werden. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg. Auf dem Senftenberger Marktplatz sind am Wochenende „besitzerlose Fundsachen“ unter den Hammer gekommen. Dabei gab’s eine Premiere. Zum ersten Mal war nämlich ein Rollator dabei. Ein Rekordgebot gab es für ihn aber nicht. Von Torsten Richter-Zippack

Werner Schober hat allen Grund zur Freude: Soeben hat der 83-Jährige einen Rollator erworben. Allerdings nicht im Fachgeschäft für teures Geld, sondern auf dem Senftenberger Markt für ganze sechs Euro. Schober ist einziger Bieter für die Gehhilfe. „Der Rollator ist nicht für mich, sondern für meine Frau. Ich selbst fahre noch Auto“, stellt der rüstig wirkende Senftenberger klar.

Den Rollator hat Auktionator und Stadtsprecher Andreas Groebe versteigert. Darüber hinaus will Groebe weitere zwei Rollatoren, zudem 76 Fahrräder und einen Fahrradanhänger, unter das Volk bringen. „Die Exponate stammen aus unserem Fundbüro. Mitarbeiter der Stadt haben sie in den vergangenen drei Jahren im Empfang genommen und verwahrt“, berichtet Groebe. Wo genau die Fahrräder und insbesondere die Rollatoren aufgefunden worden waren, kann Anja Anders vom Fundbüro indes nicht mehr sagen. Nur so viel: „Die Gehhilfen standen in der Kernstadt über längere Zeit unangeschlossen herum, bevor sie ins Fundbüro kamen. Die jeweiligen Besitzer haben sich bis zum heutigen Tag nicht gemeldet.“

 Florian Schmidt aus Woschkow hat sowohl das Fahrrad als auch den Anhänger für insgesamt gut 100 Euro ersteigert.
Florian Schmidt aus Woschkow hat sowohl das Fahrrad als auch den Anhänger für insgesamt gut 100 Euro ersteigert. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Das gleiche Schicksal wurde auch den Fahrrädern zuteil, die an diesem sonnigen Spätsommertag versteigert werden. Andere Drahtesel seien bereits entsorgt worden. „Diese sind unweit des Stadthafens in der Schwarzen Elster gefunden worden. Deren Zustand war zu schlecht, um sie weiter verwerten zu können“, erklärt Anders.

 Hier überreicht Anja Anders vom Ordnungsamt Werner Schober seinen soeben für sechs Euro ersteigerten Rollator.
Hier überreicht Anja Anders vom Ordnungsamt Werner Schober seinen soeben für sechs Euro ersteigerten Rollator. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Vonseiten des Senftenberger Rathauses werden die Räder so verkauft wie aufgefunden. Manche haben einen Platten, die Beleuchtung funktioniert nicht oder das Schutzblech wackelt. „Wir haben die Drahtesel nur geputzt“, sagt Anja Anders.

Stolz wie Bolle ist indes Florian Schmidt. Der extra per Bahn aus Woschkow angereiste junge Mann sahnt gleich doppelt ab. Den einzigen Fahrradanhänger der Versteigerung erwirbt er für ganze 15 Euro, sein Traumfahrrad im Retro-Stil für 88 Euro. „Ein echtes Schnäppchen“, resümiert der 30-Jährige. Neu würde dieses Fahrrad vielleicht zwischen 500 und 600 Euro kosten. Trotz seiner Erfolge will Schmidt noch nicht nach Hause fahren. Er will ein weiteres Fahrrad für einen Bekannten ersteigern.

Lediglich vier Euro muss Justin Maintok für ein IFA-Diamant-Rad aus DDR-Zeiten löhnen. „Ich denke, ich muss etwas Luft aufpumpen, und dann kann es auch schon losgehen“, ist sich der 18-jährige Briesker sicher.

Die Einnahmen aus der Versteigerung, beim letzten Mal waren es rund 2000 Euro, fließen für drei Jahre auf ein Verwahrkonto, erklärt Ordnungsamtsleiter André Nickel. „Wir versteigern fremdes Eigentum“, lautet seine Begründung. Allerdings hätte sich bislang noch nie jemand gemeldet, der irgendwelche Ansprüche auf versteigerte Gegenstände angemeldet hat. Bereits seit dem Jahr 2003 gibt es die Versteigerungen, 2019 schon die siebte Auflage. Möglich wird die Auktion durch das Gesetz. „Fundsachen sind zu verwerten“, heißt es da. „Und genau das machen wir“, resümiert Nickel.

Während alle drei Rollatoren neue Besitzer finden, will manche Fahrräder niemand haben. „Die müssen wir entsorgen“, kündigt Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) an. Eine weitere Chance auf einen Eigentümerwechsel werde es nicht geben. Fredrich selbst ersteigert kein Fahrrad. „Ich habe ein schönes, das reicht mir vollkommen aus“, lautet seine Begründung.