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| 02:56 Uhr

In Schipkau gibt es Kohle für den Wind

Der Rückbau der alten Windräder ist so gut wie abgeschlossen.
Der Rückbau der alten Windräder ist so gut wie abgeschlossen. FOTO: Konzag
Schipkau. Schipkau ist am Ziel. Der Bürgerbonus wird ausgezahlt. Gemeindeväter und Investor lassen die 6900 Einwohner am Windgeschäft vor ihren Haustüren ordentlich mitverdienen. Schipkau liegt damit landesweit hart am Wind. In ganz Brandenburg gibt es nichts Vergleichbares. Andrea Budich

Auf diese Post, diese Bürgerinformation haben die Schipkauer schon lange gewartet. Spätestens am Sonnabend halten sie den Bürgerbrief samt Anmeldeformular zur Teilnahme am Bürgerbonusmodell in den Händen. Ausgefüllt und bis Mitte November zurückgeschickt, haben die Schipkauer damit ein zusätzliches Weihnachtsgeschenk sicher: 80 Euro bekommt jeder Einwohner mit Hauptwohnsitz in der Gemeinde mit den sechs Ortsteilen ausgezahlt. Für eine vierköpfige Familie können die 320 Euro die Hälfte der Stromrechnung ausmachen.

Der Bonus ist den Schipkauern in den nächsten fünf Jahren sicher. Danach entscheiden die Gemeindevertreter neu, wofür die 1,8 Millionen Euro, die der Vorhabenträger auf ein Sonderkonto der Gemeinde zahlt, verwendet werden. Das Konto ist bei der Sparkasse Niederlausitz inzwischen angelegt, bestätigt Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU). Dass die Bewohner am Wind mitverdienen, hatte für Prietzel in unzähligen Verhandlungsrunden immer Priorität.

"Für die Schipkauer muss was hängen bleiben", so sein Grundsatz, an dem er trotz heftigstem Gegenwind nicht rütteln ließ. Mehr als zwei Jahre lang hat er dafür gekämpft, gestritten, Prügel eingesteckt und von den Nachbarkommunen schließlich auch neidvolle Blicke.

Während das erste Geld kurz vor der Auszahlung steht, wird auf der Windpark-Großbaustelle rund um die Uhr rangeklotzt. Der Rückbau der 35 alten Räder ist so gut wie abgeschlossen. Innerhalb des Repowerings werden in diesem und im nächsten Jahr 27 neue Windkraftanlagen errichtet. Die Erste wächst wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen in den Lausitzer Himmel. Mit Flügeln die 55 Meter lang sind. Die neuen Windmühlen sind höher, moderner und produzieren doppelt soviel Energie wie bisher. Von der Klettwitzer Ortslage rücken sie jedoch weiter weg. Später soll zudem der Südbereich des Windparks auf Flächen zwischen Schipkau und Kostebrau erweitert werden. Dafür laufen bereits die Planungen. 15 zusätzliche Räder sind dafür im Gespräch.

Mit dem Bürgerbonus verdienen die Schipkauer jetzt am Wind vor ihrer Haustür ordentlich mit. Das hat inzwischen eine breite Akzeptanz geschaffen - selbst bei den Klettwitzern, die am nächsten dran sind am Windgeschehen auf der Hochkippe.

Fürs Land Brandenburg avanciert das kleine Schipkau mit dem einzigartigen Windprojekt nunmehr zum Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien. "Andere Beteiligungsmodelle wie Geldanlagen und Strompreiszuschüsse erwiesen sich als weniger günstig und wurden daher verworfen", erklärt der Bürgermeister. Er gibt den Startschuss und bittet alle Einwohner, die Anmeldebögen schnell auszufüllen.