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| 16:36 Uhr

Ehrenamt
Ins Ehrenamt hineingewachsen

Nur wenigen Fußballern ist es vergönnt, einmal den Fußball-WM-Pokal aus dem Jahr 1974 in den Händen zu halten. Gerald Braun wird diesen Moment im Herbst 2009 nicht mehr vergessen. Als temporäres Mitglied im „Club 100“, durfte er an der jährlichen DFB-Auszeichnungsveranstaltung in Hamburg teilnehmen. Heute hält er noch immer Fußbälle und beim SV Aufbau Großkmehlen das Vereinsleben zusammen.
Nur wenigen Fußballern ist es vergönnt, einmal den Fußball-WM-Pokal aus dem Jahr 1974 in den Händen zu halten. Gerald Braun wird diesen Moment im Herbst 2009 nicht mehr vergessen. Als temporäres Mitglied im „Club 100“, durfte er an der jährlichen DFB-Auszeichnungsveranstaltung in Hamburg teilnehmen. Heute hält er noch immer Fußbälle und beim SV Aufbau Großkmehlen das Vereinsleben zusammen. FOTO: Uwe Hegewald
Großkmehlen. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Gerald Braun (Großkmehlen). Von Uwe Hegewald

Um diesen Moment haben hiesige Fußballer Gerald Braun bestimmt beneidet: Es ist der 14. Oktober 2009, als der damalige Abteilungsleiter Fußball des SV Aufbau Großkmehlen in Hamburg die 1974er-Fußball-WM-Trophäe in den Händen hält. Fußballlegende Uwe Seeler und der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger rahmen den außergewöhnlichen Augenblick. „Den Tag werde ich ein Leben lang nicht vergessen“, sagt Gerald Braun und erklärt, wie dieser überhaupt zustande gekommen ist. „2008 ist mir der Ehrenamtspreis des Fußball-Landesverbandes Brandenburg verliehen worden. Wenig später flatterte die Einladung zur Auszeichnungsveranstaltung in Hamburg ins Haus.“ Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlern aus ganz Fußball-Deutschland ist er für ein Jahr in den „Club 100“ aufgenommen worden – inklusive Vergünstigungen, wie etwa Tickets für Länderspiele der Fußball-Nationalmannschaft.

Dass Gerald Braun vom Landesverband vorgeschlagen wurde, hängt mit seinem Engagement in Großkmehlen zusammen. Zwölf Jahre füllte der heute 55-Jährige die Funktion des Abteilungsleiters Fußball aus. „Als mein Vorgänger das Handtuch warf, stellte ich mich der Herausforderung. Es musste ja irgendwie weitergehen“, erzählt er. 2014 wiederholte sich die Szenerie, als auch der Vereinsvorsitzende im Besitz eines entsprechenden Handtuchs zum Werfen war. Die rund 160 Mitglieder des SV Aufbau Großkmehlen sprachen Gerald Braun ihr Vertrauen aus und bestätigten dieses bei der Wiederwahl im Frühjahr dieses Jahres.

Für den Vereinschef steht zweifelsfrei fest: „Ohne die ausgewogene und faire Zusammenarbeit über alle Abteilungen des Vereins hinweg und eine funktionierende Vereinsführung hätte ich mich nicht zur Wiederwahl gestellt.“ Auch sei es der soliden Zahl an zuverlässigen Trainern, Betreuern, Sponsoren und der Gemeinde Großkmehlen zuzuschreiben, das Amt fortzuführen. „Ohne diese Leute würden wir auf verlorenem Posten stehen“, prophezeit er. Einbezogen sind auch jene Mitmenschen, die nicht direkt im sportlichen Vordergrund stehen, aber mit ihrem Einsatz für einen bespielbaren Platz, ein sauberes Objekt, eine einladende und gut besuchte Sportgaststätte oder immer für saubere Trikots sorgen und so an der Erfolgsgeschichte mitschreiben.

In den Verein rein gerutscht ist Gerald Braun durch seinen Sohn Ronny. Als der als Achtjähriger Interesse an der Jagd nach dem runden Leder entwickelte und Mannschaftsbetreuer gesucht wurden, folgte er seinem Junior in die Aufbau-Arena – wenige Jahre später auch Sohn Oliver. Es kam, wie es kommen musste: Früher selbst aktiver Fußballer bei Eintracht Ortrand, sah sich der Wahl-Kmehlener schnell in einer Trainer-Funktion wieder. Die bis heute gültige Trainer-C-Lizenz wurde erworben und beständige, erfolgreiche Nachwuchsarbeit geleistet. „Mit den B-Junioren ist es uns 2006 und 2007 zweimal in Folge gelungen, den Fairplay-Landespokal nach Großkmehlen zu holen“, so Gerald Braun, der seinerzeit mit Maik Manicke und Volkhard Müller den Trainerstab bildete.

Als Lohn für praktizierte Fairness auf dem Rasen ging es bereits 2006 auf große Reise. „Wir durften in Spanien an einem Turnier mit Mannschaften aus ganz Europa teilnehmen. Neben dem Kicken standen auch Ausflüge ins benachbarte Barcelona auf dem Programm, inklusive Besuch des legendären Fußballstadions Camp Nou. „Für die Stifte war das natürlich eine geile Sache“, erinnert sich der Großkmehlener Vereinschef.

Auch nach dem Erreichen des vermeintlichen Zenits nimmt die Arbeit mit den Junioren des SV einen hohen Stellenwert ein. „Wir sind in allen Klassen besetzt, wenn nötig haben wir dafür Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen gegründet“, berichtet Gerald Braun. Überzogene Ziele würden seitens der Vereinsführung nicht formuliert. „Wir wollen und werden ein Dorfklub bleiben und gar nicht erst damit beginnen, uns irgendwelche Legionäre einzukaufen, wie es selbst in unteren Ligen praktiziert wird. Bei uns sind Spieler willkommen, die Spaß am Fußball haben und sich mit unserem Verein und Großkmehlen verbunden fühlen“, betont er. Dieser Philosophie folgen auch die anderen Abteilungen, wie Tischtennis, Kegeln, Volleyball, Gymnastik und Budo-Sport.

1951 ist der Verein gegründet worden. Auslöser waren verrückte Ideen von ein paar Sportlern und von einem maßstabsgetreuen Fußballfeld. Verrückt deshalb, weil im Jahr 1950 jeder Quadratmeter Boden der Ernährung zu dienen hatte. Am Ende reichte es für ein Stück Schulwiese mit unterschiedlichen Breitenmaßen an der Pulsnitz – aber allemal ausreichend, um auf dieser nach Herzenslust zu bolzen.