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| 16:29 Uhr

Plötzlich bleiben in Senftenberg die Tonnen stehen
Sackgasse ist für Müllauto passé

In der Sackgasse Am Salzgraben werden die Tonnen jetzt nicht mehr bis hinten abgeholt. In dieser Straße darf das Müllauto nicht mehr rückwärts fahren.
In der Sackgasse Am Salzgraben werden die Tonnen jetzt nicht mehr bis hinten abgeholt. In dieser Straße darf das Müllauto nicht mehr rückwärts fahren. FOTO: LR / Catrin Würz
Senftenberg. In die Senftenberger Wohngebietsstraße Am Salzgraben fährt das Müllfahrzeug nur noch auf einem Teilstück ein. Die Anwohner sind davon kalt erwischt worden. Von Catrin Würz

Anwohner von Sackgassen und kleinen Stichstraßen haben immer häufiger das Nachsehen bei der Abfallentsorgung. Strengere Vorschriften bei Arbeitsschutz und Unfallverhütung bei gleichzeitig immer größer werdenden Fahrzeugen führen dazu, dass bestimmte Stichstraßen ohne ausreichend großen Wendehammer künftig nicht mehr angefahren werden dürfen.

Gerade kocht das Problem auch in Senftenberg hoch. Hans-Jo­achim Adamczak will seinen Augen nicht trauen, als er am vergangenen Freitag das Müllauto in seiner Straße auf und davon fahren sieht. Das Entsorgungsfahrzeug der Firma Remondis, das an diesem Tag eigentlich die gelben Tonnen in ganz Senftenberg und damit auch in der Wohngebietsstraße Am Salzgraben leeren soll, rollt diesmal nur ein kleines Stück rückwärts in die Stichstraße hinein, wo die Tonnen der vorderen Grundstücke geleert werden können. Dann brummt der Laster von dannen. „An allen Grund­stücken der weiter hinten gelegenen 200 bis 400 Meter des Salzgrabens blieben die Tonnen einfach stehen“, ärgert sich Hans-Jo­achim Adamczak. Und das betrifft gut 40 Haushalte auf dem Reststück der Straße. Als der 65-Jährige dann auch noch in Erfahrung bringt, dass dies jetzt künftig immer so sein wird, kann er seine Empörung kaum noch im Zaum halten. „Seit 40 Jahren ist unsere Straße immer bis hinten entsorgt worden. Warum soll das jetzt auf einmal nicht mehr gehen?“

Der Grund ist das zunehmend strenger durchgesetzte Rückwärtsfahrverbot für Müllautos. Michael Schädlich-Wolski, Betriebsleiter der Großräschener Niederlassung der Remondis Brandenburg GmbH, bestätigt, dass der Fahrer im Müllauto am Salzgraben absolut richtig gehandelt und „lediglich die gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitssicherheit eingehalten hat“. Erst ein paar Stunden zuvor hatten die Mitarbeiter des Unternehmens nämlich eine neue Arbeitsschutzbelehrung unterschrieben, die das Rückwärtsfahren auf mehr als 150 Metern Länge strikt verbietet. Zudem muss der Rangierraum für die Entsorgungsfahrzeuge mindestens 3,50 Meter breit sein, sodass auf jeder Seite des Fahrzeuges mindestens ein halber Meter Platz ist. „Wenn in der Straße Am Salzgraben Autos auf den Parkflächen stehen, ist auch das nicht mehr gegeben“, bestätigt Schädlich-Wolski.

Die strengen Vorschriften zur Arbeitssicherheit und Unfallverhütung kommen nicht von ungefähr. „Rückwärtsfahren ist ein gefährlicher Vorgang. Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu mehreren schweren, teils tödlichen Unfällen durch das Rückwärtsfahren von Entsorgungsautos“, erklärt der Remondis-Betriebsleiter. Die Berufsgenossenschaft der Müllwerker und die Gesetzliche Unfallversicherung sind in ihren Forderungen gegen das Rückwärtsfahren deshalb unmissverständlich. „Und wir können uns darüber nicht einfach hinwegsetzen“, so Michael Schädlich-Wolski.

Den Ärger der Anwohner, die von den Änderungen nicht informiert waren, kann der Remondis-Betriebsleiter zwar verstehen. Dennoch wird es Am Salzgraben kein Zurück geben. Künftig werden die Tonnen wohl an einen Sammelplatz im vorderen Straßenbereich gebracht werden müssen. Derzeit suchen der Abfallentsorgungsverband Schwarze Elster (AEV) und Remondis als Auftragnehmer gemeinsam nach einer Lösung sowohl für den Salzgraben, aber auch für mehrere Dutzend weitere Sackgassen und „kritische Wege“ im Entsorgungsgebiet. „Das ist ein laufender Prozess. Wir werden die Anwohner entsprechend informieren“, kündigt AEV-Verbandsvorsteher Dr. Bernd Dutschmann an.

So lange müssen die Anwohner am Salzgraben nun freilich nicht auf die Leerung ihrer Abfalltonnen warten. Bereits am Dienstag sind die blauen und gelben Tonnen nachträglich abgeholt worden. Nicht durch ein rückwärts fahrendes Müllauto, sondern durch Remondis-Mitarbeiter, die die Tonnen in den vorderen Bereich rollten. Das werde aber keine Dauerlösung sein können. Michael Schädlich-Wolski: „Wir sind jedem Bürger dankbar, der uns auf solchen Straßen mit seiner Tonne ein Stück entgegenkommt.“