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| 20:57 Uhr

Hohe Kosten für Schüler im Nahverkehr
Oma fordert freie Fahrt mit Bus und Bahn für Enkel

 E in neuralgischer Punkt im Bahnverkehr an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen ist der Bahnhof Ruhland. Im Freistaat fahren Schüler und Studenten im Verkehrsverbund Oberelbe mit ihren Ausweisen kostenlos. Immer mehr Lausitzer fordern für Brandenburg die gleichen Nutzungsbedingungen .
E in neuralgischer Punkt im Bahnverkehr an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen ist der Bahnhof Ruhland. Im Freistaat fahren Schüler und Studenten im Verkehrsverbund Oberelbe mit ihren Ausweisen kostenlos. Immer mehr Lausitzer fordern für Brandenburg die gleichen Nutzungsbedingungen . FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / STEFFEN RASCHE
Senftenberg. Eine Senftenbergerin schaut neidvoll auf Pläne in Sachsen. Dort wird der Nahverkehr für junge Leute attraktiver gemacht. In Brandenburg wird an ähnlichen, aber deutlich abgespeckten Lösungen gearbeitet. Von Catrin Würz

Die Senftenbergerin Marlies Kaden schaut mit einem neidvollen Stirnrunzeln über die Brandenburger Landesgrenze hinaus. Dass in Mittelsachsen bereits im vergangenen Jahr ein preiswertes Junge-Leute-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr eingeführt wurde und dieses ab Sommer auf ganz Sachsen ausgeweitet werden soll, lässt ihr keine Ruhe mehr. „Sowas wäre auch für junge Menschen hier in unserer Region sehr wichtig, um sie mobil zu machen, und zwar umweltschonend und ohne noch mehr Autos auf die Straße zu bringen“, sagt sie.

Die Senftenbergerin hat drei Enkelkinder, die alle drei gerade im Azubi-Alter sind und für ihre Ausbildung mit Bus und Bahn fahren müssen. „Das ist eine teure Angelegenheit“, bestätigt Marlies Kaden am RUNDSCHAU-Reportertelefon. Besonders hart treffe es ihre älteste Enkeltochter, die eine Ausbildung in Schwarzheide absolviert. „Um von Senftenberg dorthin mit dem Bus zu fahren, ist eine Monatskarte zum Preis von 47,20 Euro nötig. Die Berufsschule befindet sich allerdings in Dresden, und dafür werden zweimal pro Monat Wochenkarten für jeweils 48,30 Euro gebraucht. Das macht zusammen fast 150 Euro pro Monat nur für Bus und Bahn – mehr als ein Drittel der Auszubildendenvergütung von rund 400 Euro“, erklärt die Senftenbergerin verärgert. Und für diesen Preis komme die Enkelin nicht mal zeitig genug zum Bahnhof, weil in Senftenberg vor 6.20 Uhr die Stadtlinie gar nicht fährt. „Wenn man die jungen Leute in der Region halten und zu dringend benötigten Fachkräften ausbilden will, müssen auch die Bedingungen für den Personennahverkehr stimmen“, sagt Marlies Kaden.

In Sachsen soll das Junge-Leute-Ticket nun ab August Jugendliche und junge Erwachsene zum Fahren mit Bus und Bahn anhalten. Für 48 Euro pro Monat sollen alle 14- bis 25-Jährigen im ganzen Verkehrsverbund Bahn, Bus und Straßenbahnen nutzen können – unabhängig davon, ob sie eine Schule, eine Ausbildung absolvieren oder schon im Beruf sind.

Auch in Brandenburg tue sich zu dem Thema gerade etwas, bestätigt indes Elke Krokowski, Sprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). „Wir bereiten derzeit ein neues Azubi-Ticket vor, das im gesamten VBB-Land gelten wird – sowohl in Berlin als auch in Brandenburg. Dieses wird im Vergleich zum heutigen Azubi-Ticket einen deutlich größeren Radius bieten“, teilt sie mit. Zurzeit laufen noch die Abstimmungen zum neuen Angebot mit allen Partnern, den Ländern Berlin und Brandenburg und den Verkehrsunternehmen. Preis und Einführungstermin stehen deshalb noch nicht fest. „Angestrebt ist eine Umsetzung noch in diesem Jahr“, so Krokowski.

Damit wird offenbar eine im Brandenburger Landtag schon länger diskutierte Forderung umgesetzt. 2017 hatten die Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen ein 365-Euro-Jahresticket für Schüler, Auszubildende und Freiwilligendienstleistende gefordert. „Damit könnten junge Leute für einen Euro am Tag in ganz Brandenburg und Berlin von A nach B kommen. Wir haben uns da an einem Beispiel aus Hessen orientiert, wo es dieses Ticket gibt“, erklärt der CDU-Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben. Er hält es gerade in einem Flächenland wie Brandenburg für wichtig, „dass junge Menschen beweglich sind. Dafür brauchen wir einen guten Nahverkehr zu einem vertretbaren Preis“.

Monatelang hatte es nach dem Antrag von CDU und Grünen im Landtag eine langwierige Debatte über diese Pläne und die Kosten dafür gegeben. Im November 2018 hat die rot-rote Koalition dann die Einführung eines 365-Euro-Tickets zumindest für Auszubildende beschlossen.

Die Schwarzbacher SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Theiss informiert, dass das neue Azubi-Ticket bis zum Sommer 2019, also zum nächsten Ausbildungsjahr, realisiert werden soll. „Auf zwölf Monate gerechnet, wären das zirka 30 Euro im Monat, was deutlich unter den 48 Euro wie in Sachsen liegt“, erklärt sie.

Der Landes-CDU geht diese Regelung dennoch nicht weit genug. Parteichef Ingo Senftleben: „Damit sind wir nicht zufrieden und setzen uns weiter auch für die Schüler ein.“

Marlies Kaden aus Senftenberg sieht nun zumindest einen Hoffnungsstreifen am Horizont, dass sich die Situation ihrer Enkeltochter verbessern kann. „Eine gute Nachricht. Aber die Schüler sollten nicht außen vor bleiben, denn sie sind die künftigen Azubis und Fachkräfte von morgen, die für den Strukturwandel hier dringend nötig sind.“