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| 16:51 Uhr

Tagesmütter fühlen sich und ihre Arbeit nicht wertgeschätzt
Immer weniger Tagesmütter in OSL

Wenige Kinder und ein familiäres Umfeld- das sind die Vorteile , die bei Tagesmüttern betreute Kinder haben. Die beiden Tagesmütter Heike Langer und Katrin Watzig aus Kroppen halten seit 15 Jahren zur Stange. Sie machen mit beim Präventionsprogramm „Kindertagespflege mit Biss“.
Wenige Kinder und ein familiäres Umfeld- das sind die Vorteile , die bei Tagesmüttern betreute Kinder haben. Die beiden Tagesmütter Heike Langer und Katrin Watzig aus Kroppen halten seit 15 Jahren zur Stange. Sie machen mit beim Präventionsprogramm „Kindertagespflege mit Biss“. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg/Kroppen. Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Landkreis beinahe halbiert. Schlechte Bezahlung im Landesvergleich und fehlende soziale Absicherung sind die Haupt-Kritikpunkte. Von Andrea Budich

„Wir werden immer weniger“, stellt Heike Langer aus Kroppen mit Blick auf die Tagesmütter in den Nachbarorten fest. Eine nach der anderen wirft das Handtuch. In Ortrand, Kroppen und Frauendorf. Einige gehen in den Ruhestand, die meisten aber entscheiden sich für eine Festanstellung in einer Kita, um nach jahrelanger Selbstständigkeit das eigene Rentenkonto wenigstens noch ein klein wenig aufzufüllen.

In der Tat gibt es von ehemals 82 Tagesmüttern (2007) kreisweit jetzt nur noch 43. Wurden vor zehn Jahren noch insgesamt 229 Kinder betreut, sind heute nur noch 151 Kinder in der Obhut von Tagesmüttern.

Den Rückgang von Tagesmüttern zwischen Ortrand und Lübbenau bestätigt auch der Landkreis Oberspreewald-Lausitz. „Die Zahl der Tagesmütter nimmt ab“, erklärt Pressesprecherin Marlen Weser. Im Amt Ruhland und in Schwarzheide wird die Kindertagespflege als gleichrangiges Betreuungsangebot den Eltern überhaupt nicht angeboten. Marlen Weser benennt zwei Gründe für die Rückläufigkeit im Kreis. Zum einen sei dies damit zu erklären, dass viele Tagesmütter in ihren alten Beruf als Erzieherin in eine Kita zurückkehren. Zum anderen sind in den vergangenen zehn Jahren viele Tagesmütter in den Ruhestand eingetreten.

Auch wenn diese Aspekte nicht von der Hand zu weisen sind, führt die Leiterin der Netzwerkgruppe der Tagesmütter aus dem Süden des Landkreises, Simone Uhr, auch andere schwerwiegende Argumente ins Feld. „Unser Job wird schlicht und ergreifend unterbewertet und ungenügend wertgeschätzt. Die Bezahlung ist schlecht und die soziale Absicherung besonders bei Krankheit fehlt“, erklärt die Tagesmutter, die seit zwölf Jahren in Schipkau arbeitet. Sie räumt ein, dass die Tagesmütter in OSL mit der derzeit gültigen Richtlinie zur Förderung der Kindertagespflege zwar durchaus ein paar Euro mehr im Portemonnaie haben. Unverändert sei aber in OSL die pauschalisierte Vergütung, die nicht wie gesetzlich vorgeschrieben nach Sachkosten und Förderleistung differenziert ausgewiesen ist.

Dass der Süden Brandenburgs bei der Bezahlung der Tagesmütter mächtig hinterher hinkt, bestätigt auch  Ingrid Pliske-Winter als Leiterin des Brandenburger Kindertagespflege-Büros in Müncheberg. In Potsdam, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Märkisch-Oderland bekommen die Tagesmütter mehr Geld. Angesichts der schlechten Bezahlung im Süden Brandenburgs sei es den Tagesmüttern nicht möglich, für Krankheitszeiten Vorsorge zu treffen. „Sie können nichts auf die hohe Kante legen, weil der Kreis so schlecht zahlt“, bestätigt sie. Den Rückgang bei den Tagesmüttern beobachtet die Vorsitzende des Landesverbandes für Kindertagespflege mit Sorge. „Es ist traurig, wenn Eltern immer mehr die Wahlmöglichkeit verloren geht, ihren Nachwuchs ganz individuell und familiär betreuen zu lassen“, kommentiert sie.

In Kroppen indes ist die Tagesmütter-Welt noch in Ordnung. Heike Langer und Katrin Watzig betreuen unter einem Dach in zwei Gruppenräumen je fünf Kinder. „Es wäre schön, wenn wir uns vertreten könnten“, sagen sie. Weil es im Krankheitsfall weder eine Vertretung noch eine finanzielle Absicherung gibt. Im nächsten Jahr wechseln ihre  zehn Kinder komplett in den Kindergarten. „Das macht uns schon etwas Angst“, gibt Heike Langer zu. Denn rechnen tut sich ihr Einsatz nur, wenn sie es schaffen, die zwei Gruppen wieder voll zu bekommen.