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Reaktionen in Oberspreewald-Lausitz
Imagefilm fällt in der Kreismitte durch

Senftenberg/Calau. Die Kritik: Der Blick auf Oberspreewald-Lausitz ist ohne die Menschen im Raum Calau gemacht. Von Uwe Hegewald

„OSL – Offen, Stark, Lebendig“, lautet der Arbeitstitel eines Imagefilmes für den Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Bei den Bürgern aus der Mitte des Landkreises fällt er glatt durch.

Angepriesen als der 13-minütige Streifen mit „ausdrucksstarken und dynamischen Bildern“,  der „eine Fülle von Themen vermittelt und einen attraktiven Einblick in das Leben in der Region mit unterschiedlichen Facetten und Gesichtern zeigt“, enttäuscht der Film.

Uwe Lehmann  aus Altdöbern bedauert eine „inhaltliche Schieflage“. „Er ist es schon sehr nord- und erst recht südlastig, mittendrin ein weißer Fleck. Die Liste von Sehenswürdigkeiten, die der DJ, Nachhilfelehrer und Gästeführer vermisst, ist lang: Calau, die Stadt der Kalauer mit der Mobilen Welt des Ostens, dem Witzerundweg und der Calauer Schweiz zählt er auf, die Landwirtschaft mit Gurkenfeldern, Spargel, Buchweizen und generell zu wenig dörfliches Leben. „Mir fehlen Sequenzen wie Kahnkorso, Rudelübergabe, Spreewaldweihnacht, Trachtenumzüge, Zampern, Spreewaldwiese mit Störchen und Pferdesport, die leider nur als Sekundenspots zu sehen sind“, so Lehmann.

Dass auch die Gartenstadt Marga, das Schloss Großkmehlen, ausgedehnte Waldflächen, Naturschutzgebiete keine Berücksichtigung gefunden haben, macht er auch am entfernten Wohnort des Filmer-Paares Anja Freyhoff und Thomas Uhlmann aus Angermünde (Uckermark) fest: „Eine Firma aus der Ferne schaut sicher anders auf die Region als Einheimische, was ein Vorteil sein kann. Aber dann sollten die Filmer auch öfter zu verschiedenen Zeiten im Jahr vor Ort sein, was sich vermutlich für Leute von weiter weg schwierig gestaltet“, resümiert er.

„Die gesamte Schiene Natur und Umwelt fehlt. Das Wort Biosphärenreservat ist nicht ein einziges Mal gefallen. Das finde ich schade, sind wir doch auch für unsere zahlreichen Naturschutzgebiete (26) bekannt und interessant“, betont Bernd Elsner. „Das sind Pfunde, mit denen versäumt wurde zu wuchern“, so der Geschäftsführer des Regionalverbandes Calau des Naturschutzbundes Deutschlands (Nabu). „Mir ist klar, dass nicht alles Sehenswertes in 13 Minuten unterzubringen ist“, räumt er ein, wobei der Kittlitzer zwei Dinge besonders vermisst: „Unsere Störche als Charaktertiere der Lausitz, wo wir die höchste Konzentration aufweisen, sowie das Erwähnen von fußläufigen Wanderwegen, wie etwa durch die Calauer Schweiz mit angrenzenden Bahnhaltestellen in Calau, Luckaitztal und Altdöbern.“

Damit trifft er den Nerv von Werner Suchner, Bürgermeister der Stadt Calau. „Wir haben überhaupt keine Berücksichtigung gefunden. Insbesondere die Calauer Schweiz als Zentrum des Naturparks Niederlausitzer Landrückens sowie die Stadt des Kalauers mit ihrem Alleinstellungsmerkmal hätten eine Erwähnung verdient“, sagt er.

Touristiker Eckhard Hoika indes kann dem Streifen sehr viel Positives abgewinnen. „Der Film macht Appetit, unserem Landkreis einen Besuch abzustatten.  Insbesondere die Darstellung von Freizeitaktivitäten im Lausitzer Seenland ist sehr gut gelungen“, so der Chef von Aktivtours im Lausitzer Seenland. Gefehlt habe ihm ein Kameraschwenk in Dörfer mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Damit zeigt er Verständnis für die Aussage von Uwe Lehmann, der auf „beeindruckende, historische Höfe mit den riesigen Toren, wie in Großräschen und seinen Ortsteilen“ hinweist, aber auch auf „Kirchen oder sakrale Bauten wie die Gutskapelle in Reuden“.

Dass der Film Zuschauer auf eine spannende Reise, teils bis in luftige Höhen mitnimmt, wollen Mitglieder des Fliegerclubs Bronkow nicht abstreiten. Sie hätten sich über einen Querverweis zum Segelflugplatz gefreut, der längst nationale und internationale Beachtung finde. „Tja, das Segelfliegen gehört offensichtlich nicht zu den Freizeitschwerpunkten“, hält der Vereinsvorsitzende, Prof. Peter Biegel aus  Senftenberg, fest. Er ist selbst in der Kommunalpolitik aktiv.

Marion Goyn, Geschäftsführerin der Wohn- und Baugesellschaft Calau, sagt: „Marketing für unser Region ist wichtig und entscheidend. Der Imagefilm präsentiert umfangreich die Stadt Senftenberg und das Seenland teilweise mit gleichen wiederkehrenden Bildern. Es ist bedauerlich, dass die Einzigartigkeiten der Region um Calau dabei keine Beachtung finden.“

In den sozialen Netzwerken wird ebenfalls diskutiert: Roland Prauser erklärt auf Facebook: „Ich glaube gute Gemeinden und Städte mit Arbeitsplätzen und guter Infrastruktur brauchen gar keine Imagefilme, um Investoren zu überzeugen. In unserer Nachbarschaft auf der polnischen Seite in Gubin gibt es eine Sonderwirtschaftszone mit 75 Prozent Steuernachlass für Investoren. Da braucht es keine Filmchen, die eh keinen überzeugen, vielmehr etwas für die Seele Einzelner sind. Fakten für Arbeit statt Filme ist meine Meinung.“

Sternchen Osl sieht den Stern des Landkreises sinken: Laaaaaangweilig. Warum keine Märkte mit Menschen oder ein Hafenfest?