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Im Vollrausch durchs Pegasus

Andreas Schubert erklärt an der Trinkbar den Alkoholgehalt von Getränken.
Andreas Schubert erklärt an der Trinkbar den Alkoholgehalt von Getränken. FOTO: Brautschek
Senftenberg. Vorsichtig setzen die Grundschüler einen Schritt vor den anderen. Dennoch torkeln sie übers Parkett. Anja Brautschek

Der Blick ist konzentriert nach unten gerichtet. Auf ihrer Nase haben sie eine Art Skibrille auf. "Das ist die Rauschbrille", erklärt Andreas Schubert, Mitarbeiter der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie simuliert einen Alkoholzustand von etwa 1,3 Promille. Die Schüler sollen damit interaktiv und realitätsnah erfahren, welche Folgen der Alkoholkonsum hat. "Die Jugendlichen stellen damit fest, wie ekelhaft so ein Zustand eigentlich ist", erklärt er weiter.

Die Rauschbrille ist eine Station, die im Rahmen des Mitmach-Parcours "Klarsicht" im Kultur- und Freizeitzentrum Pegasus in Senftenberg aufgebaut ist. An insgesamt fünf Stationen setzen sich Kinder und Jugendliche mit den Themen Alkohol und Tabak auseinander. Etwa 180 Senftenberger Schüler der Klassenstufen sechs bis zehn haben an zwei Tagen diesen Parcours durchlaufen. An ihrer Seite stehen ausgebildete Suchpräventionsfachkräfte, die Jugendliche über Gefahren beim Konsum informieren. Besonders gefragt ist auch die Station "Images". Der Fokus liegt dabei auf den Werbeversprechen der Alkohol- und Tabakindustrie. Durch die Erstellung eines eigenen Werbeplakates lernen die Schüler, die Versprechen zu durchschauen. Ziel dieses Parcours ist es, ein Umdenken der Kinder und Jugendlichen anzuregen.

"Wir wollen das Gesundheitsbewusstsein der Jugendlichen fördern. Uns ist es außerdem wichtig, sie zu stärken, damit sie lernen, Nein zu sagen", erklärt Maik Conrad vom Kultur- und Freizeitzentrum. Aus diesem Grund wurden in der Stadt Präventionsangebote für alle Altersgruppen etabliert. Einige Präventionsprojekte setzen schon in der Kita an, damit die Kinder so früh wie möglich dafür sensibilisiert werden.

Seit 2012 wird der Bereich intensiv ausgebaut. "Wie haben gemerkt, dass wir uns diesen Themen verstärkt widmen müssen", sagt Ordnungsamtsleiter André Nickel. Dabei wird insbesondere auf die Netzwerkarbeit gesetzt. Schulen, die Stadtverwaltung, Polizei, Klinikum oder die Suchtpräventionsstelle Brandenburg arbeiten eng zusammen, um zielgerichtete Aktionen entwickeln zu können. So entstand auch der Wettbewerb "Ein Plakatives Nein". Schüler und Jugendliche haben dabei Plakate zum Thema Sucht und deren Auswirkungen erstellt. Auch an deutschlandweiten Kampagnen wie Klasse2000 oder dem Anti-Rauchprogramm "Be smart, don't start" nehmen die jungen Senftenberger seit einigen Jahren regelmäßig teil.

Künftig soll auch eine Art Suchtpräventionsfachtag etabliert werden. Mittels Workshops können sich Kinder und Jugendliche dabei ähnlich des Klarsicht-Parcours der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung interaktiv einer bestimmten Problematik nähern. Ziel ist es, diese Veranstaltung jährlich durchzuführen. "Wir müssen aktuell bleiben und das Thema nachhaltig angehen" sagt André Nickel.