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Im Rausch und neben der Spur

Der "Promille-Run" ist eine echte Herausforderung – ein gerader Gang unmöglich. Die Rauschbrille simuliert Alkoholkonsum.
Der "Promille-Run" ist eine echte Herausforderung – ein gerader Gang unmöglich. Die Rauschbrille simuliert Alkoholkonsum. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. In Senftenberg finden die Jugendfilmtage zur Nikotin- und Alkoholkonsumprävention statt. Fast 700 Kinder machen mit. Der Bedarf ist groß: Denn die Lausitz bleibt eine Drogenhochburg. Jan Augustin

Zwei Meter geradeaus laufen und dann ein Fahrradschloss öffnen, kann doch nicht so schwer sein. Mit der fiesen Promille-Brille wird dieser Test aber zu einer echten Herausforderung. Der Gang: schwankend, verschwommen und neben der Spur. Nur nach mehreren Versuchen und fast blind findet der Schlüssel schließlich ins Schloss. Geschafft! 0,8 Promille Alkohol hat der Tester im Blut - aufgrund der Behinderung durch die Test-Brille.

Auch Luka Mende von der Briesker Grundschule probiert sich am "Promille-Run". "Ich habe alles doppelt gesehen", sagt der Elfjährige nach dem Experiment. Es habe zwar Spaß gemacht, aber geleichzeitig auch vor den Folgen von Alkohol gewarnt. "Ich würde mich nicht betrinken", sagt der Schüler.

Der kleine Parcours ist am Donnerstag und heute im Konrad-Zuse-Medienzentrum der BTU in Senftenberg aufgebaut. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) führt dort die Jugendfilmtage zur Nikotin- und Alkoholprävention durch. Themenbezogene Spielfilme für junge Leute und etliche Mitmach-Aktionen sollen die Kinder vor dem Trinken und Rauchen warnen. Der Trunkenheit-Simulator der Polizei ist eine der beliebtesten Stationen. "Er zeigt, dass bereits relativ geringe Mengen sehr gravierende Auswirkungen haben", erläutert der Senftenberger Hauptkommissar Jens Nobis.

"Kontinuierliche Präventionsarbeit ist von Erfolg getragen", sagt Bettina Brünner von der BZgA. Aktuelle Studien würden das belegen. Mit einer Raucherquote von 7,8 Prozent bei den Zwölf- bis 17-Jährigen im Jahr 2015 habe der Anteil der rauchenden Jugendlichen einen historischen Tiefstand. Sorge bereite allerdings das weiter zunehmende Ausprobieren von E-Shishas (Wasserpfeifen) und E-Zigaretten. "Dieser Konsum birgt die Gefahr, darüber den Einstieg in das Rauchen von Tabak zu finden", betont BZgA-Leiterin Heidrun Theiss.

Der regelmäßige Alkoholkonsum mindestens einmal pro Woche nimmt der Studie zufolge zwar ab. Dennoch trinken zehn Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen regelmäßig Alkohol. 70 Prozent der Jugendlichen haben Alkohol schon einmal ausprobiert. Genaue und aktuelle Zahlen für die Lausitz gibt es derzeit zwar nicht. Die überregionale Suchtpräventionsfachstelle des Vereins Tannenhof Berlin-Brandenburg wertet aber gerade eine an Schulen durchgeführte Umfrage aus. Ergebnisse erwartet Leiterin Ellen Martin im Mai. Südbrandenburg, das bestätigt sie aber, sei nach wie vor eine Drogen-Hochburg. "Die Zahlen sind stabil geblieben", sagt sie. Sie gehe jedoch davon aus, dass die Spitze - gerade was die Crystal-Meth-Thematik betrifft - überwunden worden ist.

Die Stadt Senftenberg lobt sie für ihre Präventions- und Netzwerkarbeit. Das sei ein enormer Kraftaufwand, betont Ellen Martin. Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) bestätigt, dass die Stadt seit Jahren mit Schulen und Kindereinrichtungen am Thema dran ist. Die Jugendfilmtage seien ein Mosaikstein. "Nur Filme anschauen reicht nicht", sagt auch Ellen Martin. Prävention, und das sei nicht nur eine Floskel, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Zum Thema:
Das Rauschtrinken, also der Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Gelegenheit, hat zwar deutlich abgenommen, bleibt aber auf hohem Niveau. Laut BZgA haben bei der aktuellen Umfrage 35 Prozent der 18- bis 25-Jährigen angegeben, in den letzten 30 Tagen Rauschtrinken praktiziert zu haben. Bei den 12- bis 17-Jährigen liegt der Anteil bei 12,5 Prozent. Die Studie zeigt auch, dass regelmäßiger Alkoholkonsum bei männlichen Jugendlichen etwa doppelt so oft verbreitet ist wie bei weiblichen.