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Im Nebel an Katastrophe erinnert

Stephan Dubrau (l.) und Erik Zimmermann (r.) kämpfen sich zum virtuellen Brandherd vor. Der Umgang mit Atemschutzgeräten bei einem Brandeinsatz war eine von vier Stationen der Ganztagsübung der Freiwilligen Feuerwehren Hosena und Peickwitz.
Stephan Dubrau (l.) und Erik Zimmermann (r.) kämpfen sich zum virtuellen Brandherd vor. Der Umgang mit Atemschutzgeräten bei einem Brandeinsatz war eine von vier Stationen der Ganztagsübung der Freiwilligen Feuerwehren Hosena und Peickwitz. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Hosena/Hohenbocka. Besonnen, aber dennoch entschlossen kämpfen sich Stephan Dubrau (27) und Erik Zimmermann (17) zum Brandherd vor. Dicker Qualm erschwert die Sicht, hindert den Angriffstrupp aber nicht daran, das virtuelle Feuer zu löschen. Uwe Hegewald / uhd1

Virtuell? Die Aktion der Kameraden Dubrau und Zimmermann ist Bestandteil der Ganztagsübung für 25 Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren Hosena und Peickwitz. "Insgesamt sind es vier Stationen, an denen heute auf Grundlage der Feuerwehrdienstvorschrift trainiert wird", informiert Ortswehrführer Sebastian Krahl. Neben den Stationen "Tragbare Leitern", "Teleskopmast/Hubretter", der "Wasserentnahme - offenes Gewässer/Wasserfortleitung" steht auch ein Löscheinsatz für Atemschutzgeräteträger auf dem Programm. "Im Kern geht es darum, vorhandenes Wissen zu festigen, Abläufe einzustudieren und es geht um das Pflegen von Kameradschaft. Im Ernstfall muss man sich auf seinen Nebenmann verlassen können", erklärt Sebastian Krahl die Philosophie, die hinter den jährlichen Ganztagsschulungen steckt.

Als Stephan Dubrau und Erik Zimmermann einen Löschangriff trainieren, erhöht der Ortswehrführer den Schwierigkeitsgrad mittels Nebelmaschine. "Vor dem bisschen Qualm werden die beiden Kameraden nicht zurückschrecken. Beide sind ausgebildete Atemschutzgeräteträger mit Einsatzerfahrungen", so der Oberlöschmeister. Für Stephan Dubrau ist es sogar eine Rückkehr an einen Ort, den er mit schlimmen Erinnerungen in Verbindung bringt. "2006 war ich als 16-Jähriger Augenzeuge, als das Werk lichterloh brannte. Für eine direkte Brandbekämpfung war ich noch zu jung, konnte mich aber an anderer Stelle nützlich machen", berichtet der Löschmeister. In der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 2006 brannte die Industrieanlage völlig aus. Die damals über 80 hinzugeeilten Feuerwehrleute konnten nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Für rund 23 Millionen Euro ist die Anlage schließlich komplett neu aufgebaut worden. Ortswehrführer Sebastian Krahl empfindet es als "große Geste der Werksleitung" auf dem Betriebsgelände trainieren zu dürfen: "Das Objekt bietet sich nahezu für Ganztagsschulungen an."

Externe Unterstützung erhalten die Hosenaer durch Mario Skupin, der mit dem Hubretter der Senftenberger Feuerwehr anreist. "Besser bei Übungen herausfinden, ob einem die Fahrt in luftige Höhe liegt, als bei einem Einsatzfall", so der 32-jährige Hauptamtliche der Freiwilligen Feuerwehr Senftenberg. Technische Feinheiten zum Einsatz von tragbaren Leitern bekommen die (Ganztags-)Auszubildenden vom stellvertretenden Ortswehrführer (OWF) Jan Wenk vermittelt.

Mit Andre Zimmermann ist ein zweiter OWF an der offenen Wasserstelle als Ausbilder aktiv. Er ist der Vater von Erik Zimmermann, der das gesellschaftliche Engagement der Familie in den Reihen der Feuerwehr fortsetzt. Seinen Löschangriff mit Partner Stephan Dubrau schließt er souverän ab. Rinnender Schweiß verrät jedoch, dass der Aufstieg über die Lichtgitterrosttreppe in voller Montur und mit der entsprechenden Ausrüstung so manche Kraftanstrengung kostete. Ortswehrführer Sebastian Krahl konstatiert: "Gut zu wissen, dass junge Leute nachrücken. In Feuerwehrfamilien klappt das reibungslos. Schön wäre es, wenn auch Familien ohne Feuerwehrmann oder -frau ihre Sprösslinge begeistern könnten. Die Türen zu unserer Nachwuchs-Feuerwehr steht für alle offen", appelliert er. Freitagnachmittag sei fast immer einer im Depot anzutreffen. Bis 18 Uhr treffen sich die kleinen und ab 18 Uhr die großen Einsatzkräfte.