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| 16:13 Uhr

Extreme Trockenheit macht Vegetation zu schaffen
Im Lausitzer Wald ist schon Herbst

Es ist Juli, doch im Wald sieht es aus wie Mitte Oktober. Die Bäume sind verfärbt und werfen ihr Laub ab. Grund ist extreme Trockenheit. Von Torsten Richter-Zippack

Mitten im Hochsommer präsentieren sich viele Waldbäume schon wie im Herbst. Insbesondere bei Birken und Robinien sind die Blätter komplett gelb bis braun. Manche Gehölze tragen nur noch wenig Laub. Noch dramatischer zeigt sich die Lage auf den Aufforstungsflächen. Manche der nur ein paar Zentimeter hohen Bäume haben es nicht geschafft. Sie sind vertrocknet. Seit Anfang April hat es in der Lausitz kaum geregnet. Mit Ausnahme einiger weniger Gewitterschauer, die längst nicht überall getroffen haben, und etwas Nieselregen Ende April und Ende Juni, öffnete der Himmel seine Schleusen bis Dienstag nicht. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes befinden sich Teile Deutschlands, insbesondere im Osten, seit Anfang Mai im Trockenstress.

Kein Wunder also, dass auch die Bäume um ihr Überleben kämpfen. „Je jünger ein Bestand ist, desto größer die Gefahr, dass er abstirbt“, erklärt Lutz Schaffrath, Funktionsförster in der Oberförsterei Senftenberg. Am gefährdetsten seien neu gepflanzte Kulturen. Aber: „Bis Ende Juni wurden durch die Revierförster noch keine Dürreschäden gemeldet. Allerdings sind bei weiter anhaltender Trockenheit Probleme zu erwarten“, sagt Schaffrath.

Besonders stark unter der Trockenheit leiden die Wälder auf den Kippen. Dort ist der Grundwasserstand extrem niedrig. Günstiger sieht es hingegen bei Beständen in Gewässernähe beziehungsweise bei hohem Grundwasserstand aus. Als Beispiel verweist Lutz Schaffrath auf den Lug bei Saalhausen und Wormlage.

„Bäume unter Trockenstress schließen ihre Spaltöffnungen an Blättern und Nadeln“, erklärt Dr. Jan Engel vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (LFE). Dadurch sinke die Verdunstung. Bei manchen Baumarten, etwa Birke und Robinie, gehe dieser Prozess relativ schnell, bei anderen, beispielsweise der Eiche, dauere es wesentlich länger. Hinzu gesellt sich die ständige hohe Lichteinstrahlung. „Dadurch verfärbt sich das Laub“, sagt Engel. Ältere Exemplare würden sicherlich nicht vertrocknen, aber sie hätten ihren Rhythmus schon jetzt auf Herbst umgestellt. Statt Holzzuwachs gehe es nur noch um das Überleben. „Die Gehölze konzentrieren ihre verbliebenen Kräfte auf das kommende Jahr, sprich in die Ausbildung der Knospen“, sagt Jan Engel.

Die jungen Forstkulturen sind indes stark gefährdet. „Ihre Wurzeln sind noch nicht so ausgeprägt. Sie können keine tieferen Wasserschichten erreichen“, erklärt Engel. Daher rechne das LFE mit einem Absterben in Größenordnungen. Immerhin gibt es ein Trostpflaster für private Waldbesitzer: „Wenn es sich um geförderte Flächen handelt, können die Eigentümer Nachschläge beantragen“, so Engel. In den vergangenen Jahren hätten viele Private Neuaufforstungen mittels Fördermitteln finanziert.

Aufgrund der Dürre und der damit verbundenen hohen Temperaturen haben Schadinsekten ein leichtes Spiel. Gerade die gefährlichsten Arten wie Nonne, Kiefernspinner und Forleule profitieren vom derzeitigen Wetter. „Wenn die Bäume leiden, sind sie nicht mehr so abwehrbereit“, sagt Forstschutz-Spezialistin Dr. Katrin Möller vom LFE. Normalerweise würden die Gehölze Substanzen bilden, die auf Insekten eher abschreckend wirken. Dazu seien viele Bäume kaum mehr in der Lage. Zudem verkürzen sich die Gradationszeiten der Schädlinge. Musste früher nur alle zehn Jahre mit einem Massenbefall von Nonne und Kiefernspinner gerechnet werden, sind es laut Möller aktuell nur noch drei, vier Jahre. „So schlägt der Klimawandel auf den Brandenburger Wald durch“, resümiert die Wissenschaftlerin.

Für das kommende Jahr sei auch mit weiteren problematischen Insekten zu rechnen. Borken- und Prachtkäfer sowie diverse Pilzarten könnten den Bäumen weiter zusetzen. „Wenn nur noch zehn bis 20 Prozent der Nadel- beziehungsweise Blattmasse vorhanden sind, wird es richtig gefährlich“, sagt Katrin Möller. Die heimischen Waldbäume, so ihre Schätzung, bräuchten mindestens ein bis zwei Jahre, um sich vom Dürrejahr 2018 zu erholen. „Dabei weiß niemand, wie sich das Wetter 2019 präsentieren wird“, sagt Möller.

Ein weiterer Feind der Wälder sind die Waldbrände. In der Oberförsterei Senftenberg gab es dieses Jahr bereits acht Feuer auf einer einer Gesamtfläche von 2,67 Hektar. Im vorigen Jahr waren es laut Lutz Schaffrath zwölf Brände auf 3,08 Hektar. Übrigens: Der letzte Waldbrand 2017 fand bereits am 27. Juni statt. Brandenburgweit loderten in diesem Jahr LFE-Angaben zufolge rund 240 Mal Flammen in den Wäldern. Im gesamten Jahr 2017 gab es lediglich 138 Feuer. „Das Ende der Fahnenstange haben wir noch nicht erreicht“, schätzt Lutz Schaffrath ein.