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| 01:04 Uhr

Im Kuhstall geht’s rund

Barzig.. Das Dorf liegt einsam und still in der Landschaft. Der Besucher käme wohl kaum darauf, dass sich hier im Verborgenen eine Laientanzgruppe zusammengefunden hat, die mit ihren Darbietungen so manches Publikum zum Toben bringt. Von Jana Wieduwilt

Regelmäßig trainieren die Damen im Alter von 15 bis 50 Jahren im Gasthof mit dem schönen Namen „Kuhstall“ Tänze vom spanischen Flamenco über griechischen Sirtaki bis hin zum Cha-Cha-Cha.
„Brustbein heben, die Arme laaang und langsam führen“ , weist Tanzausbilderin Karin Natusch an. Gehorsam und mit einem Lächeln folgen die 15 Damen den Anweisungen. Tatsächlich sprüht spanische Leidenschaft bei der Flamenco-Darbietung ins brandenburgische Dorf. Die Absätze knallen rhythmisch aufs Parkett. Mit Kastagnetten - zwei miteinander verbundene Holzschalen, die aneinander geschlagen werden - klappern die Tänzerinnen den Takt. Neben dem spanischen Tanz stehen Cha-Cha-Cha, Polka, Charleston und der Gassentanz auf dem Programm. Beim Training möchte Perfektionistin Karin Natusch unbedingt auch anspruchsvolle Choreographien umsetzen, obwohl der Spaß und die Freude an der Bewegung im Vordergrund stehen.
Tanzen ist den Frauen wichtig, aber nicht alles. Fast jede hat Arbeit, Familie und weitere Hobbys. Doch die wöchentliche Probe entführt das Ensemble ein wenig aus dem zuweilen tristen Alltag. Die Tanz-Passion, das ist unstrittig, wenn man die Damen sieht, trägt zu einem höheren Selbstbewusstsein bei. Die Powerfrauen heben das kulturelle Angebot in der winzigen Gemeinde beträchtlich, die Verbundenheit untereinander ist seit der Bildung der Gruppe 2002 erheblich gewachsen.
Besonders begeistert sind alle von einem Auftritt im Großräschener Kurmärker. „Das war eine großartige Bühne, und auch die Räume hinter der Bühne waren wie in einem richtigen Theater“ , schwärmt Karin Natusch. Sogar mehrere Zugaben hätten sie geben müssen, berichten die „Powerfrauen aus Barzig“ . So lautet auch der offizielle Name der Laientanzgruppe.
Chefin Karin Natusch ist seit ihrer Kindheit von der Leidenschaft an der rhythmischen Bewegung zur Musik gepackt. Die 38-jährige kann auf reichlich Bühnenerfahrung verweisen: zuerst in der Kindergruppe des Senftenberger Theaters und nicht zuletzt während einer zweijährigen Ausbildung zur Tanzlehrerin. Ihr Brötchen verdient die jugendlich wirkende Frau allerdings als Erzieherin. „Ganz wichtig ist die Freude am Tanz, aber auch das Training der Körperwahrnehmung und vor allem der aufrechten Haltung“ , gibt sie ihren Schützlingen stets mit auf den Weg. Dass sie für den Tanz mit Leidenschaft brennt, ist ihr anzumerken. Sie hat nicht nur die Tänze, die notwendigen Kostüme und die Choreographie im Gedächtnis, sondern weiß auch gleich zu jedem Tanz eine Geschichte und dessen Herkunft zu berichten.
Da ist es kein Wunder, wenn sie die Hobby-Tänzerinnen für die schönen Künste begeistern kann. Und Begeisterung ist wahrlich erforderlich. Denn allein für den Flamenco haben die Powerfrauen fast neun Monate geprobt.
Es wird aber nicht nur knochenhartes Training abverlangt. Gelegentlich gönnen sich die tanzenden Barzigerinnen auch mal eine professionelle „Carmen“ in Dresden und natürlich das gemütliche Beisammensein im „Kuhstall“ . „Inzwischen sind wir zu einer verschworenen Gemeinschaft geworden“ , meint die Chefin der Damentruppe. Bleibt abzuwarten, womit die Powerfrauen aus dem kleinen Ort, der 2003 sein 600-jähriges Bestehen feierte, ihr Publikum demnächst überraschen werden.