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| 16:57 Uhr

Erzgebirgsgefühle in der Lausitz
Im Klöppeln einsame Spitze

Die Klöpplerinnen aus Klettwitz und Annahütte zeigen bei der Klöppel-Ausstellung am Wochenende  ihre kostbarsten Schätze. Zwei Jahre lang haben die Handwerks-Künstlerinnen ihre neue Schau vorbereitet. Christa Ziegner (2.v.r.), die vor  gut  drei Jahrzehnten aus dem Erzgebirge  in die Lausitz gekommen war, hat die Frauen mit dem Klöppel-Virus infiziert.
Die Klöpplerinnen aus Klettwitz und Annahütte zeigen bei der Klöppel-Ausstellung am Wochenende ihre kostbarsten Schätze. Zwei Jahre lang haben die Handwerks-Künstlerinnen ihre neue Schau vorbereitet. Christa Ziegner (2.v.r.), die vor gut drei Jahrzehnten aus dem Erzgebirge in die Lausitz gekommen war, hat die Frauen mit dem Klöppel-Virus infiziert. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Klettwitz. Das Erzgebirge fängt gleich hinter Klettwitz an. Die Klöpplerinnen aus der Großgemeinde sind wahre Handarbeitskünstlerinnen. 8. Klöppel-Ausstellung am Wochenende. Von Andrea Budich

Von Andrea Budich

Kreuzen, kreuzen, drehen, drehen, knüpfen, schlingen. Wer in die Welt der Spitze eintauchen will, muss weder nach Mailand oder Venedig noch ins Erzgebirge fahren. Mit Spitzen über Spitzen kennen sich auch die Klettwitzer und Annahütter Frauen bestens aus.

„Das sieht schwerer aus als es ist“, wiegelt Hannelore Kromer ab. Sie beherrscht das selten gewordene Handwerk seit über drei Jahrzehnten wie aus dem Effeff. „Es ist eigentlich ganz einfach: Kreuzen musst du und drehen, kreuzen und drehen. Mehr nicht.“, erklärt sie die Arbeitsschritte, die auf dem ersten Blick ziemlich verwirrend erscheinen.

In die Geheimnisse der feinen Spitzen eingedrungen ist Klöppelfrau Antje Sachs. Sie wohnt zwar in Brieske, bei ihr Zuhause sieht es aber schon fast so aus wie im Erzgebirge. Mit Lampe, Brille und fliegenden Fingern sitzt die 77-Jährige an ihrem Klöppelsack - bei sich zu Hause im Wohnzimmer oder aber beim Treff der Klöppelfrauen in Klettwitz.

Geschickt wirbelt sie die spindelförmigen Holzspulen - auch Klöppel genannt - hin und her, so dass man mit den Augen kaum hinterher kommt. Auf den Klöppeln sind die Leinenfäden gewickelt, die unter ihren flinken Händen zu Spitzen werden. Die Fäden sind auf dem Klöppelbrief, der auf den Klöppelsack gespannt ist, mit Dutzenden Nadeln festgesteckt.

Süchtig gemacht hat die Klettwitzer Mädels Christa Ziegner. Sie stammt aus dem Erzgebirge und ist vor mehr als drei Jahrzehnten in die Lausitz gekommen. Damals waren in der DDR auch die Klöppelsäcke Bückware. „Wir haben sie mit Sägespänen und Katzenstreu gestopft“, erinnert sich Christa Ziegner an ihren Anfang in Klettwitz. Die Chef-Klöpplerin gibt noch heute mit großer Leidenschaft die Handgriffe an begeisterte Neueinsteiger weiter.

Kati Hoika aus Klettwitz gehört dazu. Die 43-jährige Ergotherapeutin ist gerade dabei, sich am Klöppelsack einzufuchsen. Nach einem knappen Jahr gelingt ihr das schon erstaunlich gut.

Irgendwann beherrschen will auch Neueinsteigerin Damaris Furdui aus Klettwitz das außergewöhnliche Handwerk. Die Krankenschwester war schon immer vom Klöppeln fasziniert. „Das ist so richtig gut für die Nerven“, sagt sie und kämpft dabei am Klöppelsack verzweifelt mit den Ecken ihres Spitzentraums.

Auch wenn Christa Ziegner betont, dass Klöppeln im Grunde nicht kompliziert sei, eines wird aber für die feinsten Spitzen-Werke immer benötigt: eine ruhige Hand und Zeit. Viel Zeit. An einer Decke sitzt die passionierte Klöpplerin Antje Sachs aus Brieske ein halbes Jahr. Richtig stolz ist die Rentnerin auf zwei selbst geklöppelte Scheibengardinen. Ein Jahr hat sie dafür gebraucht. Ihr Hobby ist für sie die beste Medizin. „;Meine Finger und Hände bleiben so wunderbar beweglich“, schwärmt sie.

Das Klöppeln in der Gruppe, da sind sich die 15 Frauen des Klettwitzer Treffs einig, macht mehr Spaß als allein daheim. Warum? „Nun ja, wegen des Klapperns", erklärt Simone Krüger aus Annahütte. Sie ist seit 20 Jahren eine echte Klöppelfrau und findet das einfach spitze.