Ob es das Schicksal ist oder eine Fügung, können Martin und Thomas Höntsch nicht genau sagen: Jetzt arbeiten sie auch noch zusammen. Haben denselben Arbeitgeber - den Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Und ihre Büros befinden sich auf demselben Flur. Das eine auf der linken Seite ganz hinten, das andere auf der rechten Seite ganz hinten.

Links arbeitet seit Anfang des Jahres Martin Höntsch. Als Sachbearbeiter im neuen Asyl- und Ausländeramt reicht er zum Beispiel Krankenscheine und Bustickets aus oder er macht die Abrechnung für die Pauschal-Auszahlungen. "Es ist viel zu tun, langweilig wird es nie", sagt der 22-Jährige. Dass er nun in Senftenberg gemeinsam mit seinem Bruder arbeitet, hat dann aber doch eher praktische Gründe. Es ist vor allem die Fahrzeit, die sich seit seinem Wechsel von der Kreisverwaltung Elbe-Elster in Herzberg minimiert hat. Statt zwei Stunden sind es nur noch 40 Minuten täglich. "Ich kann anderthalb Stunden länger schlafen. Das ist schon Luxus", sagt er. Außerdem sei der OSL-Kreis einfach der schönere.

Woidke ehrt Zwillinge

Ausgeruht muss angesichts der vielfältigen Engagements aber nicht nur Martin Höntsch sein. Auch sein eineiiger Zwillingsbruder Thomas braucht diese Kraft. Wie Martin ist er Verwaltungsfachangestellter: Sachbearbeiter im Bafög- und Versicherungsamt.

Neben der bezahlten Arbeit sind beide in mehreren ehrenamtlichen Angelegenheiten unterwegs. Von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wurden sie kürzlich im Schlosshotel Lübbenau für ihren Einsatz bei der Ruhlander Feuerwehr und beim Katastrophenschutz des Landkreises geehrt. Beide haben sich in Ruhland zum Gruppenführer ausbilden lassen.

Viel Zeit nehmen sich die Zwillinge auch für einen politischen Auftrag. Seit Mai 2014 sitzen sie für die CDU im Ruhlander Stadtparlament. Bei der Wahl trennten beide nur etwa zehn Stimmen. "Wir übernehmen gern Verantwortung", sagen sie fast gleichlautend.

Aktiv sind die Höntsch-Brüder auch im Karnevalclub Ruhland. Bei den beliebten Frauentagsfeiern im März im Schützenhaus werden sie das Tanzprogramm mitgestalten. Auf der Bühne werden die Höntsch-Brüder mit ihren Cowboy-Kostümen kaum zu unterscheiden sein. Auch sonst fällt es enorm schwer, sie auseinanderzuhalten. Nur ein winziger Leberfleck auf der rechten Wange von Martin Höntsch verrät dessen Identität.

Dezente Unterschiede

Die Zeiten, in denen die Oma ihre Enkel in immer gleich aussehende Sachen gesteckt hat, sind aber vorbei. Dezent differieren heute die Farben ihrer karierten Hemden. Martin trägt Blau, Thomas Grün. Dass Thomas aber kürzere Haare an den Seiten haben soll als Martin - das wissen wohl nur die beiden und die Mutter, bei der sie noch in Ruhland in einem Einfamilienhaus wohnen (in getrennten Zimmern).

Die Verwechslungsgefahr machten sich Martin und Thomas Höntsch schon während der Schulzeit zunutze. Im Sportunterricht hätten sie schon mal die Rollen getauscht, ohne das dem Lehrer auf die Nase zu binden. "Einer war besser im Hochsprung, der andere im Weitsprung", erinnert sich Thomas Höntsch. Es habe aber nicht nur Vorteile gegeben. Wenn einer etwas angestellt hat, "waren es immer die Zwillinge".

Gemeinsamkeiten offenbaren sich während des Gespräches mit der RUNDSCHAU auch bei der Vorliebe fürs Essen. Als eine Kollegin ans Büro klopft und mit einem Telefon in der Hand fragt, was sie zum Mittag bestellen soll, sagen beide dasselbe: "gebratene Nudeln".