| 13:10 Uhr

RUNDSCHAU-Serie Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Im Angelparadies ist die Welt in Ordnung

Gedankenaustausch im „Paradies“: Die Anglerfreunde Ortrand und ihre neuen Nachbarn vom Erlebniscamping Lausitz pflegen gute nachbarschaftliche Beziehungen. Viele Aktivitäten am Parkteich werden gemeinsam gestaltet. Von links: Anglervereins-Vorsitzender Mario Terne, das Campingplatz-Betreiberpaar Karlheinz und Silke Philipp sowie Gewässerwart und OSL-Ehrenamtler Horst Hofmann.
Gedankenaustausch im „Paradies“: Die Anglerfreunde Ortrand und ihre neuen Nachbarn vom Erlebniscamping Lausitz pflegen gute nachbarschaftliche Beziehungen. Viele Aktivitäten am Parkteich werden gemeinsam gestaltet. Von links: Anglervereins-Vorsitzender Mario Terne, das Campingplatz-Betreiberpaar Karlheinz und Silke Philipp sowie Gewässerwart und OSL-Ehrenamtler Horst Hofmann. FOTO: Uwe Hegewald
Ortrand/Frauendorf. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt, wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Horst Hofmann (Frauendorf) Von Uwe Hegewald

Kurios: Am Ortsrand von Ortrand trägt das Paradies eine Ziffer: „Gew.-Nr.: C 11-117“ steht auf einem Holzbrett, das an einem Baum befestigt ist. Ein darüber angeordneter Schriftzug informiert, dass es sich um das Vereinsgewässer der Anglerfreunde Ortrand handelt. Sie waren es auch – sorry, lieber Schöpfer – die den rund 1,5 Hektar großen Parkteich zum Paradies gestalteten. Für Angler. „Vorausgegangen war der Kauf des Areals von der Stadt vor rund neun Jahren“, berichtet Horst Hofmann, Gewässerwart der Vereinsgewässer der Anglerfreunde Ortrand. Seit 1984 gehört er dem Verein an und füllt in diesem seit 15 Jahren die Rolle des Gewässerwartes aus. „Horste ist unser bester Mann“, stellt Mario Terne klar. „Das würden auch viele weitere Mitglieder unserer etwa 80-köpfigen Anglergemeinschaft unterzeichnen“, so der Vereinsvorsitzende. Für Horst Hofmann sprechen die generelle Zugänglichkeit, sein Engagement für die 15-köpfige Jugendgruppe, sein diplomatisches Geschick und die über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen.In Plessa geboren und aufgewachsen, trat der heute 68-Jährige schon Anfang der 1960er-Jahre dem dortigen Anglerverein bei. „Mit Jugendlichen zu arbeiten macht schon Spaß. Die sind noch schnell zu begeistern und stehen Neuem sehr aufgeschlossen gegenüber“, sagt er. Erst kürzlich wurden vom Anglernachwuchs Nistkästen an Uferbäumen angebracht. Selbst Sprachbarrieren werden überwunden, macht Horst Hofmann am Beispiel internationaler Gastangler fest, die regelmäßig zum Angeln vorbeischauen: Tschernobyl-Kinder, die in Frauendorf Ferien verbringen und das Angebot zum gemeinschaftlichen Angeln gern annehmen.

Für Vereins-Urgestein Horste, der seit 50 Jahren in Frauendorf lebt, ist es eine Selbstverständlichkeit, diesbezüglich die Kontakte zu knüpfen, um den geschwächten Kindern aus der verstrahlten Region ein paar unbeschwerte Stunden am Parkteich zu ermöglichen. Er weiß sein Rentnerdasein gekonnt auszurichten, was dem Ortrander Anglerverein zum Vorteil gereicht, adelt Mario Terne seinen Gewässerwart. „Horst Hofmann ist auch vormittags verfügbar, wenn etwa neuer Fischbesatz geliefert wird“, erklärt der Vereinschef.

Mit seiner ausgezeichneten Wasserqualität, die zu DDR-Zeiten sogar Forellenzucht erlaubte, seiner Nachbarschaft zum Campingplatz und der bevorstehendem Reanimierung des Freibades hat der Parkteich selbst in Potsdam für Reaktionen gesorgt. „Mit Hilfe finanzieller Zuwendungen aus dem Landesministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft konnten wir unser Vereinsgewässer vor zwei Jahren umfassend aufwerten und dabei die Teichfläche um rund ein Fünftel erweitern“, teilt Terne mit. Und auch darauf sind die Vereinsmitglieder stolz: Mit Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) und dem CDU-Landtagsfraktionsvorsitzenden Ingo Senftleben hätten sich zwei Politiker unterschiedlicher parteipolitischer Ausrichtungen für die Vorhaben am Ortsrand von Ortrand stark gemacht. „Mit sachlichen Gesprächen lässt sich viel erreichen“, so Horst Hoffmann. Er stuft die Bereitstellung der Mittel gleichermaßen als Anerkennung für bisher Geleistetes und Ansporn für künftige Aktivitäten ein. Einem Arbeitseinsatz am 21. April folgen das traditionelle Anangeln (28. April) und zwei Tage später das Maifeuer. Dass es mit den neuen Nachbarn so reibungslos klappt, freut die Anglergilde zusätzlich. „Silke und Karlheinz Philipp haben im vorigen Sommer den benachbarten Campingplatz erworben und das Erlebniscamping Lausitz geschaffen. Mit der nachbarschaftlichen Zusammenarbeit klappt es bisher ausgezeichnet“, sagt der Gewässerwart.

Also alles in Butter im Anglerparadies? „Fast“, sagt Mario Terne und mahnt zuständige Behörden an, doch endlich „Butter an die Fische zu machen“. Es geht um das Benennen von zwei Personen für eine lokale Fischereiaufsicht. „Wir hätten zwei Leute, die gelegentliche Kontrollen durchführen würden, um Verfehlungen von schwarzen Schafen unter Anglern entgegenzuwirken. Die müssten aber von entsprechender Stelle berufen werden. Bisher haben wir keine Handhabe“, sagt Terne. Von Horst Hofmann ist die seit zwei Jahren währende Problematik in der Ehrenamtsveranstaltung des Landkreises angesprochen worden. „Ich hoffe, dass wir nicht weitere zwei Jahre auf ein Ergebnis warten müssen“, zeigt sich der zweifache Vater, Großvater und Ehemann der ebenso vereinsemsigen  Angelika Hofmann zuversichtlich.