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| 18:14 Uhr

Illegale Entsorgung belastet Umwelt
Schwarzheide will von Müllsündern bis zu 5000 Euro kassieren

 Mit rund 60 neuen Tafeln will die Stadt Schwarzheide Müllsündern an den Kragen. Die Hälfte der selbst kreierten Schilder wurde bereits an verschiedenen Stellen im Ort aufgestellt. Hier präsentiert Bürgermeister Christoph Schmidt eine der Tafeln.
Mit rund 60 neuen Tafeln will die Stadt Schwarzheide Müllsündern an den Kragen. Die Hälfte der selbst kreierten Schilder wurde bereits an verschiedenen Stellen im Ort aufgestellt. Hier präsentiert Bürgermeister Christoph Schmidt eine der Tafeln. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg. In Brandenburg belasten alte Deponien und die verbotene Müllentsorgung Umwelt und Behörden. Die Beseitigung der illegalen Müllhalden ist teuer. Eine Stadt will Abfallsündern nun mit Schildern an den Kragen. Von Jan Augustin und Torsten Richter-Zippack

In Brandenburg gibt es noch immer etliche illegale Abfallhalden. Mal sind es einst genehmigte Deponien, deren Betreiber pleite gegangen sind. Teilweise wird Müll aus kriminellen Motiven heraus gelagert.

Auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis befinden sich derartige Plätze. Das bestätigt Bau-, Ordnungs- und Umweltdezernentin Grit Klug auf eine Nachfrage des Kreistagsabgeordneten Winfried Böhmer (Die Linke/Grüne). Dabei handelt es sich um das Reifenlager in der Senftenberger Ackerstraße, um ein Grundstück in Lauchhammer und um ein Gelände in Neupetershain.

Auf dem Areal der seit 2002 insolventen Refo GmbH in Neupetershain sollen sich etwa 100 Tonnen Produktionsrückstände wie Ölfilter und Altöle befinden. „Diese gefährlichen Abfälle lagern innerhalb der verschlossenen Produktionshalle auf versiegeltem, wasserdichten Boden“, erläutert Grit Klug. Die Halle sei verschlossen und gesichert. Von der zuständigen Amtsverwaltung sei ein Gutachten zur Schutzgutgefährdung beauftragt worden.

Die Entsorgungskosten werden auf 34 000 Euro geschätzt. Das Amt Altdöbern habe zwischen 2010 und 2013 mehrere Versuche unternommen, das Anwesen im Zuge einer Zwangsvollstreckung versteigern zu lassen, jedoch ohne Erfolg.

Müllentsorgung kostet sehr viel Geld

Auf dem Grundstück in Lauchhammer, auf dem die vor zehn Jahren insolvent gegangene Baustoffe GmbH firmierte, lagern laut Klug 12 000 Kubikmeter mineralische Abfälle und 315 Kubikmeter Kabelgranulat, größtenteils auf versiegelten Flächen.

 Hunderte Feuerwehrleute kämpften im Sommer 2018 gegen zwei Großbrände im Reifenlager in der Senftenberger Ackerstraße an.
Hunderte Feuerwehrleute kämpften im Sommer 2018 gegen zwei Großbrände im Reifenlager in der Senftenberger Ackerstraße an. FOTO: dpa / Steffen Rasche

Für das Abfalllager sei 2014 ein Gutachten erstellt worden. Dieses lasse keine „unmittelbare Gefahr für Schutzgüter“ erkennen. Die Entsorgungskosten für das illegale Abfalllager werden auf mehr als eine Million Euro geschätzt.

Teuer wird auch die Beräumung des illegalen Reifenlagers in der Senftenberger Ackerstraße, das im Sommer 2018 zweimal einem Großbrand ausgesetzt war. Das zuständige Landesamt für Umwelt hatte die Räumung vor Kurzem verfügt. Wann das tatsächlich passiert, ist noch unklar.

Bereits 2011 war eine erste Räumungsverfügung für das Reifenlager ergangen, nachdem die Besitzerfirma Lausitz Gummi GmbH Insolvenz anmeldete und ihre Betriebsgenehmigung ausgelaufen war. Vollstreckt wurde diese aber ebenso wenig wie weitere Verfügungen aus dem Jahr 2014.

Abgeordneter macht Druck bei illegalen Müllhalden

Für den Kreistagsabgeordneten Winfried Böhmer genügt es nicht, „die illegalen Abfalllager zu sichern. Hier werden endlich Lösungen gebraucht, um diese zu beseitigen.“ Der umweltpolitische Sprecher der Bündnisgrünen-Fraktion im Landtag, Benjamin Raschke, ergänzt: „Nicht von jeder illegalen Müllablagerung geht eine Gefahr für Mensch und Umwelt aus, in einigen Fällen sind sie jedoch tickende Zeitbomben.“ Offen bleibe, wie der Sachstand für eine weitere illegale Müllhalde in Drochow bei Schipkau sei. „Dem wird nachzugehen sein“, so Raschke.

Ein Problem mit Müll und dessen illegaler Entsorgung hat auch Schwarzheide. Den Abfallsündern will die Stadt nun mit selbst kreierten Tafeln an den Kragen. Die Schilder wurden bereits an verschiedenen Stellen im Ort aufgestellt, sagt Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos). „Wir müssen die Leute, die ihren Dreck in der Landschaft entsorgen, erwischen. Das ist recht schwierig“, erklärt Schmidt.

Ob die Kommune im Fall der Fälle tatsächlich die auf den Tafeln angedrohte Summe von bis zu 5000 Euro einfordert, lässt der Bürgermeister offen. Pro Jahr muss die Kommune rund 20 000 Euro aufbringen, um illegale Mülldeponien zu beseitigen.