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| 02:54 Uhr

Ideen-Schmieden arbeiten für Stadt-Umland-Wettbewerb

Für flotte Radwege zwischen den Dörfern hofft das Amt Ortrand auf die Finanzspritze.
Für flotte Radwege zwischen den Dörfern hofft das Amt Ortrand auf die Finanzspritze. FOTO: fotolia
Senftenberg/Lauchhammer. Die zentralen Städte im Landkreis Oberspreewald-Lausitz schmieden mit dörflichen Nachbarn jetzt im Finale die Pläne für den Stadt-Umland-Wettbewerb. Denn Fördergelder aus dem europäischen Topf der ländlichen Entwicklung winken für die überzeugendsten Ideen und Zukunftsstrategien. Kathleen Weserund Manfred Feller

Stadt und Umland sollen in den Regionen Brandenburgs nun auch funktional stärker verflochten werden, um die Lebensqualität vor dem Hintergrund der schrumpfenden und alternden Bevölkerung dauerhaft zu sichern. Dafür ist in den europäischen Fördergebieten der ländlichen Entwicklung erstmals ein Stadt-Umland-Wettbewerb gestartet worden.

Bausubstanz im Fokus

Das geteilte Mittelzentrum Senftenberg und Großräschen schwitzt mit den Partnern Schipkau und Altdöbern über der gemeinsamen Zukunftsstrategie, mit der die ausgelobten Fördergelder eingeworben werden sollen. Das hat Andrea Fischer, die Leiterin des Stadtplanungsamtes in Senftenberg, während des jüngsten Bauausschusses versichert. Als ein gemeinsames Ziel wird formuliert, "identitätsstiftende Bausubstanz in Wert zu setzen". Altdöbern will demnach für Schloss und Park in den Topf greifen. Senftenberg nimmt die alte Realschule ins Visier, um das leer stehende Gebäude nachnutzbar zu machen. Großräschen will die Gaststätte "Lausitz" wiederbeleben. Und Schipkau beabsichtigt, den Standort FamilienCampus Klettwitz zu fördern.

Leistungsstarke kommunale Zentren in der Region mit den neuen Seen und neuen Landschaften sind das Ziel. Lückenschlüsse im Radwegenetz und die Qualifikation von Migranten für den Arbeitsmarkt sind weitere Themenfelder des kommunalen Quartetts. Der seit März erarbeitete Stand des Wettbewerbsbeitrages klingt noch nach einem Sammelsurium von Wünschen auf kommunalem Terrain, die zwar schön sind, aber für zukunftsfähige Strukturen im ländlichen Raum weniger hilfreich scheinen. Die Abschlussberatung der Partner ist auf Anfang September terminiert. Noch kann das Paket rundgemacht werden.

Ortrand will noch aufspringen
Die entscheidenden Weichen sollen auch in Lauchhammer/Schwarzheide mit Ruhland in den ersten September-Tagen exakt gestellt werden. Ortrand will im Finale des Wettbewerbes noch aufspringen. Das Amt ist in der Förderregion Elbe-Elster verortet - und zunächst auch nur dort angetreten. Finsterwalde als Anker für einen mobilen ländlichen Raum mit Ortrand hatte die Ratsrunde der amtsführenden Stadt jedoch nicht überzeugt. Amtsdirektor Kersten Sickert ist von den Abgeordneten aufgefordert worden, auf Lauchhammer, Schwarzheide und Ruhland als Partner zuzugehen. Schon die örtlichen und menschlichen Beziehungen der Bewohner zwischen Tettau und Frauwalde sprächen für diese Wettbewerbspartnerschaft. Und aus der oft beklagten Grenzlage könne für das ländliche Amtsgebiet damit doppelt Kapital geschlagen werden. Die Radwege-Verbindungen zwischen Tettau und Lindenau, Kroppen und Ortrand hat das Amt auf dem Schirm. Auch für das Umstellen der Straßenbeleuchtungen auf energiesparendes LED-Licht wird mit dem Fördertopf geliebäugelt. Auf den sind die Stadt und die Gemeinden aber für derart lokale Wünsche bereits zugriffsberechtigt.

Idee für Praxis auf Rädern

Fürsprecher sei Ortrand, so Amtsdirektor Kersten Sickert im jüngsten Amtsausschuss, für eine Ruhlander Idee: Ein mobiles Ärztezimmer als Praxis auf Rädern soll in die Dörfer starten, um die medizinische Versorgung der betagten Mitbürger weitgehend am Wohnort zu gewährleisten.

In die Voraussetzungen für eine gesicherte Erwerbsfähigkeit der Bürger zu investieren, darauf hat sich das bisherige Trio Lauchhammer, Schwarzheide und Ruhland bereits verständigt. Das bestätigt Jörg Rother, der Vize-Bürgermeister der Stadt Lauchhammer. Eine gemeinsame Pilot-Schule für die inklusive Bildung sei ins Auge gefasst. Wirtschaft, Umwelt und Technologie am Standort sollen befördert werden. Die Idee vom schwimmenden Klassenzimmer hat Schwarzheide in dem Sinne platziert. Regionale Verknüpfungen der Fuß- und Radwege sind ein weiteres gemeinsames Entwicklungsthema, sagt Rother. Mobilität soll in der Fläche organisiert werden - von Hol- und Bringe-Diensten bis zu gut abgestimmten Verbindungen von Bahn und Bus im öffentlichen Nahverkehr. Die Wohnquartiere müssen gut erreichbar werden.

Gemeinsame Ausgangsbasis

Die Städte Lauchhammer, Schwarzheide und Ruhland können für ihre neue Strategie, sich besser zu verzahnen, schon auf ein gemeinsames interkommunales Entwicklungskonzept aus den Jahren 2002 und 2003 zurückgreifen. Das hatten alle drei Ratsrunden schon abgesegnet. "Die Bedingungen sind inzwischen andere", räumt Jörg Rother ein. Aber die gemeinsame Ausgangsbasis mache das schwierige Geschäft um einen überzeugenden Wettbewerbsbeitrag schon etwas leichter. Die große Herausforderung ist, die realen Bedürfnisse der Bürger in der nach wie vor von Einwohnerschwund und Überalterung betroffenen Region in Ideen zu verpacken, die noch dem engen Korsett der europäischen Förderrichtlinien entsprechen. Die nächsten Wochen werden auch in Lauchhammer noch voll genutzt, "um die Ideen auszufeilen". Jörg Rother erklärt: "Da steht uns noch viel Arbeit bevor, die hoffentlich von Erfolg gekrönt wird."

Kommentar: Sinn und Unsinn am Fördertopf

Zum Thema:
Erstmals ist mit der neuen europäischen Förderperiode in Brandenburg ein Stadt-Umland-Wettbewerb gestartet worden. Die heimischen Mittelzentren Senftenberg/Großräschen und Lauchhammer/Schwarzheide können damit im Schulterschluss mit Umland-Gemeinden mit guten Ideen, die ihre Funktion als Dienstleister des ländlichen Raumes nachhaltig stärken, auch auf den ländlichen Fördertopf zugreifen. Das geteilte Mittelzentrum Senftenberg/Großräschen schmiedet mit Schipkau und Altdöbern an den Plänen.Die Mittelzentrum-Partner Lauchhammer und Schwarzheide sind mit dem Amt Ruhland ins Rennen gestartet. Das Amt Ort rand, sonst in der ländlichen Förderregion Schradenland verankert, will hier im Endspurt noch aufspringen. Die Pläne müssen im Herbst bei allen Beteiligten beschlussreif sein. Die Wettbewerbsbeiträge sind bis Ende Oktober einzureichen.