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Idee vom Bunker-Museum geboren

In wenigen Sekunden wird dieses Ei von Erwin Hamann den Bunker herabgerollt sein. Mutti Doreen Hamann hat dabei ebenfalls viel Spaß.
In wenigen Sekunden wird dieses Ei von Erwin Hamann den Bunker herabgerollt sein. Mutti Doreen Hamann hat dabei ebenfalls viel Spaß. FOTO: Tortsen Richter-Zippack/trt1
Schwarzheide. Ein Museum in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg: Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos) fasst das ins Auge. "Wir überlegen, den Bunker westlich der Straße der Jugend zu öffnen und dort eine Dauerausstellung zu etablieren", sagt das Stadtoberhaupt. Am Osterwochenende dient der Bunkerberg aber zunächst als Rampe für das Waleien. Torsten Richter-Zippack / trt1 trt1

Die im vergangenen Jahr vom Schwarzheider Kultur- und Heimatverein präsentierte Schau "70 Jahre Bombenabwürfe auf Schwarzheide" wäre prädestiniert für den Bunker. Die Ausstellung, gestaltet von Doris Lanzke, hatte hunderte Besucher beeindruckt. "Das wäre doch was: Ausgerechnet im Bunker die Schrecken des Bombenkrieges hautnah vorgeführt zu bekommen", wirbt Christoph Schmidt für die Idee. Nunmehr bereits zum zweiten Mal dient der Bunker am Sonnabend dem österlichen Waleien. Mehrere hundert Besucher, vor allem junge und ganz junge, haben die Einladung der Allianz für Schwarzheide (AFS) angenommen und lassen ihre Eier vom Weltkriegsrelikt auf einer rund 20 Meter langen Bahn nach unten rollen. Mehr als 50 Kinder sind am Start. Auch Erwin Hamann (3) aus Schipkau. "Mutti, gib mir noch ein Ei." Sagt's und steckt das Hühnerprodukt in ein Stück alte Dachrinne, die durch den liebevoll von Familie Grotz gebauten Holzosterhasen führt. Anschließend geht es auf der präparierten Kiesbahn hinab. Mit 17,40 Meter fällt der bisherige Rekord, um kurze Zeit später erneut überboten zu werden. Zu weit sollten die Eier indes nicht rollen, da unterhalb des Bunkers im Pappel-Birken-Wald der Sumpf beginnt. Die Schwarzheiderin Annegret Hartmann hat für ihren Enkel Corvin Welz (4) indes gekaufte Supermarkt-Eier für das Waleien mitgebracht. "Unsere eigenen sind dafür zu schade. Die essen wir lieber", sagt die Frau schmunzelnd.

Auf die Besten warten verschieden Preise, darunter Gutscheine verschiedener Schwarzheider Firmen. Am Ende hat Joline Henning mit 19,25 Metern die Nase knapp vorn. Zweiter wird Luis Socher (19,20 Meter) vor Oliver Hoffmann (19,05Meter).

Im nächsten Jahr soll es nach Angaben von Ronny Wagner erneut ein Eier-Waleien am Bunkerberg geben. Und dann ist möglicherweise auch der Plan von den Ausstellungsträumen im Bunker schon ein Stück weiter gediehen.

Zum Thema:
Der Bunker mit dem Namen "Innsbruck" wurde während des Zweiten Weltkrieges für den Schutz der Schwarzheider Bevölkerung von den alliierten Bombenangriffen errichtet. Ein zweiter mit dem Namen "Konstanz" befindet sich unweit des Bürgerhauses. Den Bunker wird die Stadt nicht los. Er liegt mitten im Wohnquartier der Wasserturmsiedlung. Der Rückbau war schon vor Jahren als zu gefährlich verworfen worden.Eine dritte Schutzeinrichtung gegenüber dem BASF-Haupteingang ist nach der Wende abgerissen worden. Nach dem Krieg diente "Innsbruck" den Anwohnern als Kuhstall. Später wurde der Eingang zugemauert. Zu DDR-Zeiten existierten am Bunker mehrere Rodelbahnen. Durch den Bau der Altstoffannahmestelle im Jahr 1988 (heute Wohnhaus) war die Hauptbahn fortan versperrt. Das Gelände wuchs zu und geriet ein wenig in Vergessenheit, bis es jetzt wieder zu neuem Leben erweckt wurde. trt1