| 19:25 Uhr

Suche nach Stammzellspendern in Senftenberg
„Ich würde das jederzeit wieder tun“

Sindy aus Finsterwalde ist Stammzellspenderin. Sie rät auch anderen, sich registrieren zu lassen.
Sindy aus Finsterwalde ist Stammzellspenderin. Sie rät auch anderen, sich registrieren zu lassen. FOTO: privat / DKMS
Senftenberg. Sindy aus Finsterwalde hat Stammzellen gespendet und damit eine lebensrettende Transplantation ermöglicht. Nun wird in Senftenberg für die kleine Katharina ein ähnliches Wunder gesucht.

Vor vier Jahren wurde Sindy aus Finsterwalde zur Lebensretterin. Die heute 42-Jährige spendete damals Stammzellen und rettete dadurch einem an Blutkrebs erkrankten Menschen das Leben. Auf solch ein Wunder hofft auch die Familie der kleinen Katharina aus Senftenberg. Das Baby ist erst sechs Monate alt und muss bereits ums Überleben kämpfen. Denn Katharina leidet an einer lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems. Eine Stammzellspende könnte ihr helfen, wenn ein passender genetischer Zwilling als Spender gefunden wird.

Sindy aus Finsterwalde erzählt, wie sie vor vier Jahren vor der Situation stand, zum Lebensretter zu werden. „Ich hatte mich bereits 2002 bei der deutschen Knochenmarkspender-Organisation DKMS registrieren lassen, weil ich es wichtig finde, anderen Menschen zu helfen“, erinnert sich die Finsterwalderin. „Vor vier Jahren erfuhr ich dann, dass meine Gewebemerkmale mit denen eines Patienten übereinstimmten. Ich war beeindruckt und voller Stolz! Zu wissen, dass ich vielleicht die Einzige war, die diesem Patienten helfen konnte, war ein sehr emotionaler Moment!“

Die Stammzellentnahme erfolgte in Dresden und dauerte rund drei Stunden. „Am Abend erfuhr ich anschließend über die DKMS, dass mein ‘genetischer Zwilling‘ ein Mann Mitte 50 aus Deutschland war. Das war besonders bewegend für mich, da mein verstorbener Vater in etwa das gleiche Alter gehabt hätte“, erzählt Sindy gerührt. Zwei Jahre nach der Spende war die Anonymitätsfrist abgelaufen. „Seitdem treffen wir uns regelmäßig. Es geht meinem Empfänger gut und schon bald werden wir gemeinsam seinen nächsten Geburtstag feiern“, erzählt die 42-Jährige. „Besonders glücklich ist er heute vor allem darüber, Zeit mit seinem zweiten Enkelkind verbringen zu können.“

Zeit mit der Familie, das wünscht Sindy auch der kleinen Katharina aus Senftenberg von ganzem Herzen. Mit seinen erst sechs Monaten sollte das Baby eigentlich gerade ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit erfahren dürfen, den ersten Zahn bekommen und lernen sich zu drehen. Stattdessen ist Katharinas junges Leben durch Krankenhausaufenthalte geprägt. Sie ist an septischer Granulomatose erkrankt und benötigt dringend eine Stammzellspende.

Um zu helfen, haben Freunde und Familienangehörige ein Organisationsteam gebildet, um eine breit angelegte Suche nach einem Stammzellspender zu starten. Gemeinsam mit der DKMS stellen sie eine Registrierungsaktion auf die Beine, die am Sonnabend, 16. Dezember, von 11 bis 16 Uhr in der Sporthalle der Dr. Otto-Rindt-Oberschule in Senftenberg stattfinden soll. „Mit unermüdlichem Einsatz sucht das Team Helfer und Sponsoren, bittet um Geldspenden, verteilt Flugblätter, Plakate und Spendendosen. Das Team hofft, dass viele Menschen bei der Aktion mitmachen und sich bei der DKMS registrieren lassen“, schildert Annika Schirmacher von der DKMS die Aktivitäten.

„Als Mutter einer Tochter geht dieses Schicksal besonders zu Herzen“, sagt auch DKMS-Spenderin Sindy und ermutigt andere, den kleinen Schritt zu gehen. „Lasst euch registrieren. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Jemandem das Leben zu retten, ist ein überwältigendes Gefühl. Ich würde es jederzeit wieder tun!“

Helfen kann, wer zwischen 17 und 55 Jahren alt ist und keine ernsthaften Erkrankungen hat, erklärt DKMS-Mitarbeiterin Annika Schirmacher. Sie bittet die Menschen aus der Region, zur Registrierungsaktion zu kommen. Das sei ganz einfach: Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein. Auch Geldspenden werden dringend benötigt, denn für die Registrierung fallen 35 Euro pro potenziellem Spender an.

(cw)