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"Ich glaube nicht an Gott"

In der Bibel wird erzählt, dass Petrus einmal Jesus gefragt hat: "Was haben wir davon, dass wir alles aufgegeben haben und sind deine Jünger geworden?" Die Antwort Jesu klingt unwahrscheinlich: "Wer um des Reiches Gottes willen viel dahin gibt, wird Vielfaches wieder bekommen." Stimmt das? Unser Vater ist 1952 plötzlich am Herzinfarkt gestorben.

Und dann kommen sie doch, die Bilder von Gott, die man im Kopf hat. Dieser Gott, der wie ein Polizist alles überwacht und straft, wenn man sich nicht richtig verhält. Oder der Gott, der weit weg in den Wolken schwebt und sich nicht für die Welt und schon gar nicht für einen persönlich interessiert. Der Gott, der sich nicht kümmert, obwohl er es doch müsste, wenn er der liebe Gott ist. Für viele ist er auch der Mann mit Bart auf einer weißen Wolke, und die Bezeichnung Gott steht als Abkürzung für "Guter Opa, total taub".

An dieser Stelle bleibt mir dann nichts anderes übrig, als meinem Gesprächspartner Recht zu geben. An so einen Gott könnte, ja wollte ich auch nicht glauben.

Aber, so füge ich hinzu, dieser Gott hat ja auch nichts mit dem zu tun, wie er uns in der Bibel vorgestellt wird, und wie ich ihn persönlich erfahren habe. Gott ist nicht weit weg, und er interessiert sich sehr wohl für mich persönlich, weil ich von ihm geschaffen und geliebt bin. Meine Erfahrung ist die, die der Prophet Jesaja beschreibt. Jesaja 42, 3: "Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen." Ja, so habe ich ihn in so mancher schweren Lebenssituation erfahren. Er ist es, der mich auffängt und Halt gibt, wo ich meine, ins Bodenlose zu fallen. Sicher, das ist meine ganz persönliche, subjektive Erfahrung. Und ich will auch niemanden von Gott überzeugen. Ich möchte nur bezeugen, was ich erfahren durfte und Mut dazu machen, dem Gott, wie er uns in der Bibel vorgestellt wird, zu begegnen. Gott ist nie weiter entfernt als ein Gebet. Das glauben Sie nicht? Dann möchte ich Ihnen mit den Worten aus einem Lied von Gerhard Schöne antworten. "Du hast es nur noch nicht probiert, und darum glaubst du's nicht."