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| 21:45 Uhr

Damals und heute
Die Bauausstellung hat neue Wertschöpfung organisiert

 Die Brücke zur Gubener Theaterinsel ist gebaut worden. Im Hintergrund ist die ehemalige Stadt- und Hauptkirche zu sehen.
Die Brücke zur Gubener Theaterinsel ist gebaut worden. Im Hintergrund ist die ehemalige Stadt- und Hauptkirche zu sehen. FOTO: Stadt Guben
Lausitz. 30 Projekte hat die Internationale Bauausstellung „Fürst-Pückler-Land“ in der Lausitz initiiert. So ist es rund zehn Jahre nach Abschluss um sie bestellt. Von Torsten Richter-Zippack

Erfolgreiche Projekte:

IBA-Auftaktgebiet Großräschen:

Neben dem Hafen ziehen die IBA-Terrassen, der Aussichtspunkt Victoria-Höhe, die Allee der Steine, das Seehotel und das IBA-Studierhaus Tausende Gäste im Jahr an. Jetzt richten sich alle Hoffnungen darauf, dass der Großräschener See seinen Endwasserstand erreicht und für schiffbar erklärt wird.

Besucherbergwerk F 60 in Lichterfeld:

Es handelt sich um das erfolgreichste IBA-Projekt. Die ersten Ideen von der Umnutzung der Abraumförderbrücke gehen auf das Jahr 1996 zurück. Seit der Eröffnung des Besucherbergwerks im Jahr 2002 wurden nach Angaben von Bergwerks- und Amtsdirektor Gottfried Richter bereits 1,13 Millionen Besucher gezählt. Im Jahr 2018 waren es 100 000. Auf sieben bis acht Millionen Euro beläuft sich die jährliche Wertschöpfung. „Wir hätten das Projekt auch ohne IBA gemacht. Die IBA hat den Bekanntheitsgrad wesentlich gefördert“, resümiert Richter.

Stadthafen Senftenberg: Zum IBA-Finale lagen die Pläne für den Stadthafen fertig in der Schublade. Eingeweiht wurde er  im April 2013. Seitdem hat sich der Hafen mit Seebrücke zum neuen Senftenberger Wahrzeichen entwickelt.

Landmarke Lausitzer Seenland (Rostiger Nagel):

Der 30 Meter hohe Turm mit hohem Symbolwert ist ein Muss für die Seen­land-Besucher. „Die Landmarke steht als Metapher für die Wandlung der Region vom jahrzehntelangen Braunkohlentagebau hin zu einer idyllischen Seenlandschaft. Sie ist mittlerweile überregional bekannt“, sagt Dana Hüttner vom Seen­land-Verband Brandenburg.

▶ Projekte mit Potenzial:

Gartenstadt Marga, Kraftzentrale und Waschkaue in Senftenberg:

 Auch die Slawenburg Raddusch gehört zu den IBA-Projekten. Sie öffnete im Jahr 2003 ihre Pforten.
Auch die Slawenburg Raddusch gehört zu den IBA-Projekten. Sie öffnete im Jahr 2003 ihre Pforten. FOTO: Slawenburg / Holger Neumann
 Auch die Slawenburg Raddusch gehört zu den IBA-Projekten. Sie öffnete im Jahr 2003 ihre Pforten.
Auch die Slawenburg Raddusch gehört zu den IBA-Projekten. Sie öffnete im Jahr 2003 ihre Pforten. FOTO: Slawenburg / Holger Neumann

Die Gartenstadt ist unmittelbar vor der IBA komplett saniert worden. Waschkaue und Kraftzentrale als ehemalige Industriebauten warten hingegen auf eine neue Nutzung. Denkbar sind, so erklärt Karsten Feucht vom Projekt Inkula, das sich um die Nachnutzung alter Industriebauten kümmert, Lagermöglichkeiten für das Senftenberger Theater Neue Bühne. Denkbar wären auch Aufführungen in den „Kathedralen der Industriekultur“.

Biotürme Lauchhammer:

Die im Sommer 2009 eröffneten Aussichtskanzeln an den Lauchhammeraner Biotürmen, dem „Castel del Monte der Lausitz“, haben im ersten Jahr rund 6000 Besucher angezogen. Heute ist es die Hälfte. Ursprünglich waren auf dem Gelände Großveranstaltungen geplant. „Diese sind in unserer Gegend schwer zu realisieren“, sagt Wilken Straatmann von der Biotürme Lauchhammer gGmbH.

Sicherung der Gubiner Hauptkirche:

Laut einer Dokumentation würde der Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Kirche rund zehn Millionen Euro kosten. „Wir suchen Förderer, das gestaltet sich schwierig“, gibt Günter Quiel vom Förderverein den Sachstand wieder. Immerhin: Der komplette Turm ist saniert. Perspektivisch soll das Gotteshaus zu einem Begegnungszentrum umgestaltet werden.

Stadtumbau Cottbus-Sachsendorf/Madlow:

„Der Großteil der durch die IBA begleiteten Projekte wurde realisiert. Dennoch wird der Stadtteil weiterhin eine Beobachtung, soziale Begleitung und auch einen Eingriff in den Wohnungs- und Gebäudebestand erfordern“, erklärt Stadtsprecher Jan Gloßmann.

Umfeldgestaltung Cottbuser Ostsee:

Die Idee der Seebühne stellt sich heute etwas anders dar als im Jahr 2010. „Die Grundidee bleibt bestehen und wird nun im Rahmen des neuen Hafenquartiers umgesetzt. Die Stadt Cottbus hat ein Veranstaltungsareal in Form der Eventfläche am Aussichtsturm mit Gewerbe und Wohnen kombiniert“, sagt Jan Gloßmann.

Pückler-Parke in Branitz und Bad Muskau sowie Kulturlandschaft Fürstlich Drehna:

Die Bauausstellung hat die überregionale Bekanntheit beider Park-Ensembles erheblich gesteigert. Darüber hinaus wurde laut dem Branitzer Parkleiter Claudius Wecke der Fürst-Pückler-Kutsch- und Radweg etabliert. Ähnlich promotet wurde die Kulturlandschaft Fürstlich Drehna. Allerdings ist nach Angaben von Claudia Donat vom Naturpark Niederlausitzer Landrücken der erhoffte Entwicklungsschub wegen der bergbaulichen Sperrgebiete in unmittelbarer Nähe leider noch ausgeblieben.

Gescheiterte Projekte:

Lagunendorf Sedlitz am Sedlitzer See: Die Vision „Venedig in der Lausitz“ ist in der Senftenberger Stadtverordnetenversammlung knapp abgelehnt worden. Der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) will den Standort dennoch entwickeln. „Vorgesehen sind unter anderem die Schaffung der verkehrs- und medientechnischen Erschließung, die Errichtung eines Multifunktionsgebäudes, eines Strandes und Steganlagen für einen Wasserwanderrastplatz“, sagt LSB-Sprecherin Dana Hüttner.

Landschaftsprojekt Welzow:

Östlich von Welzow sollte auf 700 Hektar eine Fläche mit Hügeln, Rippen und Ebenen geschüttet werden. Nach Angaben des ehemaligen IBA-Geschäftsführers Rolf Kuhn sorgten Widerstand aus den umliegenden Dörfern sowie der enorme Aufwand zum Ändern des bergmännischen Abschlussplans für das Scheitern.

Wasserreich Spree in Lübben:

„Die Projektentwicklung für das Besucherzentrum wurde 2011 abgebrochen, da die Frage der Trägerschaft und damit die Frage, wer Antragsteller für Fördermittel ist, nicht geklärt werden konnte“, erklärt Stadtsprecherin Dörthe Ziemer. Allerdings gibt es noch Hoffnung: Denn das Tourismuskonzept aus dem Jahr 2017 empfiehlt ebenfalls die Überprüfung, Anpassung und Wiederaufnahme des Projektes.

Schwimmender Steg über den Sedlitzer See:

Nach Erreichen des Endwasserstandes im Sedlitzer See wird der schwimmende Steg 160 Meter in das Wasser hineinragen. „Das Projekt, die Konstruktion über den gesamten See zu führen, wird nur mit einem privaten Investor möglich sein“, sagt Dana Hüttner. Der schwimmende Steg ist derzeit wegen der geplanten Sanierungsarbeiten an der Böschung nicht begehbar.

Landschaftsbauwerk „Die Hand“ am Altdöberner See:

Ursprünglich war vorgesehen, eine symbolische Hand vom Altdöberner Ufer in Richtung der Halbinsel Pritzen zu gestalten. „Sie wird nicht realisiert,“ stellt Dana Hüttner klar. Gründe nennt sie nicht. Allerdings hatte es an der vorgesehenen Stelle eine größere Rutschung gegeben.

 Die Brücke zur Gubener Theaterinsel ist gebaut worden. Im Hintergrund ist die ehemalige Stadt- und Hauptkirche zu sehen.
Die Brücke zur Gubener Theaterinsel ist gebaut worden. Im Hintergrund ist die ehemalige Stadt- und Hauptkirche zu sehen. FOTO: Stadt Guben